Die Hauptstadt hat eine rege Gründergeschichte, viele Erfolgsunternehmen haben hier angefangen, teilweise vor Hunderten von Jahren. Hier kommen fünf der ältesten noch existierenden Traditionsunternehmen Berlins – oder mit Berliner Ursprung. Hätten Sie das gewusst?
Königliche Porzellan-Manufaktur (KPM), gegründet 1763
Die KPM wurde von Friedrich dem Großen gegründet und zählt zu den ältesten Unternehmen Berlins überhaupt. Bis heute produziert die Manufaktur in Berlin handgefertigtes Porzellan und steht international für preußische Handwerkskunst. Die Marke existiert durchgehend und ist eines der prominentesten Beispiele für lebendige Berliner Industriegeschichte.

Kleiner Funfact: Selbst Berlins Taxi-Geschichte hat es bei KPM auf Porzellan geschafft. Die Manufaktur produzierte Sammlerstücke unter dem Titel „Hallo Taxi Berlin 1895“, auf denen historische Droschken und frühe Motor-Taxameter-Wagen zu sehen sind – ein kleines Stück Hauptstadtverkehr als feines Porzellanmotiv.
Borsig GmbH, gegründet 1837
Das Maschinenbauunternehmen Borsig war im 19. Jahrhundert einer der wichtigsten Industriebetriebe Preußens und bekannt für den Lokomotivbau. Trotz mehrfacher Umstrukturierungen und Eigentümerwechsel existiert das Unternehmen bis heute und ist weiterhin im Anlagen- und Maschinenbau tätig – damit eines der ältesten industriellen Traditionsunternehmen Berlins.

Der Firma verdankt die Stadt auch ihr erstes Hochhaus: Der Borsigturm auf dem Werksgelände in Tegel entstand 1922 bis 1924 als Verwaltungszentrum der Borsigwerke und gilt als erstes Hochhaus Berlins. Das markante Industrie-Wahrzeichen steht bis heute am historischen Borsig-Areal, wo alte Werkhallen inzwischen unter anderem als „Hallen am Borsigturm“ weitergenutzt werden.
Siemens AG, gegründet 1847
Siemens wurde von Werner von Siemens in Berlin gegründet und entwickelte sich von einer kleinen Werkstatt für Telegrafentechnik zu einem weltweit führenden Technologiekonzern. Auch wenn der Konzernsitz heute in München liegt, bleibt Berlin ein zentraler Standort und Ursprung des Unternehmens.
Siemens baut aktuell in Berlin‑Spandau mit dem Projekt „Siemensstadt Square“ einen komplett „neuen Stadtteil“: Auf rund 76 Hektar entsteht bis in die 2030er-Jahre ein Mix aus Wohnungen, Arbeitsplätzen, Forschung, Industrie und Grünflächen – ausgelegt für Zehntausende Menschen.

Neben neuer Infrastruktur wie Schulen und Kitas wird ein Innovationscampus entwickelt. Erste Gebäude sind bereits im Bau, etwa ein Hochhaus und moderne Büro- und Forschungsflächen. Ziel ist ein vernetztes, weitgehend autoarmes Quartier, das klassische Industrie mit moderner Smart-City-Technologie kombiniert und als Modellprojekt für die Stadt der Zukunft gilt.
C. Bechstein Pianofortefabrik AG, gegründet 1853
Das Unternehmen C. Bechstein wurde in Berlin gegründet und zählt zu den traditionsreichsten Klavierherstellern weltweit. Die Marke steht bis heute für hochwertige Flügel und Klaviere und ist eng mit der Berliner Musikgeschichte verbunden. Trotz Krisen und Standortwechsel besteht das Unternehmen weiterhin.

Gewusst? Im Bechstein-Fabrikhof an der Ohlauer Straße/Reichenberger Straße wurden bis 1989 Klaviere und Flügel gefertigt. Heute ist das denkmalgeschützte Backstein-Ensemble kein Klavierwerk mehr, sondern ein umgenutzter Gewerbehof – ein Stück Berliner Musik- und Industriegeschichte, das im Stadtbild weiterlebt.
Berliner Kindl Brauerei, gegründet 1872
Die Berliner Kindl Brauerei (heute Teil der Radeberger Gruppe) ist eine der ältesten Biermarken der Stadt. Auch wenn sie inzwischen Teil eines großen Braukonzerns ist, existiert die Marke weiterhin und wird in Berlin produziert. Sie steht exemplarisch für die lange Brautradition der Hauptstadt.

Das berühmte „Goldjunge“-Logo im Bierkrug stammt schon aus dem Jahr 1907 und wurde vom Schöneberger Künstler Georg Räder entworfen. Am alten Kindl-Standort in Neukölln ist das Markenzeichen bis heute als Detail erhalten: Der Goldjunge findet sich noch an der Klinke der Eingangstür zum Sudhausturm, während in der ehemaligen Brauerei heute das KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst sitzt.


