Genehmigung wieder weg

Flüchtlingshäuser in Pankow auf der Kippe

Der Bezirk Pankow zieht seine artenschutzrechtliche Genehmigung für das Gesobau-Projekt an der Kavalierstraße zurück. Steht das Projekt vor dem Aus?

Author - Stefanie Hildebrandt
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In diesen Höfen in Pankow sollen zwei Häuser für Flüchtlinge gebaut werden.
In diesen Höfen in Pankow sollen zwei Häuser für Flüchtlinge gebaut werden.Emmanuele Contini/BerlinerKurier

Das umstrittene Bauvorhaben der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Gesobau an der Ossietzkystraße steht erneut auf der Kippe. Das Bezirksamt Pankow hat den im Juli 2025 erteilten Artenschutz-Bescheid vollständig zurückgenommen – und damit die Grundlage für eine Baufeldfreimachung entzogen. Steht das Projekt nun endgültig vor dem Aus?

Auslöser war eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Berlin vom November 2025, das den Bescheid als rechtswidrig eingestuft hatte. Die Rücknahme wurde am 12. Januar 2026 angeordnet und sofort wirksam.

Gericht bemängelt Artenschutz-Bescheid

In dem Beschluss vom 14. November 2025 bemängelte das Gericht schwerwiegende formale und inhaltliche Fehler. Der Bescheid sei so unklar formuliert gewesen, dass nicht erkennbar war, für welche Arten und für welche konkreten Eingriffe eine Ausnahme vom Artenschutzrecht gelten sollte. Dadurch habe der Eindruck einer umfassenden naturschutzrechtlichen Genehmigung entstehen können – ohne dass diese tatsächlich vorlag. Die Mängel seien nicht heilbar, so das Gericht.

Die Gesobau erntet vor Ort jede Menge Kritik für ihr Vorhaben.
Die Gesobau erntet vor Ort jede Menge Kritik für ihr Vorhaben.Emmanuele Contini/Berliner Kurier

Das Bezirksamt folgte dieser Einschätzung. Eine rechtmäßige Entscheidung sei nur durch eine vollständige Neubewertung aller relevanten Fakten möglich, heißt es in der Begründung. Schadenersatzansprüche der Gesobau schließt das Amt aus: Wegen der laufenden Widerspruchsverfahren der Naturschutzverbände sei der Bescheid nie bestandskräftig gewesen.

Der Gerichtsbeschluss war zustande gekommen, weil die Gesobau die sofortige Vollziehbarkeit der Ausnahmegenehmigung beantragt hatte. In dem Verfahren waren BUND Berlin, die Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz (BLN) und die NaturFreunde Berlin beteiligt.

Die Naturschutzverbände sowie die Bürgerinitiative „Grüner Kiez Pankow“ sehen sich durch die Entscheidung bestätigt. Sie fordern die Gesobau auf, die bisherigen Pläne aufzugeben und gemeinsam ein Modellquartier zu entwickeln, das Wohnungsbau, Klimaanpassung, Integration und Artenschutz miteinander verbindet. Eine alternative Planung, die deutlich weniger Eingriffe in Grünflächen und Baumbestand erfordert, liege vor.

Solange eine zumutbare Alternative existiere, gebe es keinen Grund, an den aktuellen Plänen festzuhalten, betonen die Verbände. Sie erneuern ihre Einladung zu konstruktiven Gesprächen.

Die Bürgerinitiative Grüner Kiez Pankow fordert nach dem Schritt des Bezirksamtes, dass Zäune in den Höfen, die seit Jahren das Baufeld abgrenzen, nun entfernt werden.

Ob das Verfahren nun komplett neu aufgerollt werden muss, und welche Konsequenzen die Rücknahme der artenschutzrechtlichen Ausnahmegenehmigung für das gesamte Bauvorhaben hat, wollte der KURIER von der Gesobau und dem Bezirk Pankow wissen. Bisher konnte keiner der beiden dazu eine Aussage machen.

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