Schauspieler Christoph Maria Herbst ist ein Film- und Fernsehstar in Deutschland. Ob als zynischer Bürochef in „Stromberg“ oder in zahlreichen Kino- und TV-Produktionen. Sein trockener Humor und sein Gespür für Timing haben ihn zu einer echten Ikone gemacht. Im Gespräch mit dem KURIER zeigt sich der Schauspieler nun von seiner persönlichen Seite und spricht über Themen, die über die reine Comedy hinausgehen.
So viel „Stromberg“ steckt in Christoph Maria Herbst
Herr Herbst, Ihre Serie „Merz gegen Merz“ (neue Folge am 21. Mai um 20.15 Uhr im ZDF) geht nach fast fünf Jahren weiter. Warum haben Sie sich für eine Fortführung entschieden?
Es ist ein riesiges Geschenk, Texte von Ralf Husmann sprechen zu dürfen. Wir haben seit Jahrzehnten miteinander zu tun, er ist der Erfinder von Stromberg. Husmann weiß, was er tut, und da kann man ihm blind vertrauen. Wenn von ihm ein Drehbuch ins Haus kommt, weiß ich, ich mache mir gleich die Badewanne voll und öffne eine Flasche Rotwein. Ich wäre wirklich mit dem Klammerbeutel gepudert gewesen, wenn ich ‚Merz gegen Merz‘ nicht weitergemacht hätte, auch vor dem Hintergrund dieses sagenhaften Ensembles, das wir einfach haben. Da spielt ja eine Granate neben der anderen.

Annette Frier spielt seit Jahren in der Serie Ihre Ex-Frau. Was schätzen Sie besonders an der Arbeit mit ihr?
Da, wo Annette ist, ist einfach gute Stimmung und gute Laune. Sie ist eine tolle Arbeiterin, eine tolle Spielerin. Sie ist sehr offen, kommt also nicht mit Scheuklappen in solche Dreharbeiten, sondern ist sehr bereit, sich auch auf andere Ideen einzulassen und einzustimmen. Ich glaube, für uns beide ist es künstlerisch immer so ein Stückchen nach Hause kommen, wenn wir miteinander zu tun haben. Und das ist schon sehr toll.
Sie spielen ganz oft Männer mit Ecken, Kanten und Kontrollzwang. Wie anstrengend sind Sie privat als Nachbar?
Ich glaube, ich bin eher tiefenentspannt. Ich fände das ganz schlimm, wenn diese Grundzüge der meisten Figuren, die ich gespielt habe, wirklich eine Schnittmenge mit dem Schauspieler dahinter hätten. Mir machen die Rollen am meisten Spaß, die wenig bis gar nichts mit mir zu tun haben. Wenn ich mich selbst spielen müsste, würde ich mich unfassbar langweilen.

Dieses Verschrobene, Klugscheißerische, Zynische und der Kontrollzwang, das hat mit mir nichts zu tun. Aber wenn ich solche Rollen gespielt habe, bin ich danach eigentlich doppelt entspannt. Weil ich eine Menge von dem Dreck, der ja natürlich auch in mir schlummert, schon am Set und in diesen Rollen ablassen kann. Aber von Haus aus bin ich, glaube ich, eher in so einem gechillten Zen-Modus.
Privat engagieren sich sehr für das Kinder- und Jugendhospiz Balthasar in Olpe. Wie ging es Ihnen nach Ihrem ersten Besuch?
Es ist schwer. Mein erster Besuch ist bestimmt schon 20 Jahre her, da war ich auch ein totales Nervenbündel. Vorher zumindest und hatte diese Schwellenangst. Das Kinder- und Jugendhospiz Balthasar ist ein Ort des Lichts und des Lächelns. Da wird natürlich viel gelitten und da wird auch gestorben. Aber diese ganze Institution, die natürlich davon lebt, was dort für Menschen arbeiten, teilweise ehrenamtlich, teilweise aber auch fest, ist in ein großes, liebevolles Licht getaucht. Und das habe ich vor allem damals wieder mit zurück in mein Leben genommen.
Olpe ist etwa eine Autostunde entfernt von Köln. Ich weiß, dass ich damals nach meinem ersten Besuch 60 Minuten durchgeheult habe. Das war aber eine Mischung aus: ‚Mein Gott, ich habe es geschafft.‘ Und eine Mischung aus: ‚Ich hätte gar nicht so ängstlich sein müssen.‘ Mich lässt es bis heute immer noch ein Stück verändert wieder in mein eigenes Leben zurückkehren. Und es findet eine unglaubliche Erdung statt. Dankbarkeit und Demut sind dann die ersten Begriffe, die auftauchen.
Tod, Glaube und Endlichkeit: So denkt Christoph Maria Herbst über das Leben
Wie gehen Sie selbst mit dem Thema Tod um?
Ich bin ja nun gerade 60 geworden. Spätestens jetzt bin ich mir meiner eigenen Endlichkeit auch bewusst, weil 60 ist schon eine Ansage. Aber für mich ist die Schlussfolgerung, nicht meinen Kopf in den Sand zu stecken und zu sagen: ‚Oh Gott, ich habe ja nur noch 20 Jahre‘. Sondern bei mir ist es eher umgekehrt. Für mich bedeutet es jetzt, das Leben noch bewusster zu leben und jede Sekunde noch mehr zu genießen. Was wir aber haben, ist der Schatz des Moments, und das wird mir schon immer bewusster.
Haben Sie Angst vor dem Tod?
Für mich war klar, dass das Leben nur funktionieren kann, wenn es auch den Tod gibt, und ohne den Tod gäbe es das Leben nicht. Ich habe keine Angst vor dem Tod. Vielleicht auch, weil ich ein gläubiger Mensch bin. Ich glaube eben nicht, dass alles vorbei ist. Ich vertraue aber darauf, dass es ein Leben vor dem Tod gibt. Ich lebe jetzt nicht für ein Leben nach dem Tod, sondern für ein Leben vor dem Tod. Ich versuche, so intensiv und so achtsam die verbleibenden Jahre, die ich noch habe, zu gestalten, wie es mir eben möglich ist.
Wenn morgen niemand mehr wüsste, wer Christoph Maria Herbst ist, was würden Sie als Erstes tun? Sie sind schließlich ganz Deutschland ein Begriff.
Kennen und Wiedererkennen sind zweierlei. Ich kann wirklich durch jede noch so kleine oder noch so große Stadt im deutschsprachigen Raum gehen und die Leute würden mich nicht erkennen. Jeder hat ein anderes Bild von mir. Und die haben zu 90 Prozent mit dem realen Christoph Maria Herbst überhaupt nichts zu tun. Wenn Sie sagen, dass Sie die ‚Zwei Weihnachtsmänner‘ gucken, dann entsteht natürlich gleich ein Bild vor ihrem geistigen Auge: ein silbriges, volles Haar und ein Typ mit einem Aktenkoffer. So laufe ich natürlich, wenn ich in meinem Bioladen meinen Ziegenjoghurt kaufe, nicht durch die Stadt.



