Suchtgefahr

Dieser Potsdamer Kinderarzt verbannt Smartphones aus dem Wartezimmer!

Mit seiner „handyfreien Praxis“ will er Kinder wieder zum Spielen, Reden und Beobachten bringen – und trifft damit einen Nerv bei vielen Eltern.

Author - Tobias Esters
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Kinderarzt Steven Rohbeck aus Potsdam hat die Aktion „Handyfreie Praxis“ ins Leben gerufen und setzt damit ein Zeichen gegen Smartphones im Wartezimmer.
Kinderarzt Steven Rohbeck aus Potsdam hat die Aktion „Handyfreie Praxis“ ins Leben gerufen und setzt damit ein Zeichen gegen Smartphones im Wartezimmer.Steven Rohbeck

Ein Blick ins Wartezimmer und plötzlich ist alles still. Keine Gespräche, kein Spielen, kein Staunen. Stattdessen sitzen Kinder und Eltern nebeneinander und schauen auf ihre Smartphones. Genau dieses Bild hat einen Kinderarzt aus Potsdam nicht mehr losgelassen – und ihn zu einer ungewöhnlichen Entscheidung gebracht.

Wartezimmer soll wieder lebendig werden

Wie der Medienzeit-Elternblog berichtet, hat der Potsdamer Kinderarzt Steven Rohbeck Anfang 2026 die Aktion „Handyfreie Praxis“ gestartet. Ziel ist es, Smartphones während des Praxisbesuchs bewusst in den Hintergrund zu rücken.

Dabei fehlte es in seiner Praxis eigentlich an nichts. Im Wartezimmer gibt es ein großes Salzwasseraquarium, Bücher, Spielsachen und viele Möglichkeiten für Kinder, sich zu beschäftigen. Trotzdem griffen immer mehr Kinder direkt zum Smartphone oder bekamen es von ihren Eltern zur Ablenkung in die Hand gedrückt.

Was früher selbstverständlich war, wurde seltener. Kinder, die miteinander sprechen, gemeinsam etwas entdecken oder einfach beobachten, was um sie herum passiert.

Für den Kinderarzt war das ein klares Signal. Seine Praxis solle ein Ort sein, an dem Begegnung, Aufmerksamkeit und echte Interaktion wieder mehr Raum bekommen. Deshalb hängen inzwischen gut sichtbare Plakate im Wartebereich, die dazu auffordern, das Smartphone während des Besuchs wegzulegen. „Ihr schafft es eine Weile ohne Smartphone“, heißt es darauf.

So soll es in der Arztpraxis von Steven Rohbeck in Zukunft aussehen. (KI-generiert)
So soll es in der Arztpraxis von Steven Rohbeck in Zukunft aussehen. (KI-generiert)Illustration: Berliner KURIER

Ein weiterer Punkt, der den Arzt zunehmend beschäftigt hat, sind Situationen während der Behandlung. Immer häufiger werden Kinder mit dem Smartphone abgelenkt, etwa beim Impfen oder bei Untersuchungen. Auch bei sehr kleinen Kindern greifen Eltern dabei schnell zum Bildschirm, um Stress zu vermeiden.

Aus Sicht des Arztes ist genau das problematisch. Studien zeigen, dass eine frühe und intensive Nutzung digitaler Geräte Auswirkungen auf die Entwicklung haben kann. Dazu zählen unter anderem Probleme bei Aufmerksamkeit, Sprachentwicklung, Schlaf und der Fähigkeit zur Selbstregulation.

Immer mehr Praxen machen mit

Der Kinderarzt erlebt im Alltag, wie wichtig Blickkontakt, Gespräche und gemeinsame Erfahrungen für Kinder sind. Die Gewöhnung an das Smartphone als schnelle Beruhigung sieht er deshalb kritisch.

Inzwischen haben sich auch weitere Kinderarztpraxen in Potsdam der Idee angeschlossen und werben ebenfalls für smartphonefreie Wartebereiche.

Für den Kinderarzt ist die Initiative mehr als nur eine Regel. Sie soll ein kleiner Impuls sein. Ein Wartezimmer, in dem Kinder wieder lesen, spielen oder miteinander sprechen. Und vielleicht auch ein Moment für Erwachsene, selbst einmal bewusst auf den Bildschirm zu verzichten.

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