Kein Wochenende wie jedes andere! Freitag, Sonnabend und Sonntag schwitzte ganz Deutschland bei tropischen Temperaturen. Die Berliner Bäder-Betriebe zählten mehr als 120.000 Gäste, die Abkühlung suchten.
Vielfache Mutter steht immer noch unter Schock
Natalie Roller und zwei ihrer Kinder (6, 7) waren drei davon. Sonnabend besuchten sie das Freibad Seestraße in Wedding. So schnell wird die 40-Jährige mit ihrer Familie allerdings nicht dorthin zurückkehren. Sie sagt: „Ich gehe nicht mehr ins Freibad. Leider.“ Es müssen dramatische Szenen gewesen sein, die sich dort abgespielt haben. „Ich stehe immer noch unter Schock“, sagt sie.
Natalie Roller wurde Zeugin, wie ein etwa sechsjähriger Junge im Bereich der Rutschen mit einer Schwimmhilfe mit sogenannten Beinstützen kopfüber ins Wasser sprang. Dabei geriet er so unglücklich ins Wasser, dass er sich nicht mehr selbstständig befreien konnte. Sein Hilferuf war leise, doch Natalie Roller hörte ihn und befreite ihn aus dem Schwimmring. „Ich habe ihn umgedreht und am Oberkörper festgehalten. Er hat sich dann aus diesem Ring herausgestrampelt“, berichtet sie.

Ein Bademeister war in diesem Moment weit und breit nicht zu sehen. „Genau an der Stelle, an der das mit dem Jungen passiert ist, stand vorher eigentlich jedes Mal ein Bademeister“, sagt sie. Diesmal nicht. Vermutlich, so Roller, befand sich dieser wegen eines zeitgleichen Polizeieinsatzes auf der gegenüberliegenden Wiese.
Ist der Personalmangel im Bad das große Problem?
Die sechsfache Mutter sagt: „Mit Sicherheit kann das der Grund gewesen sein. Aber ich habe festgestellt, dass das große Problem der Personalmangel ist.“ Die Weddingerin erklärt: „Wir geben unsere Kinder dorthin. Die Größeren gehen auch mal allein, aber natürlich sind dort auch viele kleinere Kinder. Wenn ich mit vier kleinen Kindern ins Freibad gehe, kann ich nicht alle gleichzeitig im Blick behalten. Genau deshalb gehe ich ja ins Freibad und nicht an einen See – weil ich dort diese Sicherheit erwarte. Und die war nicht gegeben.“

Später machte sie einen Mitarbeiter auf den Vorfall aufmerksam. Doch dessen Reaktion enttäuschte sie: „Ich habe gesagt: Können Sie das bitte melden? Es wäre beinahe ein Kind gestorben. Ich weiß nicht, ob er das ernst genommen hat. Klar, es war heiß und es herrschte viel Betrieb.“
Freibad-Retterin fordert mehr Personal
Sie ergänzt: „Den einzelnen Mitarbeiter würde ich niemals beschuldigen. Aber ich fand seine Reaktion trotzdem schwierig. Das zeigt auch, wie hilflos die Mitarbeiter teilweise sind.“ Natalie Roller wünscht sich mehr Personal vor Ort, damit sich die Gäste schlichtweg sicher fühlen können. Gerade Großfamilien könnten nicht jederzeit alle Kinder im Blick behalten.

Fest steht auch: Wer die Eltern des sechsjährigen Jungen waren, weiß sie nicht. Die viel zu kleine Schwimmhilfe gehörte nach ihren Angaben nicht dem Jungen, sondern lag einfach herum. Roller konnte die Besitzerin ausfindig machen: „Ich habe ihr gesagt, dass das gefährlich ist und dass sie das nicht einfach herumliegen lassen kann. Beinahe wäre ein Junge deswegen gestorben. Sie hat gar nicht verstanden, was gerade passiert war.“
Beschwerde bei den Bäder-Betrieben blieb unbeantwortet
Bereits kurz nach dem Vorfall schickte sie eine Beschwerde an die Berliner Bäder-Betriebe, erhielt jedoch lediglich eine Standardantwort mit dem Hinweis, dass derzeit ein „sehr hohes Anfrageaufkommen“ zu bewältigen sei.
Das deckt sich mit den Erfahrungen des KURIER, der die Berliner Bäder-Betriebe bereits am Sonntag zu den chaotischen Zuständen im Kombibad Gropiusstadt befragt hatte. Auch hierzu liegt bislang keine Antwort vor.




