Kommentar

WM-Aus-Drama: Warum gibt es kein Mitleid für Iran-Fußballer?

Iran fliegt auf die brutalste Weise aus der WM. Zweimal  in den Schlussminuten gejubelt, zweimal bitter enttäuscht. Doch wo bleibt das Mitgefühl?

Author - Wolfgang Heise
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Irans Nationalspieler müssen nach Hause fahren. Ihr WM-Aus war ein Drama in zwei Akten.
Irans Nationalspieler müssen nach Hause fahren. Ihr WM-Aus war ein Drama in zwei Akten.IMAGO/Henry Rodenburg/Icon Sportswire

Sport und Politik sollten nicht vermischt werden. Besonders nicht, wenn sich zwei Länder im Krieg befinden - die USA mit ihrem wirren Präsidenten Donald Trump und der Iran mit seinem menschenverachtenden Mullah-Regime. Mein naiver Glaube war, dass bei der WM diese Thematik nicht den Fußball berührt. Ein Irrtum!

Iran-Team wurde von US-Behörden schikaniert

Nach sportlichen Maßstäben wurde die iranische Nationalmannschaft von den US-Behörden schikaniert und es war kein fairer Wettbewerb mehr möglich. Das Team musste im Vorfeld aus den USA ausreisen und fand ein Trainingscamp-Exil in Mexiko. Nur zu den Spielen durften die Fußballer in die USA. Erhöhter Reisestress. Die Fifa hat an dieser Stelle komplett versagt.

Kommen wir zum Drama auf dem Rasen: Kein anderes Team der WM-Geschichte wurde jemals so brutal aus den WM-Träumen gerissen und das gleich doppelt in letzter Sekunde. Irans Kicker jubelten in der 93. Minute nach dem vermeintlichen 2:1-Siegtreffer gegen Ägypten.

Shoja Khalilzadeh traf für den Iran zum 2:1 gegen Ägypten. Doch der VAR kassierte das Tor ein, weil er mit der Fußspitze im Abseits stand.
Shoja Khalilzadeh traf für den Iran zum 2:1 gegen Ägypten. Doch der VAR kassierte das Tor ein, weil er mit der Fußspitze im Abseits stand.IMAGO/Arthur Dong

VAR-Entscheidung und Platz 2 war für Iran futsch

Es wäre die sichere Fahrkarte als Tabellenzweiter für das Sechzehntelfinale gewesen. Der VAR stellte aber fest, dass die Fußspitze des Torschützen vorher im Abseits war. Tor annulliert, nur 1:1, nur Platz 3, nur drei Punkte und ein Zittern ums Weiterkommen.

Die Kicker vom Euphrat und Tigris schauten also dann einen Tag später gespannt auf das letzte Gruppenspiel dieser WM. Konnte Iran auf den letzten der acht Plätze der Gruppendritten bleiben? Algerien gegen Österreich, hätte eines des Teams verloren, wäre es mit drei Punkten rausgeflogen, weil Algerien und Österreich ein schlechteres Verhältnis als Iran hatten. Bei einem Unentschieden wären beide Teams weiter und Iran raus.

Österreich trifft nach der Nachspielzeit, WM-Aus für Iran

Es wurde über Nichtangriffspack gemunkelt, seltsame Bezüge zur Schande von Gijon hergestellt, als Deutschland bei der WM 1982 einen Nichtangriffspack mit Österreich schloss und Algerien rausflog. Ich halte nichts von Verschwörungstheorien.

Ich sehe nur Irans Fußballer, wie sich über Tunesiens Tor zum 3:2 in der 93. Minute gefreut haben. Ihr WM-Traum war wieder für zwei Minuten Realität. Er platzte wieder, weil Österreich nach Ablauf der offiziellen Nachspielzeit noch das 3:3 machte.

Ich gönne es Österreichs Nationaltrainer Ralf Rangnick, kann auch die Freude verstehen. Doch in diesem Moment habe ich eher an das Iran-Team gedacht. Ich vermisse das sportliche Mitgefühl mit diesen Fußballern. Warum gibt es wenig bis gar kein Mitleid für sie?