Dieser Film weckt unglaubliche Gefühle. Fast keiner kann sich wohl vorstellen, wie sehr Dragqueen Olivia Jones (56) kämpfen musste, um akzeptiert zu werden. Olivia ist bunt, laut, lustig und hat trotzdem viel Schmerz in sich. In dem ZDF-Film „Olivia“ wird ihre Lebensgeschichte erzählt.
Olivia Jones wurde von ihrer Familie verstoßen
„Im Film kam nichts vor, was nicht stattgefunden hat“, erzählt Olivia Jones (bürgerlich Oliver Knöbel) überraschend im Interview mit dem Berliner KURIER. Viele Szenen aus dem Film hatten es in sich. Als Olivia verkleidet, wurde Oliver in seiner niedersächsischen Heimat Springe von Männern verprügelt. Seine eigene Mutter verstieß ihn, bei seinem ersten Freund trat die Sorge auf, ob auch Oliver an HIV leidet und bei einer Musterung für die Bundeswehr erschien er als Olivia – in den späten 1980er-Jahren keine ungefährliche Angelegenheit.

„Das eigene Leben noch einmal zu sehen, war schon eine emotionale Achterbahnfahrt. Ich habe mich über meinen eigenen Mut zwischendurch gewundert und gemerkt, dass diese Verletzungen doch sehr tief gegangen sind“, erzählt Olivia Jones. Sie hofft, dass ihre Lebensgeschichte anderen Menschen Mut macht und sie ihrem Herzen folgen.
Sie will, dass der Film „auch Eltern von queeren Kindern, zeigt, wie wichtig Liebe, Respekt und Anerkennung sind, um für ihr Kind da zu sein. Das habe ich nicht gehabt und das hat natürlich was mit mir gemacht und irgendwie traumatisiert, dass sich meine Familie wirklich für mich geschämt und mir das auch so offen gezeigt hat“. Noch heute verfolgen die Dragqueen die gewalttätigen Zwischenfälle von damals.
„Ich bin immer noch in Springe, auch sehr, sehr gerne. Meine Mutter lebt da noch. Aber ich hab manchmal immer noch ein ungutes Gefühl, wenn ich da am Bahnhof stehe. Damals haben wirklich Leute Jagd auf mich gemacht und ich musste immer vorsichtig sein.“ Besonders das schwierige Verhältnis zwischen der Moderatorin und ihrer Mutter Evelin Knöbel wurde gezeigt.
Seit einigen Jahren sind die beiden vollständig versöhnt. Für Evelin Knöbel ist es eine Ehre, von Schauspielerin Annette Frier (52) verkörpert zu werden. „Annette Frier hat sich sehr reingefuchst in die Rolle, indem ich ihr die gesamte Familiengeschichte erzählt habe, sodass sie meine Mutter auch greifen kann. Und auch sieht, dass meine Mutter das natürlich in dieser Zeit nicht so einfach hatte. Diese ganzen Anfeindungen von Nachbarn, auch von Freunden. Das habe ich (damals, Anm. d. Red.) gar nicht so gesehen und mitgekriegt“, gibt Jones zu.

Mehrere Monate dauerte die Suche nach dem perfekten Olivia-Darsteller. Schließlich fiel die Wahl auf Theaterschauspieler Johannes Hegemenn (30). Hegemann ahmt die Dragqueen im Film verblüffend ähnlich nach. „Johannes ist einfach genau der Richtige, weil er so mit Herzblut dabei ist und sich in die Rolle so einfühlsam versetzt hat, das ist schon super und macht mich natürlich umso stolzer, weil der Film dadurch wirklich authentisch ist“, schwärmt Olivia im KURIER.
Olivia Jones bot Hape Kerkeling und Bastian Pastewka eine Rolle an
Auch Jones’ enge Freundin, die ihr zum heutigen Erfolg verholfen hat, Lilo Wanders (70) spielt im Film eine Rolle. Jones lacht und scherzt: „Hape Kerkeling und Bastian Pastewka waren (für die Rolle, Anm. d. Red.) angefragt, die beide abgesagt haben. Obwohl ich zu ihnen persönlich auch schon gesagt habe, das hätte ihr großer Durchbruch sein können.“



