Die Alt-Kanzlerin beschert dem Bode-Museum einen Besucher-Boom. Viele Gäste kommen derzeit vor allem wegen Angela Merkel auf die Berliner Museumsinsel. „Wo geht es denn zum Merkel-Porträt?“, gehört dort inzwischen zu den am häufigsten gestellten Fragen. Das Gemälde ist noch bis Anfang Oktober öffentlich zu sehen, bevor es ins Kanzleramt umzieht.
Angela Merkel sorgt für Andrang
Angela Merkel ist damit ein echter Publikumsmagnet im Bode-Museum. Seit das Porträt der früheren Bundeskanzlerin Ende Juni ausgestellt wurde, kommen deutlich mehr Besucher ins Haus. „Die tägliche Besuchszahl liegt im Schnitt um 85 Prozent höher als im Juni“, sagte ein Sprecher der Museumsinsel.
Das Porträt, das Angela Merkel im leuchtendblauen Blazer zeigt, wird im Herbst seinen Platz in der Kanzlergalerie im ersten Stock des Bundeskanzleramts bekommen. Bis dahin hängt es jedoch nur wenige Meter von Merkels Wohnung entfernt auf der Museumsinsel. Noch bis zum 4. Oktober können Besucher das Gemälde dort sehen.

Merkel ließ sich Zeit mit ihrem Kanzler-Porträt
Bei der Enthüllung Ende Juni war Merkel selbst anwesend. Die Ex-Kanzlerin hatte sich ungewöhnlich viel Zeit gelassen, bis sie sich für einen Künstler entschied. Ihr Ausscheiden aus dem Amt liegt inzwischen fast fünf Jahre zurück. „Ich brauchte Abstand“, sagte die CDU-Politikerin bei der Vorstellung des Bildes. Das Porträt habe kein Punkt auf einer abzuarbeitenden To-do-Liste sein sollen. „Sondern ich wollte Freude an einem solchen Vorgang haben.“
Gemalt wurde das Werk vom deutsch-französischen Künstler Jérémie Queyras. Der heute 28-Jährige stammt aus einer Freiburger Musikerfamilie und hatte sich bereits 2022 mit einem handschriftlichen Brief bei Merkel um den Auftrag beworben. Drei Jahre später kam es zum ersten Gespräch, danach begann die Arbeit an dem offiziellen Staatsporträt. Die Entscheidung für den jungen Künstler sei ein „kleines Abenteuer“ gewesen, sagte Merkel.

Angela Merkel ohne die typische Raute
Das Gemälde zeigt die frühere Kanzlerin in einem leuchtend blauen Blazer vor goldbraunem Hintergrund. Anders als ihre sieben Vorgänger ließ sie sich stehend malen, leicht überlebensgroß und bis zu den Knien dargestellt. Die typische Merkel-Raute fehlt. Stattdessen ruht ihre linke Hand auf einer Sessellehne.
Zu sehen sind weitere persönliche Details: Merkel trägt eine Bernsteinkette. Auf einem Tisch neben ihr liegen eine Aktenmappe und ein silberner Würfel, den sie nach eigenen Angaben schon als Kanzlerin gerne in die Hand nahm. Darauf steht der Satz: „In der Ruhe liegt die Kraft“.
Auch der Ausstellungsort hat für Merkel eine persönliche Bedeutung. Bei der Enthüllung erinnerte sie daran, schon als Jugendliche das Bode-Museum besucht zu haben. Besonders die Münzsammlung sei ihr in Erinnerung geblieben. Heute wohnt sie gegenüber auf der anderen Seite des Kupfergrabens in unmittelbarer Nähe zur Museumsinsel.
„Da häng' ich dann eben“
Im Herbst also wird das Porträt dann in die Kanzlergalerie umziehen. Dort hängen bereits die Gemälde der früheren Regierungschefs. Merkel bekommt ihren Platz neben Gerhard Schröder.
Ganz wohl scheint ihr die Vorstellung, selbst Teil dieser Galerie zu werden, allerdings nicht zu sein. Der „Zeit“, die die Entstehung des Bildes begleitet hat, sagte sie: „Es ist komisch, wenn man langsam Geschichte wird.“ Und fügte trocken hinzu: „Da häng' ich dann eben.“

