Kurioser Vorwurf

Frauenarzt statt Sportmediziner? Wirbel nach WM-Aus in Senegal

Nach dem WM-Aus sorgt eine kuriose Debatte für Wirbel. Senegals Verbandschef stellt die Qualifikation des Teamarztes infrage.

Author - Sebastian Karkos
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Die Nationalmannschaft Senegals vor ihrem letzten WM-Auftritt in Seattle gegen Belgien.
Die Nationalmannschaft Senegals vor ihrem letzten WM-Auftritt in Seattle gegen Belgien.Melissa Levin/imago

Wenn am Dienstag und Mittwoch die WM-Halbfinals angepfiffen werden, sitzen die Teams aus Afrika nur noch vor dem Fernseher. Trotzdem war die Weltmeisterschaft für den Kontinent alles andere als eine Enttäuschung: Von zehn Teilnehmern schafften gleich neun den Sprung in die K.o.-Runde. Senegal schied erst im Sechszehntelfinale unglücklich gegen Belgien (2:3 n.V.) aus.

Senegal-Spieler zweifelten bei WM an Teamarzt

Seitdem läuft im Verband die Aufarbeitung des Turniers – inklusive einer Debatte über die medizinische Betreuung der Mannschaft. Kurios: Verbandspräsident Abdoulaye Fall erklärte auf einer Pressekonferenz in Dakar, er habe erst spät erfahren, dass der langjährige Teamarzt Abderahmane Fediore ursprünglich Frauenarzt sei und kein Sportmediziner. Einige Spieler sollen deshalb nicht von der medizinischen Betreuung während der WM überzeugt gewesen sein. Fall: „Den Rückmeldungen zufolge, die ich erhalten habe, hatten die Spieler nicht das Gefühl, von ihm ausreichend unterstützt zu werden.“

Aber: Es gibt Widerspruch. Die Senegalesische Gesellschaft für Sportmedizin weist die Vorwürfe zurück. Demnach verfügt Fediore über einen Abschluss in Sportmedizin und Sportbiologie der Universität Cheikh Anta Diop. Außerdem betreut er die Nationalmannschaft bereits seit 2017. In dieser Zeit war er bei drei Weltmeisterschaften und fünf Afrika-Cups dabei. Ein Neuling auf der Teamarztbank sieht anders aus …

Fußball-Fans aus Senegal gelten als besonders stimmungsvoll. Bei der WM 2026 hatten sie jedoch nur wenig Grund zum Jubeln.
Fußball-Fans aus Senegal gelten als besonders stimmungsvoll. Bei der WM 2026 hatten sie jedoch nur wenig Grund zum Jubeln.Matthias Koch/imago

Senegal war als amtierender Afrika-Meister und einer der Geheimfavoriten nach Nordamerika gereist. Nach Niederlagen gegen Frankreich (1:3) und Norwegen (2:3) kämpften sich die „Löwen von Teranga“ dank eines Sieges gegen den Irak (5:0) noch in nächste Runde. Dort folgte jedoch das bittere Aus gegen Belgien.

Arzt-Zoff und Trainer-Rauswurf: Senegal unter Druck

Die Konsequenzen ließen nicht lange auf sich warten: Nationaltrainer Pape Bouna Thiaw musste bereits gehen. Die Affäre um den Mannschaftsarzt wirft nun grundsätzliche Fragen zu strukturellen Defiziten im afrikanischen Fußball auf. Die Aussagen von Verbandspräsident Abdoulaye Fall haben diese Debatte nun mit voller Wucht neu entfacht.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Kann ein Gynäkologe auch eine Fußball-Mannschaft betreuen? Bitte schreiben Sie uns:leser-bk@berlinerverlag.com