ZDF-Star

Markus Lanz spricht offen wie nie über seine bewegte Kindheit

Die Folgen von Armut und frühem Verlust prägten Lanz’ Charakter und seinen Antrieb zur Unabhängigkeit.

Author - Sharone Treskow
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Was viele von dem berühmten TV-Moderator nicht denken würden: Markus Lanz ist in Armut aufgewachsen.
Was viele von dem berühmten TV-Moderator nicht denken würden: Markus Lanz ist in Armut aufgewachsen.Bernd Elmenthaler/Imago

Markus Lanz erreicht mit seiner ZDF-Talkshow regelmäßig ein Millionenpublikum. Über sein Privatleben spricht der 57-Jährige dennoch selten. Umso bemerkenswerter sind seine offenen Worte über die eigene Vergangenheit. In einem Interview mit dem „Stern“ blickt Lanz jetzt ausführlich auf seine Kindheit in Südtirol zurück: geprägt von Armut, harter Arbeit und dem Gefühl, nicht dazuzugehören.

Markus Lanz wächst als Minderheit in Südtirol auf

Der heute in Hamburg lebende Moderator stammt ursprünglich aus Italien. Geboren 1969, wuchs Lanz in Südtirol auf – einer Region, in der nationale Identität lange ein politisches und persönliches Minenfeld war. „Sie dürfen nicht vergessen, dass ich als Angehöriger einer Minderheit eine Ahnung davon habe, wie man Leute unterdrückt oder gängelt“, sagt Lanz. Besonders seine Mutter habe bis heute darunter gelitten, in der Schulzeit nicht ihre Muttersprache sprechen zu dürfen.

Der historische Hintergrund ist entscheidend für Lanz’ Erzählungen: Südtirol wurde 1920 nach dem Ersten Weltkrieg von Italien annektiert. Über Jahrzehnte versuchte der italienische Staat, die Region zu italianisieren. Zwar erhielt Südtirol ab 1972 schrittweise Autonomierechte, doch auch der junge Lanz bekam Deutschenfeindlichkeit noch direkt zu spüren – selbst beim Militär.

Markus Lanz ist in Südtirol aufgewachsen, seine Familie wurde von Italienern unterdrückt.
Markus Lanz ist in Südtirol aufgewachsen, seine Familie wurde von Italienern unterdrückt.teutopress GmbH/Imago

„Ich selbst wurde beim Grundwehrdienst in Neapel von Vorgesetzten gern als ‚bastardo tedesco‘ angesprochen, als deutscher Bastard, und hatte am Wochenende praktisch immer Küchendienst“, so Lanz. Entsprechend kritisch blickt er auf aktuelle politische Entwicklungen in Italien, etwa auf Überlegungen der Regierung von Giorgia Meloni, ein Denkmal zur Annexion Südtirols in Bozen zu restaurieren. „Meine Begeisterungsfähigkeit für diese politischen Strömungen tendiert gegen null“, betont der Moderator.

Markus Lanz erlebt Armut und frühen Verlust

Neben der politischen Dimension prägten vor allem soziale Härten seine Jugend. Lanz beschreibt sich als „Kind kleiner Leute“, das „in prekären Verhältnissen“ aufwuchs. Mit 14 Jahren verlor er seinen Vater, der an Leukämie starb. Danach lag die Verantwortung allein bei seiner Mutter. Sie habe unermüdlich gearbeitet, um die Familie über Wasser zu halten, oft unter existenzieller Angst.

Markus Lanz wurde in Bruneck geboren, das ist eine Stadt in Südtirol im Norden Italiens.
Markus Lanz wurde in Bruneck geboren, das ist eine Stadt in Südtirol im Norden Italiens.CC BY-SA 3.0 / Wikimedia Commons

„Das schrecklichste Wort meiner Kindheit war Gerichtsvollzieher“, schildert Lanz. „Es war mit der Angst meiner Mutter verbunden, alles zu verlieren. Leute, die so was nie erlebt haben, können nicht verstehen, wie sich das anfühlt.“ Armut habe für ihn nichts mit Vernachlässigung zu tun gehabt, sondern ausschließlich mit Geldmangel – ein Unterschied, den er bis heute betont.

Markus Lanz schuftet als Kind und sucht den Ausbruch

Auch die vermeintlich langen Ferien waren für Lanz kein Luxus. Drei Monate schulfrei klangen gut, bedeuteten in Wahrheit aber knallharte Arbeit. „Ich habe nur geschuftet, auf Kartoffeläckern, in Hotels als Tellerwäscher, bis spätabends. Und morgens ging’s weiter. Und dabei habe ich ständig von Leuten gesagt bekommen, was ich zu tun habe. Das war üble Kinderarbeit und hat mich sehr geprägt.“

Markus Lanz musste als Kind schwer schuften, als andere verreisen durften.
Markus Lanz musste als Kind schwer schuften, als andere verreisen durften.Georg Wendt/dpa

Aus dieser Zeit erklärt Lanz seinen starken Drang nach Unabhängigkeit. „Ich wollte da raus, das war mein Antrieb“, sagt er. Seine Abneigung gegen Obrigkeiten habe viel mit diesem Aufwachsen zu tun. „Rumgeschubst zu werden, ist ein Minderwertigkeitskomplex, den viele arme Leute haben.“ Heute lebe er selbstbestimmt – für Lanz der größte Erfolg seines Lebens. „Das ist das Beste, was man erreichen kann.“

Wie ist Ihre Meinung zu Lanz’ Erzählungen? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.