Christopher Lenz - hier beim 3:3 im Hinspiel im Duell mit dem künftigen Kollegen Eric Durm- steckt am Sonnabend in einem kleinen Gewissenkonflikt.  Foto: Michael Hundt

Er wolle sich weiter entwickeln. Den nächsten Schritt machen. Darum entschied sich Christopher Lenz für einen Tapetenwechsel. Dafür, künftig die Töppen für Unions sonnabendlichen Gegner Eintracht Frankfurt (15.30 Uhr) zu schnüren. Ob er Anschauungsunterricht sozusagen live vor Ort nehmen kann, ist weiterhin offen. Der 26-Jährige musste Dienstag im Mannschaftstraining passen, absolvierte ein individuelles Programm. Riecht nicht danach, dass Urs Fischer am Main schon wieder auf seinen linken Flügelflitzer zurückgreifen kann.  

Den nächsten Schritt machen, heißt in diesem Fall ja auch internationale Luft schnuppern. Wäre nach bislang absolvierten 23 Zweitligakicks und 46 Auftritten im Fußball-Oberhaus tatsächlich eine neue Herausforderung, an der der frühere U19-Nationalspieler wachsen könnte. Die Macht vom Main ist ja wieder einmal sehr gut in der Liga unterwegs und gehört neben Wolfsburg und eben den Eisernen zu den Überraschungsteams der Spielzeit. Zumindest was die tabellarische Position angeht. Denn auf einen Champions-League-Kurs hätte man vor der Spielzeit nicht zwingend gewettet, egal wie gut die Hessen in den letzten Spielzeiten unterwegs gewesen sind.

Der Druck liegt bei der Eintracht

Ein Ziel, das die Hessen an diesem Wochenende gerne im Duell mit dem Eisernen untermauern möchten.  Für Lenzer ist es dabei vielleicht sogar besser so, wenn er nicht mitmischen kann. Erspart ihm womöglich einen Gewissenkonflikt. Denn, so komisch es klingt, die Union-Profis können für ihren bald Ex-Kollegen zum Spielverderber werden. Noch hat die Eintracht sechs Punkte Vorsprung. Doch mit einem Dreier im einstigen Waldstadion würde Union bis auf drei Zähler an die Hessen heranrücken.

Möglich ist das. Union kann derzeit völlig befreit aufspielen. Schon im Hinspiel beim 3:3 hatte man die Eintracht phasenweise an die Wand gespielt mit einem Blitzstart und zwei Treffern in den ersten sechs Minuten, ehe die Hessen mit drei Toren zurückschlugen und dann doch nicht alle Zähler mit nach Hause nehmen konnten. Warum also nicht auch diesmal? 

Christopher Lenz (r.) herzt seinen Namensvetter Christopher Trimmel nach dem Sieg gegen den 1.FC Köln.  Foto: Matthias Koch

Sollten die Eisernen Frankfurt noch überflügeln, bliebe denen - Dortmund und Leverkusen sitzen ihnen ja auch heftig im Nacken - womöglich am Ende nur Rang sechs oder sieben. Also die vor allem von Max Kruse wiederholt geschmähte, ungeliebte Conference League. Ob Lenz das als Weiterbildungsprogramm im Auge hatte bei seiner Unterschrift unter den neuen Vertrag? Eher nicht.

Der Druck, eine gute Position noch aus der Hand zu geben, lastet also auf den Gastgebern am Sonnabend. Die Eintracht darf nicht verlieren. Union hingegen könnte eine Pleite verkraften. Schließlich sei es nach erreichtem Klassenerhalt laut Robert Andrich das primäre Ziel, die  Großen zu ärgern. Was natürlich ein Schielen auf die internationalen Plätze bedeutet. Aber in Köpenick gilt das Motto der Swinger-Klubs: Alles darf, nichts muss!