„Herr über Leben und Tod“

Berliner Arzt schockt vor Gericht: „Ich habe Menschen getötet“

Ein Palliativarzt gesteht im Mordprozess mehrere Taten. Nach monatelangem Schweigen äußert er sich erstmals zu den Vorwürfen.

Author - Tanja Tal
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Palliativarzt Johannes M. muss sich vor Gericht wegen Mordes an 15 Patienten verantworten. Jetzt legte er ein Geständnis ab.
Palliativarzt Johannes M. muss sich vor Gericht wegen Mordes an 15 Patienten verantworten. Jetzt legte er ein Geständnis ab.YAY Images/imago, privat

Das erschütternde Geständnis eines Arztes: „Ich habe Menschen getötet. Nach jeder Tat dachte ich: Das muss aufhören.“ 54. Tag im Mordprozess gegen Palliativarzt Dr. Johnnes M. (41). Fast ein Jahr saß er schweigend auf der Anklagebank. Nun überraschend sein Geständnis: „Die Vorwürfe gestehe ich weitestgehend.“ Und: „Ich habe mir immer eingeredet, ich würde wissen, was für die Patienten das Beste ist.“

Berliner Arzt wurde zum „Herr über Leben und Tod“

Er hat sich laut Anklage als „Herr über Leben und Tod“ geriert. 15 Patienten soll M. zwischen September 2021 und Juli 2024 heimtückisch totgespritzt haben – mit einer Mixtur, die zum Atemstillstand führt. Zwölf Frauen und drei Männer, 25 bis 94 Jahre alt. Sie waren schwer krank, sie lagen aber im Sterben. In mehreren Fällen legte er Feuer – um Spuren zu verwischen, so die Anklage.

Für seine Aussage durfte M. erstmals aus der Box hinter Glas. Ruhig sprach er, sah in Richtung von Angehörigen seiner Opfer – „ich entschuldige mich für das viele Leid, das ich über Sie gebracht habe“. Dann jammerte er über seine Kindheit – „aufgewachsen ohne Vater, schwieriges Verhältnis zur Mutter“. Er selbst habe ein helfender Mensch werden wollen – „ein Fels in der Brandung“.

Die Prozessbeteiligten im Prozess um einen Palliativarzt, der sich wegen 15-fahcen Mordes vor Gericht verantworten muss.
Die Prozessbeteiligten im Prozess um einen Palliativarzt, der sich wegen 15-fahcen Mordes vor Gericht verantworten muss.Bernd von Jutrczenka/dpa

Doch als Mitarbeiter im Palliativbereich tötete er immer wieder. 12 der angeklagten 15 Morde gab er zu. Von Überforderung sprach er und von Mitleid. Er habe sich eingeredet, das Richtige zu tun und Patienten „Leid und Siechtum“ zu ersparen. „Ich habe eigenmächtig gehandelt.“

Todes-Arzt sagt, er hat sich selbst für die Taten gehasst

Ein Geständnis, in dem keine Motive genannt werden. Eine Aussage voller Selbstmitleid: „Ich habe immer mehr Grenzen überschritten und mich dafür immer mehr gehasst.“ Er habe nur noch funktioniert, könne sich nicht an seine Gefühle beim Töten erinnern. Und: „Ich weiß, dass ich zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt werde. Vielleicht ist das ein Trost für die Angehörigen."

Ein Palliativarzt, der Schmerzen lindern soll, als Serienmörder: Parallel zum Prozess laufen die Ermittlungen zu derzeit 76 anderen Fällen. Urteil: Voraussichtlich 6. Juli.