„Meine erste große Liebe war die Lausitz“, bekennt Alexander Knappe. Nein – der Popsänger entstammt keiner Bergarbeiterfamilie und ist auch nicht beim Energieunternehmen Leag beschäftigt, was für die Region naheliegen könnte. Doch so unermüdlich wie ein Schaufelradbagger in einem der Braunkohletagebaue arbeitet der 38-Jährige allemal – allerdings mit einer anderen Vision für seine Lausitzer Heimat.
Knappe ist in diesen Tagen vielerorts zu finden, bei kleinen Weihnachtskonzerten, um Spenden für Bedürftige zu sammeln, im Stadion des FC Energie Cottbus, wo er ein Weihnachtssingen organisiert hat, und im Proberaum, um sein Konzert im Berliner Lido zwei Tage vor Heiligabend vorzubereiten.
Lausitz – die vergessene Region im Osten?
Der Cottbuser gehörte zu den vielen jungen Leuten, deren Eltern nach dem Strukturbruch in den 1990er-Jahren in einer gefühlt vergessenen Region nach einer Perspektive für sich und ihre Kinder suchten. Aus der Lausitz wanderte nach der Wende ein Fünftel der Einwohner ab, überwiegend junge Menschen. Bis heute hat sich die Region davon nicht erholt.
Fußballkarriere an den Nagel gehängt
Knappe kam als 13-Jähriger ins Leistungszentrum des Fußballklubs Hertha BSC nach Berlin. Dort bekam er den Spitznamen „Ossi“, was er „völlig okay“ fand. Die Sportlerkarriere begrub er mit 18 Jahren nach einem Kreuzbandriss. Noch mit Krücken sang er bei einem Radiowettbewerb in Cottbus vor. Sein Talent wurde erkannt. Seit 15 Jahren ist der Popsänger nun „der Lausitzer Junge“ mit der Bestimmung, die Heimat bekannter zu machen.

Dieser Mission ist er bis heute gefolgt, wie der Sänger sagt. Songs wie „Weil ich wieder zu Hause bin“ kamen bei Konzerten auch in anderen Teilen Deutschlands gut an. Auftritte etwa in der Großen Freiheit in Hamburg oder in Köln waren ausverkauft. „Wir können mehr, wir müssen nur sagen, dass wir aus der Lausitz sind“, ist er sich sicher.
Mehr als Nazis und Bergbau
Das mache er auch in Interviews und Talkshows im Fernsehen, zu denen er eingeladen werde, immer wieder klar. „Ich versuche, immer auch zu sagen, die Region hat mehr Facetten als den Rechtsradikalismus und zerstörte Landschaft durch den Bergbau. Die Lausitzer wollen ernst genommen werden.“
Lausitz, Region mit Hoffnung
Diese Ansicht teilt auch Lars Katzmarek. Der 31-jährige Musiker und Leag-Mitarbeiter rappt für den Strukturwandel. In seinen Songs geht es unter anderem um die Hoffnung der Region auf Zukunftschancen. In Texten listet er große Vorhaben wie das zweite Gleis zwischen Cottbus und Lübbenau auf oder auch die Forschung an klimafreundlichen Flugzeugantrieben. „Die Songs schreibe ich als Lausitzer, der die Region im Herzen trägt.“

Mit Rap sei man näher an den Jugendlichen dran und könne das sperrige Wort Strukturwandel vielleicht verständlicher machen, glaubt Katzmarek. So heißt es in seinem Song „Unsere Perspektiven“ unter anderem: „Die Wüste lebt, viel mehr als ihr denkt, sie ist kreativ und laut. (...) Die Jobs der Zukunft, die sind hier.“ Mit seiner gerappten Botschaft schaffte er es sogar bis ins Magazin The New Yorker, das über seine Hoffnung auf eine Zukunft für die Lausitz berichtete.
Bei Katzmarek, der seit 15 Jahren Musik macht, gehen Kunst und politisches Engagement ineinander über. So gehen ihm Prozesse im Strukturwandel wegen zu viel Bürokratie nicht schnell genug. Darüber hinaus ist der Künstler Revierbotschafter der Lausitz für den DGB, Vizevorsitzender des Vereins Pro Lausitzer Braunkohle und engagiert sich im Verein Junge Lausitz. Für die Landtagswahl ist er als SPD-Kandidat für Cottbus aufgestellt.
Katzmarek, der rappende Elektrotechniker
In der Region kommt das Engagement des rappenden Elektrotechnikers gut an. Die Stadt Cottbus nimmt ihn gern mit ins Boot, wenn es etwa um Kampagnen für Zuzug oder die Präsentation der Region geht.
Der Popsänger Knappe ist für den Oberbürgermeister Tobias Schick ein „umtriebiger Antreiber und aufrichtiger Künstler“. „Auf dem Fußballplatz würden wir sagen: ein echter Typ. Ich bin froh, dass ein so Heimatverbundener wie Knappe die Kunde vom Lausitzer Leben lautstark wie einfühlsam in die Welt trägt“, sagt der OB.



