Zu viele schlechte Nachrichten? Hier gibt es gibt ein schönes Berliner Märchen, was wahr geworden ist. Die Tochter eines ehemaligen Profis des 1. FC Union ist über Nacht zum Star der Musikszene geworden. Papa Michael Zechner (50) spielte in der Eisernen Abwehr, Tochter Vicky (23) stürmt jetzt in die Charts.
Michael Zechner war Union-Pokalheld 2001
Rückblick: Von Sommer 1999 bis Dezember 2001 spielte der österreichische Verteidiger Zechner an der Alten Försterei in der Regionalliga. Er gehörte im Mai 2001 zu den Pokalhelden, die erst im Finale gegen Schalke 04 mit 0:2 verloren. Rund drei Monate später wurde seine Frau Carmen schwanger. Im Januar 2002 wechselte Zechner zum SC Paderborn. Victoria wurde in der ostwestfälischen Stadt geboren, wuchs dann in Wien auf.

23 Jahre später ist Vicky in Berlin und hat völlig verrückte 13 Monate hinter sich. Die gelernte Köchin hat ihren Job geschmissen und wurde zur Musikentdeckung 2025. „Es ist einfach ein Fiebertraum. Ich kann das kaum glauben“, sagt sie, denn sie ist für den Amadeus-Award in Österreich nominiert und ist in Deutschland auf der New-Music-Hotlist 2026 der ARD und das in einem Genre, was allein durch den Namen bei vielen älteren Menschen für Irritation sorgt – F*tzenrap! Mutiger, frivoler Neo-Feminismus der Millennium-Generation.
Vicky ist für den Amadeus-Award nominiert
Ein kalter, aber sonniger Januar-Tag im Prenzlauer Berg. Der KURIER-Reporter trifft Vicky im Coffee Fellows in der Pappelallee und ist nach vorheriger Sichtung ihrer Musikvideos gespannt auf dieses Interview. „F*tze, T*tten, Arsch, Saufen“ sind die Schlagwörter auf Techno-Beats! Sexualisierter Frohsinn mit Augen zwinkerndem Seitenhieb auf Männer. Frauen-Schimpfwörter werden dabei positiv umgewandelt.

Die Überraschung ist groß. Vicky dreht nur bei der Musik verbal auf, jetzt ist sie eher schüchtern und spricht im wohlerzogenen Deutsch wie eine junge Frau, die genau weiß, was sie will. „Ich mache mein eigenes Ding und mache es so, wie es mir gefällt“, sagt sie.
Und das gilt auch in der Berliner Rap-Szene, die gerne und häufig Drogen konsumiert und in ihren Songs das auch mitteilt. „Ich kiffe nicht mal und ich singe nur darüber, was ich mache. Ich trinke Alkohol, aber das wurde mir nach dem Sommer auch zu viel“, sagt sie.
Das Vicky-Märchen begann mit einem Lied auf TikToK
Ja, ihr Leben wurde im November 2024 über Nacht zur Erfolgsparty. Mit einem Freund, der Musikproduzent ist, nahm sie aus Spaß einen Rap-Song mit dem gewagten Titel „T-Shirt hoch, Titten raus“ auf, danach lud sie ihn in der Nacht bei TikTok hoch. Er wurde zum viralen Hit. „Da hat sich mein ganzes Leben verändert, weil es nicht – wie so häufig bei anderen – eine TikTok-Eintagsfliege wurde. Die gesamte Musikindustrie hat mich angeschrieben. Ich hatte 25 Anfragen für einen Vertrag. Dabei hatte ich vorher mit Musik nichts zu tun.“

Unterschrieben hat sie beim Label sick & tired, doch Vertriebspartner ist der Musikgigant Universal. „Vor den Unterschriften habe ich deutlich gemacht, dass ich mich nicht in eine Richtung formen lasse. Ich mache nur Sachen, bei denen ich voll dahinterstehe,“ erklärt Vicky.
Aber das mit viel Fleiß. Im Eiltempo produzierte sie Songs im Studio und dann ging es ab Mai zu den Festivals auf die Bühne. Provokative Songs, das junge Publikum feierte sie ab. Vicky: „Nervös war ich nicht, ich war schon immer laut. Ich habe mir nur darüber Gedanken gemacht, ob ich die Texte vergesse, mehr nicht.“

Vicky: „Ich bin so stur wie mein Vater“
Aber was haben ihre Eltern gesagt? „Mein Vater hat nur gemeint, mache das, was du für richtig hältst. Meine Mutter auch, doch sie ist nicht mit allen Texten so einverstanden“, sagt sie ehrlich und erklärt noch mal die Situation vor 13 Monaten: „Es war ja nicht so, dass die Tochter ihren normalen Job einfach kündigt, weil sie irgendwie Musik machen will. Es lagen handfeste Verträge vor. Meine Familie unterstützt mich voll“, erklärt sie stolz und ergänzt: „Das Verhandlungsgeschick habe ich wohl von meinem Vater, ich bin genauso stur wie er. Das viele Reden hab ich von meiner Mutter.“
Es unterschätzt sie keiner mehr. Die Songs werden musikalisch immer besser. „Ja, das ganze Niveau wurde angehoben, ich bin völlig neu in der Musik drin und will mich weiterentwickeln“, sagt Vicky. Das Naturtalent in der Stimme hört man. Vicky schaut nur nach vorne: „Mein nächster Schritt ist, dass ich Gesangsunterricht nehmen werde. Ich will noch mehr über mein Leben singen. Die Songs werden jetzt poppiger. Mal sehen, ob es den Leuten gefällt. Das nächste Lied kommt am 20. Februar raus. Es heißt ‚Good Girls‘.“
Vicky fordert: „Mehr Frauen in der Musik“
Vicky will mehr Frauen-Power und das sagt sie auch direkt: „In meinem Job in der Küche waren fast nur Männer, da musste ich kämpfen. In der Musikbranche ist es auch so. Es wird zwar gerade viel über Frauen-Rap geredet, aber in der Realität gibt es doch viel mehr männliche Rapper. Da muss ein Gleichgewicht her.“
Clever und sehr reflektiert. Ein Jahr auf der Erfolgswelle und nicht abgehoben. Sie schaut sich im Café um und sagt: „Ich bin ja in Berlin entstanden, fast wäre ich gebürtige Berlinerin geworden. Jetzt bin ich hier. Irgendwie schließt sich der Kreis immer im Leben.“


