Viele Autofahrer traf die Blockade der Dunckerbrücke unvorbereitet. Ein rot-weißer Schrankenzaun verhinderte am Morgen die Weiterfahrt, Autos mussten zurücksetzen. Kurz nach 9 Uhr wurde die einsturzgefährdete Brücke dichtgemacht. Anwohner sind über die kurzfristig angekündigte Vollsperrung sauer. Und das nicht nur wegen der langen Umwege, die jetzt nötig sind.
„Dann hätte man die Brücke doch gleich sperren können“
Ein paar Fußgänger und Radfahrer schafften es in der ersten Stunde der Sperrung noch auf die andere Seite der Dunckerstraße. „Die Fußgängerwege machen wir aber auch noch dicht“, sagt einer der Bauarbeiter zum KURIER.
Seit dem frühen Morgen wurden die Absperrzäune weiträumig aufgebaut. Erst für den Kfz-Verkehr, dann kamen die Bürgersteige dran – bis weit in die angrenzenden Straßen (Kanzowstraße) hinein.
Immer wieder biegen am Morgen Autofahrer in die Dunckerstraße ein – und stoppen irritiert an der Absperrung. Ronald Zersing steigt aus seinem Auto und fotografiert das Brückenchaos. „Das ist Wahnsinn“, sagt der Anwohner aus der benachbarten Ahlbecker Straße. Er fragt sich, warum man die Brücke vor kurzem noch teuer umbaute, um sie wenig später doch abreißen zu wollen.

Erst vor drei Monaten wurde die Dunckerstraße auf der Brücke mit Leitplanken eingeengt, damit nicht mehr als ein Auto gleichzeitig das marode Bauwerk queren konnte, ein Parken am Straßenrand unmöglich wurde. Für Ronald Zersing ist das Verschwendung öffentlicher Gelder. „Das schicke ich an den Bund der Steuerzahler“, sagt er zum KURIER. „Dann hätte man die Brücke doch gleich sperren können.“
Der Neubau der Dunckerbrücke kostet 13,3 Mio. Euro
Die Dunckerbrücke ist eine Fertigteilbrücke vom Typ BT 70 und stammt aus dem Jahr 1976 – gebaut aus Hennigsdorfer Spannbeton. Genau aus dem Material also, aus dem auch die eingestürzte Carolabrücke in Dresden war. Und auch dieses Bauwerk weist „erhebliche Schäden aus spannungsriss-korrosionsgefährdeten Spannbetonfertigteilen an der Tragkonstruktion auf“, heißt es aus der Verkehrsverwaltung.
Zunächst werden jetzt alle durch das Brückenbauwerk verlaufenden Leitungen entfernt, danach beginnen Rückbauarbeiten. Abriss und Neubau dauern: Erst im dritten Quartal 2028 soll alles fertig sein. Kosten für die neue Brücke: knapp 13,3 Millionen Euro.

Die Dunckerbrücke liegt in einem dicht bebauten Gebiet zwischen den denkmalgeschützten Schulgebäuden des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums und des Heinrich-Schliemann-Gymnasiums. Die Dunckerstraße führt hier über zwei S-Bahn- und zwei Fernbahngleise.
Was es für Autofahrer besonders problematisch macht: Die angrenzende Stargarder Straße ist eine Fahrradstraße – und durch die Ringbahnstrecke gibt es nur wenige Verbindungsstraßen zwischen beiden Teilen von Prenzlauer Berg.
So kommen Fußgänger auf die andere Seite
Wer vom Helmholtzplatz kommend auf die andere Seite der Dunckerstraße möchte, muss jetzt einen langen Umweg über die Pappelallee oder die Prenzlauer Allee nehmen.
Auch für Fußgänger – darunter auch die vielen Schüler der beiden umliegenden Gymnasien – bedeutet die Sperre einen deutlichen Umweg: Wer von einer Seite der Dunckerbrücke auf die andere möchte, muss rund 800 Meter zusätzlich über Kanzowstraße, Prenzlauer Allee und Stargarder Straße zurücklegen. Die alternative Route über Wichertstraße, Pappelallee und ebenfalls die Stargarder Straße fällt mit etwa 1,2 Kilometern noch länger aus.



