Die internationale Filmwelt trauert um eine ihrer prägendsten Figuren: Moritz de Hadeln, langjähriger Direktor der Berliner Filmfestspiele, ist im Alter von 85 Jahren in der Schweiz gestorben. Er war der Mann, der die Berlinale 1990 erstmals in die DDR brachte – und das Festival über zwei Jahrzehnte lang zu einer der wichtigsten Adressen des Weltkinos machte.
Moritz de Hadeln ist tot
Moritz de Hadeln starb bereits am Samstag, dem 4. Juli, im schweizerischen Nyon. Wie sein Biograf Christian Jungen gegenüber dem Hollywood Reporter bestätigte, kam es nach einem medizinischen Eingriff zu Komplikationen. Jungen ist selbst eine feste Größe in der Filmbranche und leitet das Zürich Film Festival.

De Hadeln übernahm die Leitung der Berlinale 1980 und führte das Festival durch eine der aufregendsten Epochen der deutschen Geschichte. Unter seiner Regie erlebte die Berlinale den Mauerfall, die Wiedervereinigung und den Aufbruch in ein neues Berlin. Erst 2001 übergab er den Staffelstab an seinen Nachfolger Dieter Kosslick, der die Berlinale bis 2019 leitete.
De Hadeln bringt Hollywood-Stars in den Osten Berlins
Sein historischstes Kapitel schrieb de Hadeln im Februar 1990. Die Mauer war gefallen, doch Berlin war noch geteilt – und der Berlinale-Chef nutzte den Moment: Erstmals zeigte das Festival seine Filme auch in Ost-Berlin. Das Kino Kosmos an der Karl-Marx-Allee wurde zur Bühne für eine zweite, feierliche Eröffnung. Hollywood-Stars wie Sally Field und Julia Roberts kamen mit ihrem Film „Magnolien aus Stahl“ und posierten am Brandenburger Tor auf der Mauer – neben DDR-Grenzsoldaten, wenige Wochen bevor der Abriss begann.

Bei derselben Berlinale liefen erstmals auch sogenannte Verbotsfilme aus der DDR – Produktionen, die von der SED-Diktatur unterdrückt oder direkt nach ihrer Premiere aus dem Verkehr gezogen worden waren.
Und im Kino Kosmos feierte der ostdeutsche Film „Coming Out“ seinen Berlinale-Auftritt. Ein Meilenstein der DDR-Filmgeschichte, dessen Uraufführung ausgerechnet auf den Abend des 9. November 1989 gefallen war. Die Jury zeichnete den Film aus und würdigte damit auch die historischen Umstände der friedlichen Grenzöffnung.


