Happy End vor Gericht

Opa Manne im Glück: Der 85-Jährige darf in seinem Häuschen bleiben!

Manfred Moslehner sollte sein Elternhaus in Reinickendorf räumen, damit es saniert und verkauft werden kann. Doch der Rentner gab nicht auf und kämpfte vor Gericht.

Teilen
Manfred Moslehner in der Tür seines Elternhauses: Seit seiner Geburt lebt er dort. Doch ein Investor wollte ihn aus seinem Zuhause vertreiben.
Manfred Moslehner in der Tür seines Elternhauses: Seit seiner Geburt lebt er dort. Doch ein Investor wollte ihn aus seinem Zuhause vertreiben.Volkmar Otto

Es lohnt sich zu kämpfen, auch wenn man so alt ist wie Opa Manne. Eigentlich heißt er Manfred Moslehner, ist 85 Jahre alt, kommt aus Berlin-Reinickendorf. So mancher KURIER-Leser wird sich an Opa Manne noch erinnern, der aus seinem Elternhaus vertrieben werden sollte. Doch nun gab es vor dem Berliner Landgericht ein glückliches Ende. Manfred Moslehner darf in seinem Häuschen bleiben!

So richtig konnte er sein Glück noch nicht fassen. Manne steht am Ende der Gerichtsverhandlung an diesem Dienstagvormittag gebeugt und etwas unbeholfen vor dem Saal des Landgerichts in der Littenstraße. Immer wieder wird der 85-Jährige von seinen Unterstützern umarmt. Lautstarke „Gewonnen“-Rufe hallen durch den Gang, wie es Katrin Bischoff, Gerichtsreporterin bei der Berliner Zeitung (BLZ) beschreibt.

Die Mieter in der Siedlung kämpften für ihren „Manne“ – mit Erfolg.
Die Mieter in der Siedlung kämpften für ihren „Manne“ – mit Erfolg.Volkmar Otto

Kein Wunder, bei Beginn der Berufsverhandlung sah es für den älteren Herren noch nicht so rosig aus. Schließlich ging es um ein Räumungsurteil, das im April das Amtsgericht Wedding erlassen hatte. Danach sollte der 85-Jährige sein Haus in der Siedlung Am Steinberg verlassen, in dem schon seine Eltern wohnten und er als Kind dort aufwuchs.

Das Urteil aus dem Frühjahr war der traurige Höhepunkt eines Gefechtes, das die Menschen in dieser idyllischen Reihenhaussiedlung seit Jahren in Unruhe versetzt. Die alteingesessenen Mieter der Siedlung kämpfen seit 14 Jahren gegen ihre Verdrängung.

Investor kaufte Siedlung: Opa Manne sollte als erste sein Häuschen räumen

Ein Investor hatte die Reihenhäuschen 2010 gekauft und besteht seither auf die Modernisierung der Gebäude, um sie danach profitabel weiterzuverkaufen. Manne war der erste, gegen den eine Räumungsklage eingereicht wurde und der aus seinem Zuhause herausgeworfen werden sollte.

Die Nachbarn protestierten im April vor dem Amtsgericht Wedding, wo das Räumungsurteil gegen Manfred Moslehner gefällt wurde.
Die Nachbarn protestierten im April vor dem Amtsgericht Wedding, wo das Räumungsurteil gegen Manfred Moslehner gefällt wurde.Wiebke Hollersen

Doch die Nachbarn kämpften für ihn. Die Initiative „Manne soll bleiben“ wurde gegründet. Man sammelte Spenden, damit Manfred Moslehner die Kosten für den langen Rechtsstreit bezahlen konnte, die sich der einstige Schlosser von seiner kleinen Rente von etwa 1000 Euro nicht hätte leisten können.

Auch nicht die Berufungsklage vor dem Berliner Landgericht. Doch dass Manne nicht aufgab, dafür hatte sich sein langer Weg durch die Instanzen gelohnt.

Denn die Vorsitzende Richterin Astrid Siegmund erklärte in der Berufsverhandlung: Manne muss sein Reihenhäuschen in der Siedlung Am Steinberg in Reinickendorf, in dem er seit seiner Geburt lebt, nicht räumen.

„Wir haben es uns nicht leicht gemacht und streng nach der Rechtssprechung entschieden“, sagte Richterin Siegmund. Doch die Kündigungen, die der Investor ausgesprochen hat, seien nicht rechtens. Damit verwarf die Richterin das zuvor ergangene Räumungsurteil.

Opa Manne: Räumungsurteil war nicht rechtens

In dem BLZ-Bericht heißt es: Die Kündigungen seien nach Auffassung der Kammer ohne Rechtsgrundlage ausgesprochen worden. Die Klägerin habe Manfred Moslehner mit Verlangen überzogen, die ihr nicht zugestanden hätten. Damit habe sie gegen das Rücksichtnahmegebot verstoßen. Manfred Moslehner sei ein außerordentlich betagter Mieter, der in keiner guten gesundheitlichen Verfassung sei, so die Richterin.

Man kann sich kaum vorstellen, was da im Innern von Opa Manne vorgegangen ist. Vor wenigen Stunden drohte ihm noch der Verlust der eigenen vier Wände. Wohin soll auch der Senior hinziehen, bei den hohen Mieten in Berlin finden ja schon nicht einmal jüngere Menschen eine Wohnung, die man sich leisten kann? Und einen alten Baum verpflanzt man nicht, sagt ein Sprichwort.

Jetzt also das Happy End vor Gericht. Manne fühlte sich nach der Verhandlung wundervoll. Laut dem BLZ-Bericht wolle er nun ein wenig mit seinen Unterstützern feiern. Sein Anwalt Henrik Solf erklärt, er habe die Worte der Richterin mit Freude aufgenommen.

Es sei jedoch eine Einzelfallentscheidung. Klar sei, dass das Thema für Manne für die Zukunft noch nicht ausgestanden sei. Die Entscheidung lasse Raum für weitere Versuche, in der Wohnung seines Mandanten eine Modernisierung durchzuführen und den Mieter damit zu verdrängen, so der Anwalt. ■