Sie breiten in der Sozial-Doku „Armes Deutschland“ immer wieder ihr Leben aus – und ecken damit auch unfreiwillig an: Die beiden Bürgergeld-Empfänger Mike W. (27) und seine Freundin Angelique W. (22). Sie leben vom Staat – und machen keine Anstalten, sich ernsthaft um einen neuen Job kümmern zu wollen. Zuletzt mussten sie sogar vor Gericht, weil sie über Monate doppelt vom Amt kassierten. Und auch mit dem, was in der aktuellen Folgen zu sehen ist, dürften sich viele über Angelique und Mike ärgern: Sie holen sich, weil das Geld nicht reicht, Lebensmittel von der Tafel. Und sind mit Auswahl und Qualität dort alles andere als zufrieden …
Angelique und Mike aus „Armes Deutschland“ gehen zur Tafel
Nach dem Prozess wegen Betrugs müssen sie dem Jobcenter jetzt jede Menge Geld zurückzahlen – etwa 9000 Euro sollen zum Amt zurück. 150 Euro werden ihnen deshalb jeden Monat von ihren Zahlungen abgezogen. Das Geld fehlt, deshalb müssen Mike und Angelique jetzt zur Tafel gehen, um sich Lebensmittel zu holen.
Nicht das erste Mal für das arbeitslose Paar aus „Armes Deutschland“. „Beim ersten Mal war es für mich komplett peinlich“, sagt Mike. Er sei allein gewesen, habe sehr lange warten müssen – und habe sich „zu Tode geschämt“, sagt er. Inzwischen gehe es aber, auch wenn es unangenehm sei. „Wir wollen mal sehen: Vielleicht gibt es da Sachen, die wir brauchen können.“
Am Anfang müssen Mike und Angelique von „Armes Deutschland“ beiden ihren Bescheid vom Amt zeigen und einen Obolus zahlen – fünf Euro kostet der Einkauf bei der Tafel. Für Angelique nicht fair. „Ich finde, es ist schon eine Verarsche, dass wir fünf Euro zahlen – einfach deswegen, weil eigentlich alles abgelaufen ist außer das Gemüse. Und das Gemüse ist nicht das frischeste.“ Trotzdem werden die beiden fündig, verlassen mit gleich mehreren Kisten mit Lebensmitteln den kleinen Laden der Tafel.

An einer Straßenecke lassen sie sich nieder – und sortieren die Lebensmittel, die sie bekommen haben, erst einmal rigoros aus. „Die aussortierten Lebensmittel gebe ich Nachbarn, die freuen sich darüber, frieren vieles ein oder kochen damit.“
Alles wird von Mike und Angelique aus „Armes Deutschland“ genau unter die Lupe genommen. Etwa eine Melone, die für Angelique eine zu helle Schale hat. „Wenn sie so weiß ist, schmeckt sie wässrig. Wenn sie wässrig schmeckt, will ich die nicht“, sagt die 22-Jährige. Beim Einladen in den Kinderwagen lässt der Sohn der beiden die Melone auf den Boden fallen. „Jetzt will ich sie auch nicht mehr“, kommentiert Angelique den kleinen Unfall.
Angelique ist mit Ausbeute bei der Tafel nicht zufrieden
Sie scheint mit der Ausbeute sehr unzufrieden zu sein. „Ich denke immer, da gibt es was Gutes“, sagt sie. Am Ende sei sie aber immer enttäuscht. Zu Hause wird deshalb weiter aussortiert. Eine Tüte Chips, die vor ein paar Tagen abgelaufen ist, will sie nicht essen. Auch Schokolade, Müsli und andere Produkte fallen durch. „Ich esse nichts Abgelaufenes. Denn wenn ich was Abgelaufenes esse, kriege ich Magenschmerzen“, stellt sie klar. „Wieso soll ich das essen? Ich habe einen sehr sensiblen Magen.“

Viel bleibt nicht übrig: Eine Gurke, drei Karotten, ein noch haltbarer Käse und ein Gewürzspender sind alles, was am Ende in den Küchenschrank wandert. Der Rest – es handelt sich um Produkte im Wert von insgesamt rund 100 Euro – wird weitergegeben. Die kleine Ausbeute hat sich trotzdem gelohnt: Angelique und Mike aus „Armes Deutschland“ sind sicher, dass die wenigen Produkte im Supermarkt mehr als die fünf Euro gekostet hätten, die sie zahlen mussten.
Umgang mit Lebensmitteln für viele ein Schlag ins Gesicht
Zumindest die Nachbarn dürfen sich nun über die Lebensmittel freuen, wenn schon die Bürgergeld-Empfänger sie nicht zu schätzen wissen. Für viele Menschen, die auf die Lebensmittel der Tafel angewiesen sind, dürfte das Verhalten der beiden Teilnehmer von „Armes Deutschland“ trotzdem ein Schlag ins Gesicht sein.


