Der Schock sitzt noch immer tief. Nach dem Tod eines fünfjährigen Jungen in der Kita Adlerküken im Bezirk Treptow-Köpenick ist die Trauer weiter groß. Nur langsam kehrt in der Einrichtung in Niederschöneweide so etwas wie Normalität ein.
Der Kitabetrieb wurde in der vergangenen Woche in einem anderen Bereich des Gebäudes wieder aufgenommen. Das sei auf Wunsch der Eltern erfolgt, teilte Sabrina Kirmse aus der Pressestelle des Bezirksamtes Treptow-Köpenick auf KURIER-Anfrage mit.
Kinder sollen Wege aus der Traurigkeit finden
„Dabei wurde darauf geachtet, dass der Tagesablauf eher kleinteilig strukturiert wird und die Betreuung durch vertraute Menschen erfolgt“, sagte Kirmse. Ziel der Entscheidung sei es, den Kindern Wege aus der Traurigkeit aufzuzeigen.
Dass das nicht einfach wird, zeigt sich auch noch Tage nach dem tragischen Unfall. Der Tod des fünfjährigen Jungen sei „noch immer schwer zu ertragen“, sagte Kirmse. „In Gedanken sind wir vor allem bei den Angehörigen, die diesen Verlust verarbeiten müssen.“

Ergebnisse zum Unfallhergang sind noch offen
Am 19. Januar war in der Kita Adlerküken ein fünf Jahre alter Junge ums Leben gekommen. Er wurde von einer schweren Tür erschlagen, die aus ihrer Halterung gerissen und nach innen in den Raum gefallen war. Dabei erwischte sie das Kind. Es starb später an den Folgen seiner Verletzungen.
Die Polizei leitete ein Todesermittlungsverfahren ein. Es werde in alle Richtungen ermittelt, hatte ein Sprecher am Unfalltag gesagt. Geprüft werde auch, ob ein Fremdverschulden vorliege. „Ein angeordnetes Obduktionsgutachten nimmt erheblich Zeit in Anspruch“, erklärte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Berlin auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.
Ergebnisse stehen noch aus. „Zum Unfallhergang kann erst nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen etwas gesagt werden“, bestätigte Kirmse. Auch zu möglichen Schadensersatzforderungen und der Frage, ob der Unfall hätte verhindert werden können, konnte sie nichts sagen.
Familie kann nicht mehr in bisheriger Wohnung leben
Am Tag des Unfalls seien Notfallseelsorger der Feuerwehr vor Ort gewesen, um Kinder, Eltern, Erzieher und Angehörige zu beruhigen. Auch habe sich der Jugendstadtrat in der Kita ein Bild von der Lage gemacht und Angebote zur Traumabewältigung organisiert.
Unterdessen lebt die betroffene Familie nicht mehr in ihrer bisherigen Wohnung, wie die Pressesprecherin erzählte. Ihr sei es aufgrund der Erinnerungen an den Vorfall schwergefallen, in ihre bisherige Wohnung zurückzukehren. Auf der Suche nach einer neuen Wohnung habe sich Bezirksbürgermeister Oliver Igel bei der Wohnungsbaugesellschaft eingesetzt, um schnellstmöglich einen Wohnungstausch zu vollziehen. „Daraufhin erhielt die Familie verschiedene Wohnungsangebote“, sagte Kirmse.

Bereits 41.000 Euro an Spenden eingenommen
Die Anteilnahme am tragischen Schicksal des Jungen und der Familie ist weiter groß. Auf der Spendenplattform gofundme läuft seit dem 20. Januar eine Spendenaktion. Bis Dienstagvormittag sind von den erhofften 45.000 Euro bereits 41.483 Euro eingesammelt worden.
„Das ist echt berührend“, sagte Organisator und Onkel Phillip Fuchs. Er hatte den Aufruf zwischenzeitlich geschlossen, doch aufgrund der großen Nachfrage wieder geöffnet. „Ich bin sichtlich gerührt, wie hoch die Bereitschaft ist“, sagte er.


