Holzmarktstraße

Berlin-Friedrichshain: Älteste erhaltene Volksschwimmhalle der DDR wird plattgemacht

Eine DDR-Schwimmhalle des Typs C weicht einem Neubau: Nun kommt Bewegung in das lange geplante Neubau-Projekt.

Author - Stefanie Hildebrandt
Teilen
Bagger tragen die Betonteile der Schwimmhalle in der Holzmarktstraße ab. Das markante Wellendach steht noch.
Bagger tragen die Betonteile der Schwimmhalle in der Holzmarktstraße ab. Das markante Wellendach steht noch.Hildebrandt

Die letzte alte Volksschwimmhalle der DDR in Berlins Mitte war jahrelang ein Lost Place. Nun wird die Schwimmhalle in der Friedrichshainer Holzmarktstraße abgerissen. Abrissbagger sind gerade bei der Arbeit. Eine der ältesten noch erhaltenen Volksschwimmhallen vom Typ C der Welt muss einem Neubau weichen.

DDR-Schwimmhalle ist seit 2018 geschlossen

1976 wurde die Halle in Berlin-Friedrichshain, umringt von 20-Geschossern, auf dem Areal zwischen Holzmarktstraße und Mehlbeerenweg eröffnet. Doch seit 2018 schwimmt hier keiner mehr seine Bahnen. Die Halle mit dem markanten wellenförmigen Dach musste geschlossen werden, weil durch ein Leck Chlorwasser gesickert war. Im Keller mussten Metallstützen den Bau stabilisieren.

Schwimmhalle und Wohnungen entstehen

Nun sind erneut die Bagger am Werk und machen Platz für eine neue Schwimmhalle. Das geplante Schwimmbad soll etwa doppelt so viel Wasserfläche haben, wie die alte Halle aus DDR-Zeiten.

Vorgesehen sind laut Berliner Bäder-Betrieben zwei 25-Meter-Becken, von denen eines für Schulen und Vereine reserviert und das andere permanent für die Öffentlichkeit nutzbar sein soll. Außerdem soll es ein multifunktionales Fitnessbecken und ein Lehrschwimmbecken geben.

So soll der Neubau an der Holzmarktstraße aussehen: Schwimmhalle und Apartments
So soll der Neubau an der Holzmarktstraße aussehen: Schwimmhalle und ApartmentsBerliner Bäderbetriebe

Auf dem rund 6300 Quadratmeter großen Grundstück entsteht nach den Entwürfen des Architekturbüros Eller + Eller nicht nur eine neue Schwimmhalle, sondern auch 375 Apartments für Studierende. Dazu kommen etwa 4600 Quadratmeter Büroflächen sowie circa 1500 Quadratmeter Einzelhandelsflächen im Erdgeschoss. Frei zugängliche Grünflächen auf dem Dach und attraktiv gestaltete Innenhöfe gehören ebenfalls zum Nutzungskonzept.

1976 eröffnet, war die Schwimmhalle in der Holzmarktstraße eine Volksschwimmhalle vom Typ C.
1976 eröffnet, war die Schwimmhalle in der Holzmarktstraße eine Volksschwimmhalle vom Typ C.Berliner Bäderbetriebe

Volksschwimmhallen in der DDR

Unter dem Namen Volksschwimmhalle wurden in der DDR ab 1968 über 100 Hallenbäder errichtet. Fast alle davon waren Typenbauten.
1969 entwickelten die Architekten Karl-Ernst Swora und Gunther Derdau vom VEB Bau- und Montagekombinat Ingenieurhochbau Berlin in Dresden die erste Schwimmhalle diesen Typs. Die Spannbetonkonstruktion mit regelmäßigen Faltungen, einer Spannweite von 18 Metern und einer Dicke von nur 8 Zentimetern prägte die ostdeutschen Innenstädte.

In Berlin wurde 1972 die erste Typ-C-Halle in der Weinstraße gebaut.

Bis 2018 wurde die Schwimmhalle von den Berliner Bäder-Betrieben genutzt.
Bis 2018 wurde die Schwimmhalle von den Berliner Bäder-Betrieben genutzt.Hildebrandt

Ruine am Sommerbad Pankow

Die letzten Bauprojekte wurden Anfang der 1990er-Jahre nach der Wiedervereinigung abgeschlossen. Noch heute sind nach Sanierung und Modernisierung zahlreiche Volksschwimmhallen in Betrieb, etwa in Berlin-Buch oder im Thälmannpark. 

Eine weitere Schwimmhalle Berlins entstand direkt neben dem bereits am 9. Juli 1960 eröffneten Freibad Pankow. Die Halle verfällt heute ebenfalls und wurde als Prototyp vom Architekten Gunther Derdau geplant. Am 7.  Februar 1975 nach zwölfmonatiger Bauzeit eröffnet, war sie damals die modernste und größte Halle Ost-Berlins.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Haben Sie Ideen oder Informationen für die Redaktion? Bitte schreiben Sie uns:leser-bk@berlinerverlag.com