Kommentar

Drittes WM-Aus! Das ist kein Zufall – Der VW-Fluch hat jetzt auch den DFB erreicht

Das dritte WM-Aus Deutschlands in Folge ist genauso blamabel wie die kriselnde Konzernstrategie des DFB-Hauptsponsors VW.

Author - Wolfgang Heise
Teilen
Der DFB-Sponsor VW präsentierte sich auch bei der WM 2026 werbewirksam mit einem Golf im deutschen Trikot-Gewand.
Der DFB-Sponsor VW präsentierte sich auch bei der WM 2026 werbewirksam mit einem Golf im deutschen Trikot-Gewand.Markus Ulmer/IMAGO

„Der Diesel ist sauber.“ „Deutschland ist eine Turniermannschaft!“ Zwei Sätze aus deutschen Märchenerzählungen. Deutschland fliegt zum dritten Mal in Folge frühzeitig vor dem Achtelfinale bei einer WM nach Hause. Der Niedergang der Nationalelf begann mit VW als Hauptsponsor. Es ist der VW-Fluch, es ist eine Arroganz-Allianz des Versagens.

„Das Auto“, „die Mannschaft“ – überhebliche Worthülsen

Rückblick: Deutschland wurde 2014 Weltmeister und hob auf fatale Weise ab. Ein Jahr später wurde der Dieselskandal bei VW enthüllt. Der damals größte Autokonzern der Welt hatte danach ein Imageproblem. Dieses sollte wie ein Gebrauchtwagen aufpoliert werden. Ab 2016 entwickelte man in Wolfsburg die Idee, dass sich der Auto-Weltmeister doch mit dem Fußball-Weltmeister zusammentun könnte. 2018 war der Deal endgültig unter Dach und Fach, seit Januar 2019 gibt es das VW-Logo und nicht mehr den Mercedes-Stern. „Das Auto“ und „Die Mannschaft“, so waren damals die Werbeslogans, es waren überhebliche Worthülsen ohne Inhalt.

Zwei Giganten vereint, was soll da schon schiefgehen? Antwort: So ziemlich alles! VW beschäftigte sich weiterhin mit seinen Dieselmotoren, während die Konkurrenz längst einen Schritt weiter war: Das E-Auto war auf dem Vormarsch. Die Arroganz und die Überzeugung, dass deutsche Autos die besten der Welt sind, verhinderten einen schnellen Übergang zur E-Auto-Technologie. Der Preis wird jetzt gezahlt: Zu hohe Entwicklungs- und Produktionskosten führen zu weniger Gewinn und jetzt zum Stellenabbau in Deutschland.

Der Nächste, bitte! Bundestrainer Julian Nagelsmanns bitterer Abgang nach dem verlorenen Elferkrimi. Jetzt steht er nach der WM-Blamage vor dem Aus.
Der Nächste, bitte! Bundestrainer Julian Nagelsmanns bitterer Abgang nach dem verlorenen Elferkrimi. Jetzt steht er nach der WM-Blamage vor dem Aus.Bahho Kara/IMAGO

VW verschenkte Zeit bei E-Technik, der DFB bei Löw

Und die Nationalelf? Da wird höchstwahrscheinlich nur einer seinen Job verlieren: Bundestrainer Julian Nagelsmann, wie schon Jogi Löw. An dem der DFB nach dem WM-Aus 2018 viel zu lange festhielt – wie VW an seiner alten Verbrennertechnik. Löw durfte auch noch bei der EM 2021 scheitern, bevor er gehen musste. Drei verschenkte Jahre! Wie schon Hansi Flick, der bei der WM 2022 krachend nach der Vorrunde rausflog und neun Monate später dann, im September 2023, gefeuert wurde. Nach einem 1:4 gegen Japan im VW-Stadion in Wolfsburg, wie passend …

Der junge Nagelsmann sollte es richten. Eine zarte Aufbruchstimmung gab es mit dem Achtungserfolg. Deutschland flog bei der Heim-EM 2024 erst im Viertelfinale gegen Spanien raus. Doch danach stotterte der DFB-Motor. Die Abwehr war in der Pannenstatistik permanent oben. Und die Offensive wirkte so verspielt und umständlich wie ein Display im VW-Golf. Effizienz: Da blinkte die Warnleuchte!

Jetzt wurde es in den USA zum nächsten Totalschaden mit Ansage. Die beim DFB seit acht Jahren selbst auferlegte Demut wurde kurzzeitig außer Kraft gesetzt: 7:1 beim WM-Auftakt gegen Curacao. Viele sogenannte Experten jubelten mit: Nach so einem Sieg gehören wir doch zum WM-Favoritenkreis.

Beim 7:1 gegen Curaçao keimte die Arroganz wieder hoch

Die Realität: Deutschland hatte gegen eine der schlechtesten Turniermannschaften zwar hoch gewonnen, doch die Schwächen blieben. Der Sturm betrieb Chancenwucher, und die Abwehr zeigte beängstigende Desorganisation, als sie nur einmal beim Ehrentreffer gefordert war. Danach folgte ein 2:1-Last-minute-Glückssieg gegen die Elfenbeinküste, und Deutschland war schon als Gruppenerster qualifiziert. Wieder Augenwischerei. Die Arroganz war wieder da.

Das hilflose 1:2 im letzten Gruppenspiel gegen Ecuador reichte nicht als letzte Mahnung. Es folgte im Sechzehntelfinale die Wiederholung gegen Paraguay. Es war nach 70 Jahren das letzte Turnier der deutschen Nationalmannschaft mit drei Streifen. Der DFB wechselt ab 2027 von Adidas auf Nike als Trikotsponsor. Hoffentlich gibt es nicht den nächsten Fluch …