Eigentlich war es ein perfekter Auftakt für die deutsche Nationalmannschaft: Mit 7:1 fegte das DFB-Team am Sonntag Curaçao vom Platz. Doch nach der Partie sorgt nicht das Ergebnis für Gesprächsstoff, sondern eine wenige Sekunden lange Szene aus dem Video-Schiedsrichter-Studio.
Die Szene aus dem Video-Schiedsrichter-Studio
Als die TV-Übertragung vor dem Spiel zum Videoassistententeam schaltete, soll der australische Video-Schiedsrichter Shaun Evans eine umstrittene Handgeste gezeigt haben: Daumen und Zeigefinger berührten sich zu einem Kreis, die übrigen drei Finger blieben ausgestreckt, die Hand nach unten gedreht.
Die Geste bedeutet traditionell schlicht „okay“. In den vergangenen Jahren wurde sie jedoch in rechtsextremen Kreisen umgedeutet: Die drei ausgestreckten Finger sollen ein „W“ für „White“ bilden, Daumen und Zeigefinger ein „P“ für „Power“. So wurde aus dem harmlosen Zeichen in bestimmten Kontexten ein Symbol für „White Power“.
Olha o fdp do VAR no jogo da Alemanha X Curaçau mandando um símbolo de white power ao vivo, que ABDURDO #copadomundo #worldcup #fifaworlcup pic.twitter.com/7HUcIWWAC6
— Alice Monstrinho (@alicemonstrinho) June 14, 2026
Die Anti-Defamation League, die das Zeichen als mögliches Hasssymbol führt, warnt ausdrücklich davor, vorschnell auf eine Absicht zu schließen. Wegen der ursprünglichen Bedeutung als „okay“-Geste und anderer harmloser Verwendungen müsse besondere Vorsicht walten. Tatsächlich ist das Zeichen auch als Kinderspiel „Reingeguckt“ bekannt, bei dem jemand die Geste unterhalb der Hüfte formt und ein anderer einen Schlag auf den Arm bekommt, wenn er hinsieht.

Das Antidiskriminierungsnetzwerk Fare äußerte sich deutlich kritischer. Nach Einschätzung der Experten ähnelt die gezeigte Geste klar dem Zeichen, das in rechtsextremen Kreisen weltweit als „White Power“-Symbol verwendet wird. Fare warf die Frage auf, warum ein VAR-Verantwortlicher das Zeichen ausgerechnet in dem Moment zeige, in dem er wisse, dass die Kameras auf ihn gerichtet seien. Das Netzwerk forderte, Evans solle keine weitere Rolle bei diesem Turnier spielen.
Auffällig: Nach Angaben von Fare wurde das Video-Schiedsrichter-Team in den beiden folgenden Spielen nicht mehr im TV vorgestellt.
Wer ist Shaun Evans?
Evans ist ein erfahrener Unparteiischer. Der frühere Maurer aus dem australischen Bundesstaat Victoria wurde 2017 Fifa-Schiedsrichter und war bereits bei der WM 2022 in Katar als Videoassistent im Einsatz. Auch bei diesem Turnier ist er als VAR eingeteilt, nicht als Schiedsrichter auf dem Feld. Eine Fifa-Sprecherin erklärte laut The Athletic, man sei sich des Vorfalls bewusst, wollte sich zunächst aber nicht weiter äußern. Evans selbst gab bislang keine Stellungnahme ab.


