Prozess in Berlin

Wollte Bruder aus der Haft holen: Clan-Mann Abdallah grinst vor Gericht

Mit Winkelschleifer und Brechstange wollten Täter einen Häftling befreien. Jetzt steht der Bruder des Gefangenen vor Gericht in Berlin.

Author - Florian Thalmann
Teilen
Abdallah R. musste sich jetzt unter anderem wegen versuchter Gefangenenbefreiung und gemeinschädlicher Sachbeschädigung vor Gericht verantworten.
Abdallah R. musste sich jetzt unter anderem wegen versuchter Gefangenenbefreiung und gemeinschädlicher Sachbeschädigung vor Gericht verantworten.Pressefoto Wagner

Ein Clan-Mann hinter Gittern wartete auf seine Befreiung mit Flex und Brechstange. Nun sitzt sein jüngerer Bruder auf der Anklagebank. Es geht um versuchte Gefangenenbefreiung und Sachbeschädigung. Abdallah R. (23) - vor kurzem erst im Prozess um Brandanschläge auf Autos von JVA-Mitarbeitern gemeinsam mit seinem Bruder Asies R. (28) verurteilt - hört die Vorwürfe grinsend. Nach dem Motto: Ihr könnt mir gar nichts.

Clan-Männer wollten Bruder aus der Haft holen

Der Angriff auf das Krankenhaus des Maßregelvollzugs in Buch, der für Aufsehen sorgte: Am 20. Dezember 2023 gegen drei Uhr in der Nacht rückten mindestens vier Männer in zwei Fahrzeugen an. Im Gepäck: Winkelschleifer, Brechstange, Hocker und Stirnlampe.

Damals saß Asies R. dort, wo psychisch kranke oder suchtkranke Straftäter untergebracht sind. Er war nach einer Verurteilung zu mehrjähriger Haft wegen Drogenhandels zunächst in den Maßregelvollzug gekommen.

Die Eindringlinge aus seinem Clan, der in Berlin gefürchtet ist, setzten zuerst einen Winkelschleifer an, flexten den äußeren Zaun auf und den zweiten, hebelten dann eine Tür auf. Sie wussten genau, zu welchem Zimmer sie mussten, machten sich mit dem Trennschleifer am Gitter zu schaffen. Doch das Sicherheitspersonal bemerkte die Einbrecher. Als der Alarm ausgelöst wurde, flüchteten sie.

Blick in den Gerichtssaal vor der Verhandlung im Fall Abdallah R.
Blick in den Gerichtssaal vor der Verhandlung im Fall Abdallah R.Pressefoto Wagner

Schnell waren Polizisten vor Ort. Ein Beamter (38) vor Gericht: „Ich sah noch einen BMW mit laufendem Motor, im Wagen ein Gesicht mit Sturmhaube.“ Der Fahrer habe Gas gegeben - „er kollidierte beinahe mit unserem Fahrzeug“. Kurz darauf kam aus einer Einfahrt ein zweites Auto – „es kam angerast, eine Verfolgung war zwecklos“.

Vor einem vergitterten Fenster entdeckten die Beamten Werkzeuge und weitere Utensilien. Bilder von Überwachungskameras belegen: Es waren vier Männer. Die Tür zum Zimmer von Asies R. allerdings ließ sich nicht von außen öffnen: Im Schloss steckte ein abgebrochener Schlüssel. Asies R. hatte damit wohl die geplante Flucht vorbereitet.

Arabischstämmiger Clan ist in Berlin berüchtigt

Banküberfälle, Goldmünzen-Klau, spektakulärer Diebstahl des Sachsen-Geschmeides, Drogenhandel – der arabischstämmige Clan ist berüchtigt. Als Asies R. schließlich seine Zelle von innen öffnete, hob er die Hände. Und pöbelte dreist: „Was macht ihr so spät überhaupt noch hier? Eigentlich wäre ich weg gewesen.“ Er verhöhnte die Polizei: „Dumm gelaufen, aber bei neun von zehn Malen gewinnen wir.“

Die Beamten durchsuchten sein Zimmer, fanden rund 300 Euro und zwei nicht erlaubte Handys – eines in der Socke unter dem Fuß. Über eine DNA-Spur an der Flex soll die Polizei auf seinen Bruder als einen der Täter gekommen sein. Fortsetzung: 16. Juni.