Bordell vor dem Aus

Berlins größter Puff soll einem Wolkenkratzer weichen

Das legendäre Artemis könnte verschwinden. Stattdessen soll hier ein XXL-Hochhaus entstehen. Was wird dann aus dem Kultort?

Author - Sharone Treskow
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Das Artemis in der Halenseestraße in Berlin-Charlottenburg wird vielleicht abgerissen.
Das Artemis in der Halenseestraße in Berlin-Charlottenburg wird vielleicht abgerissen.Schoening/Imago

Jeder Berliner kennt das Artemis, ob vom Vorbeifahren auf der Stadtautobahn A100, von den Taxi-Werbebannern oder schlichtweg vom „griechisch Essen gehen“, also einem Besuch in dem Großbordell. Das Etablissement in Halensee mit dem auffälligen roten Schriftzug gehört schon lange fest ins Stadtbild. Neue Pläne enthüllen jetzt aber, dass der legendäre Puff vielleicht plattgemacht wird!

Artemis soll für Wolkenkratzer abgerissen werden

Einem Medienbericht zufolge könnte auf dem Gelände des Artemis in Berlin‑Halensee (Charlottenburg) ein rund 200 Meter hohes Hochhaus entstehen – ein Bau, der die Berliner Skyline deutlich verändern würde. Ende Februar soll sich das Baukollegium mit den Plänen beschäftigen. Damit stünde das Großbordell rund 20 Jahre nach seiner Eröffnung vor einem möglichen grundlegenden Umbruch.

Wie der Tagesspiegel berichtet, gibt es konkrete Überlegungen, das Gebäude an der A100 abzureißen und stattdessen einen mehr als 200 Meter hohen Wolkenkratzer zu errichten. Offiziell bestätigt sind diese Pläne bislang jedoch nicht.

Vor 20 Jahren wurde das Artemis hier eröffnet.
Vor 20 Jahren wurde das Artemis hier eröffnet.Schoening/Imago

Laut dem Bericht liegt der Zeitung ein Konzeptpapier mit dem Titel „Messeturm Berlin / Expo Tower Berlin“ vor. Es sieht ein Hochhaus vor, das mit mehr als 200 Metern künftig das höchste Gebäude der Stadt wäre. Zum Vergleich: Der Estrel Tower in Neukölln, zurzeit im Bau, erreicht 176 Meter. Die Initiatoren sollen demnach die Betreiber des Artemis sein, die das Projekt als städtebaulichen Impuls für den sogenannten Stadteingang West positionieren.

Stadtfoyer mit Showrooms und Dachterrasse statt Puff

Das Hochhaus wäre Teil eines größeren Entwicklungsgebiets zwischen Messegelände, ICC sowie den S‑Bahnhöfen Westkreuz und Grunewald – eingebettet in das Langzeitprojekt „Stadteingang West“.

In den unteren Geschossen ist laut Konzept ein öffentlich zugängliches Stadtfoyer mit Dienstleistungen, Nahversorgung und Gesundheitsangeboten vorgesehen. Auch eine neue Fußwegverbindung über das Grundstück sowie eine Brücke zum S‑Bahnhof Westkreuz werden geprüft.

Die Artemis-Betreiber Hakki und Kenan Simsek haben sich bisher nicht persönlich zu den Abrissplänen geäußert.
Die Artemis-Betreiber Hakki und Kenan Simsek haben sich bisher nicht persönlich zu den Abrissplänen geäußert.Petra Schneider/Imago

Die mittleren Etagen könnten für messebezogene Zwecke genutzt werden, etwa als Showrooms, Projektflächen und Räume für kleinere Fachveranstaltungen. Für die oberen Stockwerke sind temporäres Wohnen und Hotelangebote für internationale Fachkräfte und Aussteller im Gespräch. Auch eine öffentlich zugängliche Dachterrasse mit Gastronomie wird offenbar erwogen.

Zieht das Artemis in eine leer stehende Halle um?

Offen ist jedoch, wie es mit dem Bordellbetrieb weitergehen soll. Laut dem Anwalt der Betreiber wird derzeit geprüft, ob dieser an einen anderen Standort in Berlin verlagert werden kann. Als mögliches Ersatzgrundstück gilt eine leer stehende Halle auf der gegenüberliegenden Seite der A100.

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