Saisonfinale

Marie-Louise Eta stellt das sportlich Heiligste bei Union infrage

Jahrelang hatte der 1. FC Union Berlin in einem bestimmten System Erfolg. Marie-Louise Eta rüttelt nun daran.

Author - Nils Malzahn
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Marie-Louise Eta erzwang den Union-Sieg in Mainz auch dank einer Systemumstellung.
Marie-Louise Eta erzwang den Union-Sieg in Mainz auch dank einer Systemumstellung.Frank Hoermann/Sven Simon/Imago

Jahrelang galt die Dreierkette bei Union als heilig. In dieser Abwehrformation schafften die Köpenicker den sensationellen Einzug in die Champions League. Niemand durfte daran rütteln. Jetzt hat Marie-Louise Eta das System umgestellt – und das ganz offensichtlich mit Erfolg.

Querfeld als Leidtragender

Noch vor wenigen Wochen war Leopold Querfeld bei Union Berlin praktisch unantastbar. Spiel für Spiel ackerte der 22-Jährige als Mittelmann in der Dreierkette der Köpenicker durch – trotz Patzer, verschuldeter Elfmeter und daraus resultierender Gegentore. Doch plötzlich sitzt der Österreicher nur noch draußen!

Leopold Querfeld hat seinen Stammplatz bei Union gerade verloren.
Leopold Querfeld hat seinen Stammplatz bei Union gerade verloren.Matthias Koch/Imago

Brisant: Ausgerechnet auf den letzten Metern der Saison verliert der ÖFB-Hoffnungsträger seinen Stammplatz – und das kurz bevor Teamchef Ralf Rangnick am 18. Mai den endgültigen WM-Kader für die Endrunde in den USA, Mexiko und Kanada bekannt gibt.

Schon im März hatte Rangnick Querfeld nicht mehr nominiert. Jetzt droht sogar das komplette WM-Aus!

Besonders pikant: Union verabschiedet sich womöglich von seinem jahrelangen Erfolgsrezept. Die heilige Dreierkette wackelt! Trainerin Marie-Louise Eta sorgte zuletzt mit einem echten Paukenschlag für Aufsehen. Gegen Köln setzte sie in der Schlussphase bei 0:2-Rückstand plötzlich auf eine neue Abwehr-Formation, Querfeld musste zuschauen. Auch in Mainz schmorte der Verteidiger erneut 90 Minuten auf der Bank.

Baumgart scheiterte an der Viererkette

Dabei galt die Dreierkette bei Union jahrelang fast als unantastbar. Unter Kulttrainer Urs Fischer war sie das Markenzeichen der Eisernen. Wer daran rüttelte, bekam Probleme. Selbst Ex-Coach Steffen Baumgart biss sich an der Viererkette beinahe die Zähne aus. Die wollte der gebürtige Rostocker unbedingt installieren – und scheiterte!

Doch plötzlich scheint alles ganz anders. Eta setzt auf mehr Flexibilität, aggressiveres Pressing und neue Abläufe. Die Folge: Union stabilisiert sich – und Querfeld verliert seinen Platz.

Auch Ex-Trainer Steffen Baumgart scheiterte am Experiment Viererkette.
Auch Ex-Trainer Steffen Baumgart scheiterte am Experiment Viererkette.Matthias Koch/Imago

Im Sommer droht der große Umbruch in der Defensive. Die Verträge von Danilho Doekhi und Diogo Leite laufen aus, auch Querfeld könnte den Klub verlassen. Dafür sollen Rückkehrer wie Marvin Friedrich und Zeno Van Den Bosch frischen Wind bringen. Die große Frage lautet jetzt: Ist Querfeld nur der erste Verlierer eines Union-Umbaus? Und wie umfangreich fällt der letztlich aus?

Wenn Systeme alles verändern

Ein Blick in die Fußballgeschichte zeigt, wie tiefgreifend solche Umbrüche wirken können – und welches Risiko sie bergen. Klopp verpasste dem BVB mit seinem Pressing‑Fußball ein völlig neues Gesicht, machte aus Talenten Meister und Champions-League-Finalist. Guardiola stellte Bayern radikal auf Ballkontrolle um – dominanter denn je. In Manchester City perfektionierte er das System bis zur Titelmaschine. Leipzig wiederum brauchte unter Rangnick Zeit, bis das aggressive Umschaltspiel wirklich griff – dann wurde es zum Erfolgsmodell.