Berlin wird immer älter – und das hinter den Gefängnismauern. In den Berliner Justizvollzugsanstalten sitzen inzwischen immer mehr Menschen ein, die 60 Jahre oder älter sind. Was draußen längst Realität ist, zeigt sich nun auch hinter Gittern.
Immer mehr Häftlinge über 60 in Berliner Gefängnissen
Nach Angaben der Berliner Senatsjustizverwaltung befanden sich zum Stichtag 31. Januar dieses Jahres 134 Strafgefangene ab 60 Jahren in Haft, darunter sechs Frauen. Zusätzlich saßen 13 Menschen dieser Altersgruppe in Untersuchungshaft. In der Sicherungsverwahrung in Tegel befinden sich derzeit weitere 20 Straftäter der Generation 60plus.
Insgesamt ist der Anteil älterer Häftlinge in den vergangenen zehn Jahren deutlich gestiegen: Lag er früher bei vier Prozent, sind es inzwischen 6,5 Prozent. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr waren rund 8.670 Menschen in Berliner Gefängnissen inhaftiert, etwa 28 Prozent davon in Untersuchungshaft.

Viele der älteren Verurteilten befinden sich im sogenannten offenen Vollzug. Dort dürfen Insassen tagsüber die Anstalt verlassen – etwa um zu arbeiten, Termine wahrzunehmen oder ihre Familie zu besuchen. An zwei Standorten gibt es Stationen, die speziell auf ältere Gefangene eingestellt sind.
Gefängnisse müssen barrierefrei umgebaut werden
Doch mit dem steigenden Alter wachsen auch die Herausforderungen. Die landeseigene Immobilienmanagement-Gesellschaft BIM hat bei Besichtigungen der Haftanstalten „diverse Umbaubedarfe“ festgestellt. Es geht um Barrierefreiheit, um bessere Bewegungsmöglichkeiten innerhalb der Gebäude und um angepasste Sanitärbereiche. Künftig sollen solche Aspekte bei Neubauten von Anfang an berücksichtigt werden.
Eigene Stationen für pflegebedürftige Gefangene geplant
Spezielle Pflegeabteilungen gibt es in Berliner Gefängnissen bislang nicht. Wird ein Inhaftierter pflegebedürftig und kann nicht mehr regulär untergebracht werden, kommt er ins Justizvollzugskrankenhaus. Perspektivisch plant die Justizverwaltung jedoch, bei Sanierungen im geschlossenen Männervollzug eine eigene Station für ältere und pflegebedürftige Gefangene einzurichten. Auch im geplanten Erweiterungsbau der Sicherungsverwahrung ist eine solche Station vorgesehen.


