Kinder sollen auf dem Fußballplatz lachen, Tore schießen und Freundschaften fürs Leben schließen. Aber was die meisten kaum mitbekommen: Für manche Kinder wird genau dieser Ort zum Albtraum. Neue Zahlen aus Berlin zeigen jetzt, wie groß das Problem tatsächlich ist. Seit Jahresbeginn wurden dem Berliner Fußball-Verband (BFV) 41 Fälle von Gewalt gegen Kinder und Jugendliche gemeldet. Besonders erschütternd: In acht Fällen ging es um sexualisierte Gewalt.
Acht Fälle von sexualisierter Gewalt seit Jahresbeginn
Für Rowena Yorat, Kinderschutzbeauftragte des Berliner Fußball-Verbands, sind das erschreckende Ergebnisse. „Die Zahl sagt aus, dass es einen absoluten Handlungsbedarf gibt. Gerade, wenn man sich die Schwere vergegenwärtigt. Bei acht Fällen geht es um sexualisierte Gewalt. Und das sind für mich acht Fälle zu viel“, sagt sie gegenüber rbb24.

Lange wurde über solche Vorfälle kaum gesprochen. Genau das will der Berliner Fußball-Verband nun ändern. Als erster Landesverband im Deutschen Fußball-Bund veröffentlicht er die Zahlen ganz bewusst. Für Yorat steht fest: Wegsehen hilft niemandem. Und das sind nur die Erlebnisse, die Kinder offen geschildert haben. Die Dunkelzahlen dürften noch viel größer sein.
„Ich bin ein bisschen rebellisch“, sagt sie über die Entscheidung, die Daten öffentlich zu machen. Schließlich müsse das Problem endlich sichtbar werden. „Die Gesellschaft muss das wissen, die Täter müssen das wissen, die Politik muss das wissen. Die Systeme in der Vereinswelt und auf der Verbandsebene müssen besser funktionieren, um die Kinder und Jugendlichen zu schützen. Da fehlt noch ganz viel.“
Besonders nachdenklich macht eine Aussage der Expertin, die kaum schlimmer sein könnte. „Der Sportverein ist ein Tummelplatz für Täter.“ Nicht, weil Vereine grundsätzlich gefährliche Orte seien, sondern weil Täter dort häufig leicht das Vertrauen von Kindern bekommen.
Kind wurde über Jahre von Co-Trainer missbraucht
Wie perfide solche Strategien ablaufen können, zeigt ein Fall, den Yorat schildert. Ein heute erwachsener Fußballer habe ihr erzählt, über Jahre von einem Co-Trainer missbraucht worden zu sein. Am Anfang sei der Mann einfach nur besonders nett gewesen. Er habe ihn nach Hause gefahren und irgendwann gefragt: „Wollen wir uns nicht mal einfach so treffen?“



