Miese Bilanz

In Pankow werden mehr Bäume vernichtet als gepflanzt

Diese Bilanz sieht traurig aus. Im grünen Bezirk Pankow schreitet die Vernichtung von Grün voran.

Teilen
Anwohner protestierten mit einer Kunstaktion gegen Baumfällungen am Bahndamm Wollankstraße. Mehr Bäume fallen, als neue hinzukommen.
Anwohner protestierten mit einer Kunstaktion gegen Baumfällungen am Bahndamm Wollankstraße. Mehr Bäume fallen, als neue hinzukommen.snapshot-photography/K.M. Krause

In Pankow kracht’s beim Klimaschutz – und zwar richtig. Während der Bezirk in Sonntagsreden gern von „grüner Zukunft“ spricht, sogar den Klimanotstand ausgerufen hat, zeigt die Realität ein anderes Bild: Mehr Bäume fallen, als neue in die Erde kommen. Das Minus geht auf das Konto des CDU‑geführten Straßen‑ und Grünflächenamts, das laut Jamaika‑Projektvereinbarung eigentlich das Gegenteil liefern müsste.

Spendenbäume sind nur ein kleiner Trost

Die Zahlen sind ein Schlag ins Gesicht für alle, die im Sommer im aufgeheizten Pankow, Prenzlauer Berg oder Weißensee wohnen. In den Jahren 2024 und 2025 wurden 2319 Bäume gefällt – aber nur 1049 neu gepflanzt. In den dicht bebauten Hitzevierteln sieht es besonders düster aus: 2024 viermal mehr Fällungen als Pflanzungen, 2025 sogar 20-mal so viele.

Ausgerechnet dort, wo die Menschen am stärksten unter Hitze leiden, passiert fast nichts – außer man zahlt selbst. Denn im Rahmen der Stadtbaumkampagne dürfen Bürger und Bürgerinnen, die spenden, Standorte für neue Bäume bestimmen. Die meisten Wünsche gibt es in Betonwüsten, wo die Not am größten ist.

Grünen‑Abgeordneter Axel Lüssow bringt es auf den Punkt: „Die Bezirksregionen mit der schlechtesten Umweltgerechtigkeit können sich offenbar nur auf Selbstzahlerbasis schützen.“

Neue Bäume aus Spendenaktion

Immerhin sollen dank der Kampagne 154 neue Straßenbäume kommen. Und pro 500-Euro-Spende gibt es 2500 Euro aus der öffentlichen Hand dazu. Die 3000 Euro umfassen neben den Kosten für den Baum auch die Pflegekosten für die ersten drei Jahre.

Wo genau sollen die neuen Bäume stehen? Das Straßen‑ und Grünflächenamt Pankow nennt folgende Straßen: Bizetstraße, Dettelbacher Weg, Dietrich-Bonhoeffer-Straße, Eintrachtstraße, Florastraße, Garibaldistraße, Gounodstraße, Hermann-Hesse-Straße, Hertzstraße, Heynstraße, Kavalierstraße, Liselotte-Herrmann-Straße, Majakowskiring, Marienburger Straße, Meyerbeerstraße, Niederstraße, Sachsenstraße, Schillerstraße (Rosenthal), Schloßallee, Schönhauser Allee, Smetanastraße, Tollerstraße, Wolfshagener Straße sowie Zeiler Weg.

Dennoch: Auch mit diesen Nachpflanzungen werden die Vorgaben des Berliner Klimaanpassungsgesetzes, des sogenannten BäumePlus‑Gesetzes, nicht erfüllt. Weder der Abstand von 15 Metern pro Baum noch die Priorität für Hitzequartiere, kritisieren die Grünen im Bezirk.

Axel Lüssow wird deutlich: „Wer heutzutage immer noch Klimaanpassung aussitzen will, handelt fahrlässig. Bäume sind keine netten Extras, sondern grundlegende Infrastruktur.“ Jeder fehlende Baum bedeute weniger Schatten, weniger Kühlung, weniger Gesundheitsschutz – und treffe zuerst die, die sich nicht wehren können und sich keine eigenen Bäume kaufen.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Haben Sie Ideen oder Informationen für die Redaktion? Bitte schreiben Sie uns:leser-bk@berlinerverlag.com