Eine Lieferung mit dem russischen Impfstoff Sputnik V an Bord eines Flugzeugs. Foto: dpa/telam

Berlin setzt vorerst nicht auf den russischen Corona-Impfstoff Sputnik V. „Wir hatten im Senat eine Diskussion“, sagte Stadtentwicklungssenator Sebastian Scheel im Anschluss an die Sitzung am Dienstag. „Im Moment stelle ich erstmal fest, dass es keinen zugelassenen Impfstoff diesen Namens in Deutschland gibt.“ „Es war eine Diskussion „für den Fall, dass...“, aber vor diesem Hintergrund konnten wir uns nicht abschließend dazu positionieren“, sagte Scheel.

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Nach Angaben von Teilnehmern der Senatssitzung hatte die Gesundheitsverwaltung vorgeschlagen, einen „Letter of Intent“ über die mögliche Aufnahme von Verhandlungen für den Kauf von zwei Millionen Dosen Sputnik V abzuschließen. Das sollte allerdings an die Zulassung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) und eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) gebunden sein. Ein Sprecher der Gesundheitsverwaltung teilte mit, er dürfe sich zu Senatssitzungen nicht äußern.

Gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion Thomas Isenberg fassungslos

Dem Vernehmen nach gab es aber Kritik an dem Vorstoß der Senatsverwaltung, unter anderem von Seiten der Grünen mit dem Hinweis, dass die Impfstofflieferungen etwa von Biontech-Pfizer in naher Zukunft deutlich zunehmen sollten. Kritisch gesehen wird der Sputnik-V-Impfstoff demnach aber auch vor dem Hintergrund des Konflikts mit Russland wegen des in einem Straflager inhaftierten Kremlkritikers Alexej Nawalny, dessen Gesundheitszustand sich massiv verschlechtert haben soll.
Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Thomas Isenberg, kritisierte den Senat scharf: Er sei fassungslos, dass der Senat den Vorschlag der Gesundheitsverwaltung zurückgewiesen habe, sich für Berlin Optionen auf Sputnik V im Fall von dessen EU-Zulassung zu sichern. „Statt Ideologisierung der Impfstofftypen, müssen die Berlinerinnen und Berliner darauf vertrauen können, dass der Berliner Senat alles tut, um ihre Gesundheit zu schützen“, forderte der Abgeordnete.

Über Sputnik V wird auch außerhalb Berlins diskutiert. Der Landrat des Kreises Märkisch-Oderland, Gernot Schmidt (SPD), würde den russischen Corona-Impfstoff gern einsetzen und hat nach Angaben von dessen Sprecher dazu bereits mit der russischen Botschaft gesprochen. Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) kann sich den Einsatz vorstellen. Bayern und Mecklenburg-Vorpommern hatten bereits erklärt, dass sie sich Impfdosen von Sputnik V für den Fall einer EU-Zulassung des Wirkstoffs gesichert haben.