Ecuador schrieb gegen Deutschland WM-Geschichte – doch Trainer Sebastian Beccacece dachte nicht zuerst an Taktik, Kritiker oder Tabellen. Als Ecuador das Siegtor zum 2:1 Tor erzielte, sprintete der Nationaltrainer direkt zum Tribünenzaun zu seiner Familie. Was für eine irre Szene! Nicht zuerst mit den Spielern feiern, sondern in den Armen seiner Frau.
Beccacece springt auf Tribünenzaun zur Familie
Als Gonzalo Plata in der 77. Minute zum 2:1 gegen Deutschland traf, gab es für den Argentinier Sebastian Beccacece kein Halten mehr. Der ecuadorianische Nationaltrainer rannte von der Seitenlinie auf die Tribüne, sein langes blondes Haar wehte. Dann fiel er dort seiner Frau Patricia Persson sowie weiteren Familienmitgliedern in die Arme.
Später erklärte der geborene Coach, warum er es genauso so tat: „Es geht darum, zu verstehen, dass das Leben solche Momente bereithält, die man mit seiner Familie, seinem Partner, seiner Mutter, seiner Schwester, seinen Freunden teilen kann.“

Für den 45-Jährigen war der historische Sieg weit mehr als nur ein sportlicher Erfolg. In Gedanken war er auch bei seinem verstorbenen Vater. „Mein Vater fehlt. Er schaut von oben auf uns herab. Aber ich denke, wir sollten diese Momente feiern. Ich denke an die Ecuadorianer, 19 Millionen Menschen, die sich umarmen, ein Bier trinken und diesen historischen Sieg feiern“, so Beccacece.
Beccacece stand vor dem Rausschmiss bei Ecuador
Der emotionale Jubel kam nicht von ungefähr. Vor dem Duell mit Deutschland stand Ecuador bereits mit dem Rücken zur Wand. Nach der Niederlage gegen die Elfenbeinküste und dem enttäuschenden Remis gegen Curaçao waren die Chancen auf die K.o.-Runde deutlich gesunken. Gleichzeitig wurde der Druck auf Beccacece immer größer. Ihm drohte der Rausschmiss beim frühzeitigen WM-Aus.
Mit dem Erfolg gegen den viermaligen Weltmeister gelang Ecuador nun die Wende, Ecuador ist bereits als einer der achtbesten Gruppendritten für das Sechzehntelfinale qualifiziert.

Beccacece wurde nach dem Gefühlsausbruch dann schon philosophisch:„Wir sind auf die Welt gekommen, um zu fühlen. Manchmal spüren wir den Schmerz einer Niederlage, manchmal aber auch die Zufriedenheit eines Sieges. Wichtig ist, ein Gleichgewicht zu finden. Das wird mein Leben nicht verändern. Das wird es nicht. Aber wir müssen uns diese Freude gönnen.“


