Die Spritze gegen Corona kann nun jeder bekommen. Doch der Impfstoff ist weiterhin knapp, Termine daher kaum vorhanden. Foto: Davids/Sven Darmer

Berlin will keine Zeit beim Impfen gegen Corona verlieren. Denn schon der erste Piks kann für wertvollen Schutz sorgen. Derzeit haben über 2,3 Millionen Berliner mindestens eine Erstimpfung erhalten. Das trägt dazu bei, dass die Lockerungen voran getrieben werden können, die uns hoffentlich nun für längere Zeit Lokal- oder Theaterbesuche und das Reisen wieder ermöglichen. Daher scheint es auf dem ersten Blick richtig, dass ab 7. Juni auch bundesweit die Prioritäten für die Impfzentren fallen, das Impfen von Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren möglich wird, so wie es Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) beschlossen hat.

In der Praxis dürfte das Impfen für jedermann aber in Berlin zu einem Problem werden. Schon die Prioritätenfreigabe bei den Hausärzten sorgte vor wenigen Wochen für Chaos. Das lag damals an den Ansturm der Impfwillegen, der durchaus zu begrüßen ist, aber auch an dem Impfstoffmangel.

Das könnte sich ab Montag wiederholen, wenn die Impfreihenfolgen in den Impfzentren fällt. Schon jetzt gibt es dort für unabsehbare Zeit keine freien Termine, weil die für Juni angekündigten Mehrlieferungen der benötigten Vakzine von den Herstellern nicht wie geplant kommen. Die Hoffnung vieler jüngeren Berliner dürften damit schwinden, mindestens mit einer Erstimpfung in die Sommerferien zu fahren, die Ende des Monats beginnen.

Kritik ist daher zurecht angebracht. Angesichts der Tatsache, dass seit Monaten Serumlieferungen nicht wie gewünscht erfolgten, muss sich der Bundesgesundheitsminister die Frage gefallen lassen, ob die jetzige Komplettfreigabe der Prioritäten mit der zeitgleichen Impfung von Kindern nicht doch übereilt war. Was nützen die Maßnahmen und das Schüren von Hoffnungen, dass sich nun alle Deutschen impfen lassen können, wenn am Ende nicht genügend Impfstoff da ist.