Der Spionage-Skandal um den Berliner Trainer Tonda Eckert geht in England in die nächste Runde. Der 33-Jährige aus Neukölln steht spätestens seit Mittwoch noch schwerer unter Druck. Nachdem sein Klub FC Southampton bereits hart bestraft wurde, hat nun auch die englische Football Association (FA) ein offizielles Verfahren gegen Eckert eröffnet. Im schlimmsten Fall droht ihm ein vorläufiges Berufsverbot.
Ausschluss vom Aufstiegsspiel
Dabei schien der Berliner gerade am Ziel seiner Träume angekommen zu sein. Southampton hatte sich am Ende der vergangenen Saison in einem echten Krimi gegen den FC Middlesbrough für das Aufstiegsfinale der Championship qualifiziert. Nach einem torlosen Hinspiel setzten sich die Saints im Rückspiel erst nach Verlängerung mit 2:1 durch. Das Ticket für das Endspiel war gelöst – doch gefeiert wurde nur kurz.

Middlesbrough legte rasch nach Abpfiff Einspruch gegen die Spielwertung ein. Der brisante Vorwurf: Southampton soll vor dem Hinspiel das Abschlusstraining des Gegners ausspioniert und sogar Videoaufnahmen angefertigt haben. Genau das ist nach den Regeln der English Football League (EFL) in einem festgelegten Zeitraum vor Spielen strengstens untersagt.
Wenig später platzte die nächste Bombe. Tatsächlich hatte Southampton einen jungen Analysten zum Training des Gegners geschickt – mit Wissen und teilweise sogar auf direkte Anweisung von Cheftrainer Eckert. Der Berliner machte aus den Vorwürfen keinen Hehl, erklärte aber, die strengen englischen Regeln unterschätzt zu haben.
Zwei weitere Gegner wurden ausspioniert
Doch damit war die Affäre noch längst nicht beendet. Nach den Ermittlungen soll Southampton unter Eckerts Verantwortung mindestens zwei weitere Gegner ausgespäht haben: Oxford United und Ipswich Town.
Jetzt greift die FA durch. In der Anklageschrift wirft der Verband Eckert vor, sich unangemessen verhalten und den Fußball „in Verruf gebracht“ zu haben, indem er die Beobachtung der Trainingseinheiten von Oxford, Ipswich und Middlesbrough angeordnet oder genehmigt habe. Ein einmaliger Vorgang in der jüngeren Geschichte des englischen Profifußballs!

Bis zum 28. Juli muss Eckert zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Erst danach entscheidet die FA über eine mögliche Strafe. Sollte der Verband eine Sperre verhängen, dürfte der Berliner Southampton vorerst nicht mehr trainieren. Eine Weiterbeschäftigung wäre dann so kurz vor dem Saisonstart undenkbar.



