Er sprang aus dem Fenster

Vom Millionencoup zur Literatur: Lugmeier im Alter von 76 gestorben

Ludwig Lugmeier, einst Ausbrecherkönig und später  Schriftsteller, ist im Alter von 76 Jahren in Berlin gestorben. Er hatte ein ungewöhnliches Leben.

Author - Sebastian Karkos
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Ludwig Lugmeier war als Ausbrecherkönig bekannt.
Ludwig Lugmeier war als Ausbrecherkönig bekannt.Ingo Wagner/DPA

Er war Gangster und Ausbrecherkönig. Und in seiner zweiten Karriere machte er als Schriftsteller von sich reden. Nun ist Ludwig Lugmeier tot. Der in Kochel am See in Bayern geborene Autor wurde 76 Jahre alt und starb an seinem Wohnort Berlin.

Mit 17 kam Lugmeier erstmals in Haft

Schon als Jugendlicher war er von Außenseitern fasziniert, wollte sich selbst nicht anpassen und kam früh mit dem Gesetz in Konflikt. Mit 17 Jahren kam Lugmeier erstmals in Jugendhaft. Später überfiel er unter anderem 1972 einen Supermarkt in München und 1973 einen Geldtransporter der Dresdner Bank. Es war von einer Millionenbeute die Rede.

Lugmeier galt in dieser Zeit in ganz Deutschland und darüber hinaus als gefährlicher Gangster und Ausbrecherkönig und machte immer wieder Schlagzeilen. Er floh vor der Polizei nach Mexiko, wurde 1974 gefasst und nach Deutschland ausgeliefert.

Berühmt machte ihn ein Sprung aus einem offenen Fenster – und die anschließende Flucht. 1976 entkam Lugmeier während einer Gerichtsverhandlung in Frankfurt mit einem Sprung aus dem Fenster des Gerichtssaals. In Abwesenheit wurde er zu zwölf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Ludwig Lugmeier (r.) wird 1974 in Frankfurt abgeführt.
Ludwig Lugmeier (r.) wird 1974 in Frankfurt abgeführt.imago stock&people

Er tauchte in Island unter, wurde jedoch ein Jahr später in Reykjavik gefasst und erneut ausgeliefert. Von 1977 bis 1989 verbüßte er seine Gefängnisstrafen. Hinter Gittern begann er seine Karriere als Schriftsteller. Noch vor seiner Entlassung erschien 1987 sein Erzählband „Schattenränder“. Der Gedichtband „Flickstellen“ folgte ein Jahr später, 1993 dann sein Roman „Wo der Hund begraben ist“.

2005 veröffentlichte er einen autobiografischen Roman

Lugmeier bewies auch als Autor langen Atem und Hartnäckigkeit, veröffentlichte einen weiteren Gedichtband und 2005 den autobiografischen Roman „Der Mann, der aus dem Fenster sprang“. Gedichte und Erzählungen von ihm erschienen zudem in Anthologien und Zeitschriften; sein letzter Erzählungsband „So der Herr mit Zylinder“ erschien 2022.

Festlegen ließ sich Lugmeier als Künstler nie: Er schrieb Reportagen, lieferte Rundfunk-Features – und war wegen seiner einprägsamen, tiefen Stimme auch ein gefragter Märchenerzähler. „Ludwig Lugmeier war ein ungewöhnlich herzlicher Mensch“, teilte der Verbrecher Verlag mit. „Es war eine Freude, mit ihm zu arbeiten.“ (mit dpa)