Abstiegskrimi? Einzug in die Königsklasse? Diese beiden Themen werden am Sonnabend die Bundesliga bestimmen. Während ganz Fußball-Deutschland ab 15.30 Uhr auf die Kellerkinder und das Rennen um die Champions League schaut, geht es beim Duell zwischen dem 1. FC Union Berlin und dem FC Augsburg auf den ersten Blick vergleichsweise entspannt zu. Union hat den Klassenerhalt längst eingetütet, Augsburg darf noch auf den Einzug in die Conference League hoffen. Trotzdem steckt in Köpenick jede Menge Brisanz.
Denn an der Alten Försterei endet am Sonnabend nicht nur eine Bundesliga-Saison – sondern gleich mehrere Kapitel.
Abschied von Patrick Ittrich im Fokus
Im Mittelpunkt steht zunächst Schiedsrichter Patrick Ittrich. Der 47-Jährige pfeift sein letztes Bundesligaspiel überhaupt – und bekommt ausgerechnet Union gegen Augsburg als Abschiedsbühne. Zehn Jahre Bundesliga liegen hinter ihm, zwölf Union-Spiele hat er dort geleitet. Die Bilanz der Eisernen unter Ittrich: vier Siege, vier Remis, vier Niederlagen. Eine perfekte Mitte also.
„Kaum jemand verkörpert den Spaß am Schiedsrichter-Dasein so sehr wie Patrick“, sagte zuletzt Schiedsrichter-Boss Knut Kircher. Und tatsächlich: Ittrich galt immer als einer, der Klartext sprach, Emotionen zuließ und dabei nie die Bodenhaftung verlor. In Köpenick dürfte er noch einmal die Atmosphäre genießen, für die Union bundesweit geschätzt wird.
Doch nicht nur bei den Referees beginnt ein Umbruch. Auch bei Union wird sich im Sommer gewaltig etwas verändern.

Vor allem in der Defensive kommt es zum XXL-Umbau. Mit Diogo Leite und Danilho Doekhi verlieren die Eisernen ihre komplette Stamm-Innenverteidigung. Beide Verträge laufen aus, beide Spieler werden den Klub ablösefrei verlassen und werden vor dem Anpfiff verabschiedet. Für Geschäftsführer Horst Heldt bedeutet das: Großbaustelle Abwehr!
Und dabei bleibt es nicht. Auch Alex Kral wird Union verlassen, wie der Verein am Donnerstag offiziell vermeldete. Hinter Stanley Nsoki (Leihe aus Hoffenheim), Rani Khedira und Tim Skarke stehen ebenfalls dicke Fragezeichen. Der Kader, der Union in den vergangenen Jahren bis in die Champions League geführt hat, steht vor einer Generalüberholung.
Dazu kommt die noch immer offene Trainerfrage. Marie-Louise Eta wird am Sonnabend zum letzten Mal bei den Männern an der Seitenlinie stehen. Nach der Trennung von Steffen Baumgart hatte sie übernommen, stabilisierte die Mannschaft und führte Union souverän zum Klassenerhalt. Im Sommer übernimmt Eta wie geplant das Frauenteam in der Bundesliga.

Und ihr Nachfolger? Der scheint längst festzustehen. Nach Informationen mehrerer Medien steht Christian Eichner unmittelbar vor einem Wechsel nach Köpenick. Der Trainer des Karlsruher SC soll Union übernehmen und beim Bundesligisten einen neuen Zyklus einleiten. Nach sechseinhalb Jahren in Karlsruhe reizt den 43-Jährigen offenbar die nächste Stufe.
Eichner passt ins Union-Profil. Emotional, klar, entwicklungsstark. Beim KSC bewies er mehrfach, dass er junge Spieler formen und mutig einbauen kann. Genau das braucht Union jetzt dringender denn je.
Talente als Hoffnungsträger beim 1. FC Union Berlin
Denn der Generationenwechsel läuft bereits. Hoffnung macht etwa Oluwaseun Ogbemudia. Der 19-Jährige war zuletzt an Waldhof Mannheim verliehen und könnte künftig eine größere Rolle in der Defensive übernehmen. Auch Leopold Querfeld gilt als Baustein für die Zukunft. Dazu drängen mit Linus Güther und Dmytro Bogdanov weitere Talente nach oben, auch Livan Burcu wird eine größere Rolle einnehmen.
Denn: Gerade offensiv braucht Union frischen Wind. Nur 40 Tore haben die Eisernen bislang erzielt – nur vier Bundesliga-Teams trafen noch seltener. Das große Problem der Saison blieb also bis zuletzt bestehen.


