Ein Arzt impft im Corona-Impfzentrum Messe Berlin einen Patienten. Ab Montag geht das Impfen für alle los, aber nicht jeder kommt sofort dran.  Foto: dpa

Jetzt geht das Impfen für jedermann endlich los. Ab dem 7. Juni fallen bundesweit komplett die Prioritäten weg. Für die Berliner heißt das, dass sie sich ab Montag nicht nur bei den Hausärzten, sondern auch in den Impfzentren ohne Vorzeigen einer Priorität gegen Corona impfen lassen können. Für Kinder ab 12 Jahren ist das jetzt ebenfalls möglich. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) kündigte über 130.000 zusätzliche Impfdosen an und erntet dafür Kritik. Denn die meisten impfwilligen Berliner ohne Priorität werden nicht sofort einen Termin bekommen. Denn diese sind in den Impfzentren genau so rar wie der Impfstoff.

Ein Blick auf das Online-Buchungsportal Doctolib zeigt es: Dort waren am Sonntag kaum Termine für die sechs Impfzentren zu bekommen. „Aufgrund der hohen Nachfrage und aktuell begrenzter Impfdosen sind alle Verfügbarkeiten ausgebucht“, war dort zu lesen. Eine Nachfrage bei der Impfhotline unter 030-90282200 ergab, dass es allerdings in den Zentren an der Messe Berlin und im Erika-Hess-Eisstadion ab 7. Juni noch freie Termine gebe. Allerdings seien diese erfahrungsgemäß schnell vergeben, so eine Mitarbeiterin im Callcenter. Im Impfzentrum am einstigen Flughafen Tegel seien am Sonntag erst ab dem 30. Juni Termine frei gewesen. Am Wochenende habe es schon Anrufe von Berlinern ohne Priorität gegeben, die sich nach Impfterminen erkundigten, hieß es. Gebucht werden konnten sie am Sonntag noch nicht, weil dies erst von diesem Montag an möglich ist.

Gesundheitssenatorin bittet die Berliner um Geduld

Wird ein zu erwartender Ansturm auf die Impfzentren für ein ähnliches Chaos sorgen wie vor Wochen, als in den Berliner Hausarztpraxen die Prioritäten wegfielen? Gesundheitssenatorin Kalayci gibt sich optimistisch. „Im Vorgriff auf die noch nicht erfolgten Lieferzusagen des Bundes für Impfstoffe im Juli wird die Senatsverwaltung insgesamt 130.000 weitere Impftermine für Erstimpfungen bereitstellen“, sagt sie. „Diese können über das Online-Portal des Landes Berlin oder die Impfhotline gebucht werden.“ Allerdings bittet sie die Berliner um Geduld. „Denn derzeit ist die Nachfrage nach Impfterminen noch größer als die Verfügbarkeit des Impfstoffes”, sagt Kalayci.

Der SPD-Gesundheitsexperte Thomas Isenberg sieht die Ankündigung von weiteren Terminen seitens der Senatorin kritisch. „Da werden Hoffnungen geweckt, die dann möglicherweise nicht eingehalten werden können“, sagte er dem KURIER. Schließlich ginge Kalayci von Impfdosen für den Juli aus, die die Hersteller noch nicht zugesagt haben und die Berlin damit auch noch nicht sicher hat. Was passiert, wenn erneut geplante Liefermengen ausbleiben? In solchen Fällen müssten Impfzentren gebuchte Termine absagen und verschieben. Auch das sei in Berlin vorgekommen, sagt Isenberg. „Ich finde es unfair, dass man nun mit der Öffnung der Prioritäten die Berliner auf Termine loslässt, obwohl noch nicht einmal alle chronisch Kranken und andere Gruppen mit Prioritäten aufgrund begrenzter Impfdosen ihre Termine buchen konnten.“

Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses Wolfgang Albers (Linke) erklärt dagegen, dass es nun wichtig sei, dass das Impfen in der Stadt voranginge. „Nach und nach kommt nun auch mehr Impfstoff, wir sollten das Thema nicht weiter politisieren“, sagte er dieser Zeitung. Der CDU-Gesundheitsexperte Tim-Christopher Zeelen erklärt: „Das Ende der Priorisierung war angekündigt und muss folgerichtig jetzt auch kommen.“ Das würde zwar anfangs zu vielen Enttäuschungen führen, „weil der persönliche Impftermin noch etwas andauern wird“. Dennoch hofft Zeelen, „dass sich viele Menschen für eine Impfung entscheiden werden“.

Auch der Berliner Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Mario Czaja, sieht den Wegfall der Prioritäten in den Impfzentren positiv. Das DRK betreibt selber eines, die Arena in Treptow. Nach Czajas Kenntnis sollen bereits ab Montag 50.000 zusätzliche Termine in das Buchungssystem eingepflegt werden. Die Erfahrungen in den vergangenen Tagen haben gezeigt, „dass eine Menge an Dosen übrig bleibt“, da viele Termine in den Zentren abgesagt werden, weil Berliner beim Hausarzt schneller geimpft wurden oder einfach am Buchungstag im Impfzentrum nicht erschienen. Daher käme es auch schon jetzt immer wieder vor, dass auf dem Online-Buchungsportal oder bei der Impf-Hotline plötzlich neue Impftermine auftauchten.