KURIER kämpft

Ersatzteile fehlten: 11 (!) Monate dauerte die Reparatur im Autohaus

Weil die Werkstatt nicht zu Potte kam, musste das Projekt Zweirad Inklusion 7777,89 Euro aus Steuergeldern für Leih-Wagen und Leasingkosten ausgeben.

Author - Susanne Dübber
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Endlich, der Renault-Transporter ist nach elf Monaten und vielen KURIER-Nachfragen repariert, freut sich Reha-Trainer Tobias Kopetzky.
Endlich, der Renault-Transporter ist nach elf Monaten und vielen KURIER-Nachfragen repariert, freut sich Reha-Trainer Tobias Kopetzky.Privat

Wenn Tobias Kopetzky (47) mit dem Transporter voller Fahrräder zwei- bis dreimal wöchentlich zu kleinen und großen Fahrschülern rollt, ist die Freude riesig: Für die Berliner Radfahrschule Gesufit trainiert er Menschen mit geistiger und/oder körperlicher Beschränkung auf dem Drahtesel. Doch bei Kopetzky hielt sich die Freude elf Monate in Grenzen. So lange stand das Fahrzeug, das er dringend für den Transport in der Werkstatt benötigt – und nichts passierte.  

In fünf Stunden lernen bei Tobias Kopetzky 6- bis 75-Jährige das Radfahren. Warum ist das wichtig? „Es macht Spaß, sich zu bewegen, am Straßenverkehr teilzunehmen und selbstständig von A nach B zu kommen. Radfahren ist gut für die Gesundheit, schult Koordination, Gleichgewichtssinn, Herz-Kreislauf-System.“ Gerade eingeschränkte Menschen lernen selten Rad fahren, weil ihr Umfeld vor lauter Sorge nicht bereit ist, das zuzulassen. „Wer es kann, gewinnt ein Stück Freiheit für sich.“ Diese wichtige gesellschaftliche Fürsorge durch das Projekt fördert die Senatsverwaltung für Inneres und Sport mit insgesamt 235.5000 Euro.

Ersatzautos kosteten 7777,89 Euro

Tobias Kopetzky, Reha-Trainer und Projektleiter Zweirad Inklusion, musste elf Monate lang improvisieren. So lange stand der Transporter mit einem Diebstahlsschaden in der Werkstatt, konnte nicht repariert werden. Weil Ersatzteile fehlten. Stattdessen musste Gesufit viel Geld für Ersatzautos ausgeben, zusätzlich noch weiterhin die Leasingkosten für den kaputten Wagen zahlen. 7777,89 Euro kamen da zusammen! Tobias Kopetzky ist deshalb sauer. „Dieses Geld ist nicht mehr da für die wichtige Arbeit mit Menschen an Förderschulen und in Pflegeheimen.“

Laut Werkstattauftrag vom 17. Juli vergangenen Jahres sollten für über 16.000 Euro Schließzylinder am Heck, Abgasanlage, Fahrzeugelektronik, Lackschäden und Außenspiegel repariert werden.

Der Auftrag für die Reparatur des Transporters stammt vom 17. Juli 2024
Der Auftrag für die Reparatur des Transporters stammt vom 17. Juli 2024Privat

Der KURIER fragte mehrfach beim Autohaus König und der Pressestelle Renault Deutschland an. Antwort oder Erklärung gab es nicht. In Mails erklärte das Autohaus König der Firma Gesufit: „Leider, und das war von Anfang an klar, hat es in diesem Fall lange Ersatzteilwartezeiten gegeben“. Die massiven Lieferschwierigkeiten mit fehlenden Kfz-Ersatzteilen in ganz Deutschland wurden dem KURIER vom ADAC bestätigt. „Das Problem besteht seit Jahren.“

Mit Hilfe solcher Dreiräder unterrichtet Tobias Kopetzky von Gesufit das Radfahren für Menschen mit geistiger und/oder körperlicher Beschränkung.
Mit Hilfe solcher Dreiräder unterrichtet Tobias Kopetzky von Gesufit das Radfahren für Menschen mit geistiger und/oder körperlicher Beschränkung.Susanne Dübber

Nun will die Radfahrschule Gesufit die unverschuldet entstandenen hohen Ausgaben vom Autohaus und Renault Deutschland erstattet haben. Marcus Gülpen, Berliner Fachanwalt für Verkehrsrecht, hält so einen Schadensersatz grundsätzlich für gerechtfertigt. „Eine Nutzungs-Pauschale kann geltend gemacht werden, wenn das Auto nicht verfügbar ist. Voraussetzung: Der vom Gutachter als notwendig erachtete Reparatur-Zeitraum ist überschritten. Lehnt der Reparaturbetrieb die Zahlung ab, muss er belegen, dass er nicht schuld an der Verzögerung ist. Dies kann der Fall sein, wenn Ersatzteile nicht lieferbar sind.“

Haben Sie auch Ärger, Probleme, Fragen? „KURIER kämpft“  kümmert sich um Ihre Sorgen. Schreiben Sie an: leser-bk@berlinerverlag.com