Ein Telefonanruf aus dem Weißen Haus und die Regeln des Weltfußballs scheinen außer Kraft gesetzt. Was bei dieser Weltmeisterschaft rund um US-Stürmer Folarin Balogun (25) passiert sein soll, sorgt weltweit für Kopfschütteln, Wut und einen handfesten Skandal. Mittendrin: Der als deutscher Bundestrainer gehandelte Jürgen Klopp (59), der bei MagentaTV kein Blatt vor den Mund nahm.
Erst gesperrt, dann per Anruf begnadigt
Balogun hatte im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina (2:0) die Rote Karte gesehen – nach Ansicht der Videobilder, für ein hartes Einsteigen gegen seinen Gegenspieler Tarik Muharemovic (23). Die Folge: Eine Sperre für das WM-Achtelfinale. Doch am Sonntag verkündete die FIFA überraschend, die Sperre werde für ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt. Balogun darf damit am Dienstag (2 Uhr/ARD und MagentaTV) im Achtelfinale gegen Belgien in Seattle auflaufen.
Der Grund für die Kehrtwende sorgt für den eigentlichen Aufruhr: Laut der „New York Times" und der Nachrichtenagentur AFP hatte US-Präsident Donald Trump zuvor persönlich bei FIFA-Boss Gianni Infantino angerufen und um eine Überprüfung der Roten Karte gebeten. Auf seiner Plattform Truth Social bejubelte Trump die Entscheidung anschließend und dankte der FIFA, sie habe „ein großes Unrecht" korrigiert. Ein Vorgang mit Seltenheitswert: Zuletzt 1962 durfte bei einer WM ein vom Platz gestellter Spieler im nächsten Spiel wieder ran.

Fassungslos reagierte der designierte Bundestrainer Jürgen Klopp. „Wenn das wirklich Trump und Infantino miteinander ausgemacht haben, das ist verrückt, das stellt alles infrage", sagte er bei MagentaTV. Und weiter, mit deutlichen Worten in Richtung der beiden Mächtigen: „Diese beiden Menschen, die beide von Fußball keine Ahnung haben, sollten gar nichts damit zu tun haben. Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel."
Für Klopp ist die Sache klar. Eine Rote Karte sei eine Tatsachenentscheidung, mit der am Ende alle leben müssten: „Wir leiden alle unter Fehlentscheidungen. Trotzdem lernen wir alle im Laufe des Lebens, damit zu leben." Er brachte sogar eine ungewöhnliche Möglichkeit ins Spiel, dass die USA ihren Stürmer aus Prinzip einfach nicht aufstellen könnten, nach dem Motto: „So wollen wir das nicht haben."

Der Ärger reicht bis in den Weltverband selbst. Nach exklusiven Informationen der „BILD" sind auch FIFA-Funktionäre wütend. Ein Vizepräsident, der anonym bleiben möchte, sagte demnach zur Aufhebung der Sperre: „Das ist eine absolute Schande!" Personen aus seinem direkten Umfeld werten den Trump-Eingriff laut dem Bericht als den krassesten Fall politischer Einflussnahme, den es je bei einer WM gegeben habe.
Belgien und UEFA beraten über Reaktion
Auch international formiert sich Widerstand. Der belgische Verband zeigte sich offiziell „fassungslos" und kündigte an, alle Optionen zu prüfen. Beim europäischen Verband UEFA und dem belgischen Verband laufen bereits Gespräche über eine mögliche Reaktion, das bestätigte ein hochrangiger UEFA-Funktionär der „BILD".

