Max Kruse erzielt gegen den 1. FC Köln per Handelfmeter seinen achten Saisontreffer für die Eisernen.  Foto: Matthias Koch

Max Kruse ist ein feiner Fußballer. Er weiß seine unteren Extremitäten gut zu gebrauchen. Er ist auch am Spieltisch eine Koryphäe. Sei es beim Pokern oder bei Telespielen. Mit den Kenntnissen aber, um was es eigentlich in diesem Jahr in der Bundesliga geht, ist es nicht ganz so toll bestellt. „Europa League hätte ich Bock drauf, Europa Conference League habe ich irgendwie keinen Bock drauf. Ich weiß nicht mal, was das ist“, meinte Unions Star-Kicker nach dem 2:1 gegen Köln, bei dem er seinen achten Saisontreffer erzielte und mit dem die Eisernen Platz sieben in der Liga festigten.

Kann ja mal vorkommen. Er soll sich ja vornehmlich mit dem Bällchen beschäftigen und keine wissenschaftlichen Studien betreiben. Die muss man schon mal machen, wenn man sich mit der Europa Conference League – kurz ELC – richtig auseinandersetzt. Dieser Wettbewerb, erdacht von Uefa-Präsident Aleksander Cerefin zur Sicherung der eigenen Macht, wurde ja bislang noch nicht ausgetragen. Und unwillkürlich kommt einem da der alte Spruch von Franz Beckenbauer anno 1994/95 vom „Cup der Verlierer“ in den Sinn, mit dem er den damals noch existierenden dritten internationalen Wettbewerb, den Uefa-Cup, abqualifizierte. Also Max, nicht weiter grämen. Einfach weiter unten nachschauen, da steht genau, was die ECL ist. 

Wir wollen so lange wie möglich die ärgern, die international spielen müssen.

Unions Robert Andrich

Kruses Begeisterung für diesen Cup hält sich zumindest in Grenzen. „Ja schön ... Da können dann andere spielen. Ich glaube, wir haben genug Wettbewerbe. Und dabei sollte es glaube ich auch bleiben. Denn wenn's jetzt noch einen gibt, dann herzlichen Glückwunsch“, so Kruse knochentrocken. Die Fanmeinung ist ohnehin zweigeteilt, weil man die Gefahren eines Absturzes in der Liga sieht, wenn der Klub auf einmal mit einer ungewohnten Doppelbelastung konfrontiert wird. 

Wenn die ECL für Kruse uninteressant ist, kann das ja nur heißen, dass er nach mehr strebt. Und das hieße aus eigener Kraft mindestens Fünfter werden! „Wenn Max das so gesagt hat, dann hört sich das so an“, räumte Trainer Urs Fischer nach dem Sieg gegen Köln ein. Gratulationen zum Klassenerhalt wollte er aber dabei nicht annehmen, auch wenn er einräumte, ein „wichtiger Schritt“ sei getan. Nun gut, lassen wir ihn weiter defensiv agieren. Gratulieren wir also nur dazu, dass Union neun Spieltage vor Schluss nicht mehr letzter werden kann. Ist doch auch schön.

Wo waren wir? Ach ja, Europa. Unterstützung bei seinem ambitionierten, aber nicht ganz unmöglichem Vorhaben oben noch mal richtig anzugreifen, bekam Kruse vom zweiten Torschützen gegen die Domstädter, Christopher Trimmel. „Wir wollen über 40 Punkte kommen, dann werden wir intern die Ziele korrigieren und bis zum letzten Spieltag Gas geben“, versprach Unions Capitano.

Etwas weniger offensiv, aber nicht minder gebremst vor Ehrgeiz gab sich hingegen Rob Andrich: „Wir wollen so lange wie möglich die ärgern, die international spielen müssen.“ Gut gebrüllt, Löwe. Und heißt übersetzt: Wir werden versuchen. Und wenn es nicht klappt, wird niemanden in Köpenick der Kopf abgerissen.

Das ist die Europa Conference League

Bislang durften 80 Teams im Europapokal starten. 32 davon in der Champions League und 48 in der Europa League. Ab der Spielzeit 2021/22 gibt es wieder drei Wettbewerbe. Die Königsklasse bleibt bei 32 Mannschaften, die Europa League (EL) wird auf 32 Teilnehmer reduziert. Dafür gibt es den dritten Europa-Cup, die Europa Conference League (ECL) mit ebenfalls 32 Teilnehmern. Wichtig dabei: Länder, die in der Ufea-5-Jahreswertung nicht unter den ersten 15 sind, verlieren das Startrecht in der EL, so sie nicht aus der Champions League absteigen. Ist der Cup der Verlierer damit total unattraktiv? Nicht zwingend. Denn – Stand heute – wären beispielsweise Teams aus Serbien und der Schweiz, Kroatien und Schweden nur noch in der ECL vertreten. Aus Deutschland kann der Bundesliga-Sechste auf einen Startplatz in der ECL hoffen. Gilt so ähnlich auch für Spanien, Italien und England. Nur dass dort der Ligapokalsieger nominiert wird. Alle steigen bei der letzten Qualifikationshürde vor der Gruppenphase ein, in die sogenannten Playoffs. Sollte sich der DFB-Pokalsieger bereits für das internationale Geschäft qualifiziert haben, geht der Playoff-Platz an den Ligasiebten.