Der Impfstoff reicht noch nicht sofort für alle. imago/Jochen Eckel

Am kommenden Montag, 7. Juni, fallen für Millionen Menschen Hindernisse weg, an begehrte Impf-Termine zu kommen. Dann endet die Priorisierung, die einen Vorrang für besonders gefährdete Gruppen sichern sollte.

Zugleich wird das Impfnetz noch größer, und Beschäftigte können sich auch direkt bei Betriebsärzten impfen lassen. Ärzte und Politik bitten trotzdem um Geduld. KURIER sagt Ihnen, was Sie jetzt über die Terminvergabe wissen müssen:

Was ändert sich ab Montag genau?

Am 7. Juni tritt eine geänderte Impfverordnung in Kraft, in der keine feste Reihenfolge nach „höchster“, „hoher“ und „erhöhter“ Priorität mehr steht. Die Länder können die Priorisierung für ihre regionalen Impfzentren zwar noch beibehalten, wenn sie wollen. In den Arztpraxen ist sie aber passé. Und generell gilt: der Anspruch für alle besteht „im Rahmen der Verfügbarkeit der vorhandenen Impfstoffe“.

Können sich ab Montag alle impfen lassen?

Theoretisch ja – doch für die allermeisten dürfte es noch Wochen bis zur Impfung dauern. Tatsächlich können sich nun aber alle um Termine bemühen, die dann über den Sommer hinweg eingetaktet werden.

Denn die Impfstoffmengen nehmen zwar zu, geliefert wird aber weiter nur nach und nach. Laut Prognosen der Hersteller sollen kommende Woche fast 2,6 Millionen Dosen des Präparats von Biontech/Pfizer an die Praxen gehen, dazu gut 300.000 von Astrazeneca und 514.000 von Johnson & Johnson.

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Daneben sollen die Impfzentren 2,5 Millionen Dosen bekommen. Die Öffnung für alle fällt allerdings in eine Phase, in der gerade sehr viele Zweitimpfungen mit dafür reservierten Dosen laufen.

Was passiert in den Praxen?

Nach dem Start auf breiter Front nach Ostern sind 75.000 Haus- und Facharztpraxen dabei, darunter künftig auch etwa 2000 Privatärzte. Schon vor der offiziellen Impf-Freigabe für alle gab es vielerorts großen Andrang und überlastete Praxisteams. „Jeder wird geimpft werden, aber nicht sofort“, heißt es auch bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Praxen sollen nun täglich auch die Zahl der Geimpften unter 18 Jahre melden, neben der Zahl der über 60-Jährigen.

Was ist mit Impfungen für Kinder?

Auch alle Kinder ab zwölf Jahren können sich nun impfen lassen. Das Biontech-Präparat ist dafür europaweit zugelassen. Doch es dürfte in Deutschland vorerst keine generelle Empfehlung dazu von der Ständigen Impfkommission (Stiko) geben.

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Begründung: Es fehlen noch Daten, um das Risiko einer Covid-19-Erkrankung bei Kindern exakt gegen das mögliche Risiko einer Impfung abwägen zu können. Erwartet wird für die kommenden Tage aber eine eingeschränkte Empfehlung der Stiko – etwa erst mal für Kinder mit Vorerkrankungen.

Dürfen nur geimpfte Kinder in die Schule?

Nein. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) betont, eine Impfung der Kinder solle eine individuelle Entscheidung der Betroffenen, ihrer Eltern und Ärzte sein. „Wir werden definitiv keine verpflichtenden Impfungen haben, auch nicht an Schulen oder Kindergärten.“ Ziel ist, bis Ende August allen Kindern ab zwölf Jahren Impfungen anzubieten.

Wie wollen die Betriebsärzte loslegen?

Für Beschäftigte sollen nun auch Impfungen in tausenden Unternehmen möglich sein. Mehr als 6000 Betriebsärzte haben Impfstoff geordert. In der ersten Woche sollen sie 702.000 Dosen bekommen. Impfen lassen können sich so auch viele, die sich nicht extra um Termine kümmern wollen.

Wie schnell geht es nun mit der Herden-Immunität in Deutschland?

Bundesregierung und Robert-Koch-Institut (RKI) erwarten, dass es noch Wochen dauert, bis so viele Menschen einen Immunschutz haben, dass die Corona-Beschränkungen weitgehend enden. „Um weitgehend auf Maßnahmen verzichten zu können, müssen mehr als 80 Prozent der Menschen in unserem Land einen Impfschutz haben oder einen Immunschutz haben – entweder durch eine vollständige Impfung oder durch eine Infektion plus Impfung“, so RKI-Präsident Lothar Wieler. Und den vollen Impfschutz hat derzeit erst etwa jeder Fünfte.