Neuer Film über ihr Leben

Olivia Jones wurde als Dragqueen verprügelt: „Leute haben Jagd auf mich gemacht“

Der ZDF-Film „Olivia“ erzählt die bewegende Geschichte von Olivia Jones – von Gewalt, Ablehnung und ihrem mutigen Weg zur Ikone.

Author - Mariella Mandurino
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Olivia Jones hat sich in 30 Jahren ein eigenes Imperium auf der Reeperbahn aufgebaut.
Olivia Jones hat sich in 30 Jahren ein eigenes Imperium auf der Reeperbahn aufgebaut.Andre Lenthe/imago

Dieser Film weckt unglaubliche Gefühle. Fast keiner kann sich wohl vorstellen, wie sehr Dragqueen Olivia Jones (56) kämpfen musste, um akzeptiert zu werden. Olivia ist bunt, laut, lustig und hat trotzdem viel Schmerz in sich. In dem ZDF-Film „Olivia“ wird ihre Lebensgeschichte erzählt.

Olivia Jones wurde von ihrer Familie verstoßen

„Im Film kam nichts vor, was nicht stattgefunden hat“, erzählt Olivia Jones (bürgerlich Oliver Knöbel) überraschend im Interview mit dem Berliner KURIER. Viele Szenen aus dem Film hatten es in sich. Als Olivia verkleidet, wurde Oliver in seiner niedersächsischen Heimat Springe von Männern verprügelt. Seine eigene Mutter verstieß ihn, bei seinem ersten Freund trat die Sorge auf, ob auch Oliver an HIV leidet und bei einer Musterung für die Bundeswehr erschien er als Olivia – in den späten 1980er-Jahren keine ungefährliche Angelegenheit.

Johannes Hegemann spielt Olivia Jones im Film „Olivia“. Hier läuft er auf der Reeperbahn.
Johannes Hegemann spielt Olivia Jones im Film „Olivia“. Hier läuft er auf der Reeperbahn.Bjørn Haneld

„Das eigene Leben noch einmal zu sehen, war schon eine emotionale Achterbahnfahrt. Ich habe mich über meinen eigenen Mut zwischendurch gewundert und gemerkt, dass diese Verletzungen doch sehr tief gegangen sind“, erzählt Olivia Jones. Sie hofft, dass ihre Lebensgeschichte anderen Menschen Mut macht und sie ihrem Herzen folgen.

Sie will, dass der Film „auch Eltern von queeren Kindern, zeigt, wie wichtig Liebe, Respekt und Anerkennung sind, um für ihr Kind da zu sein. Das habe ich nicht gehabt und das hat natürlich was mit mir gemacht und irgendwie traumatisiert, dass sich meine Familie wirklich für mich geschämt und mir das auch so offen gezeigt hat“. Noch heute verfolgen die Dragqueen die gewalttätigen Zwischenfälle von damals.

„Ich bin immer noch in Springe, auch sehr, sehr gerne. Meine Mutter lebt da noch. Aber ich hab manchmal immer noch ein ungutes Gefühl, wenn ich da am Bahnhof stehe. Damals haben wirklich Leute Jagd auf mich gemacht und ich musste immer vorsichtig sein.“ Besonders das schwierige Verhältnis zwischen der Moderatorin und ihrer Mutter Evelin Knöbel wurde gezeigt.

Seit einigen Jahren sind die beiden vollständig versöhnt. Für Evelin Knöbel ist es eine Ehre, von Schauspielerin Annette Frier (52) verkörpert zu werden. „Annette Frier hat sich sehr reingefuchst in die Rolle, indem ich ihr die gesamte Familiengeschichte erzählt habe, sodass sie meine Mutter auch greifen kann. Und auch sieht, dass meine Mutter das natürlich in dieser Zeit nicht so einfach hatte. Diese ganzen Anfeindungen von Nachbarn, auch von Freunden. Das habe ich (damals, Anm. d. Red.) gar nicht so gesehen und mitgekriegt“, gibt Jones zu.

Annette Frier spielt Olivia Jones Mutter Evelin Knöbel.
Annette Frier spielt Olivia Jones Mutter Evelin Knöbel.Thomas Leidig

Mehrere Monate dauerte die Suche nach dem perfekten Olivia-Darsteller. Schließlich fiel die Wahl auf Theaterschauspieler Johannes Hegemenn (30). Hegemann ahmt die Dragqueen im Film verblüffend ähnlich nach. „Johannes ist einfach genau der Richtige, weil er so mit Herzblut dabei ist und sich in die Rolle so einfühlsam versetzt hat, das ist schon super und macht mich natürlich umso stolzer, weil der Film dadurch wirklich authentisch ist“, schwärmt Olivia im KURIER.

Olivia Jones bot Hape Kerkeling und Bastian Pastewka eine Rolle an

Auch Jones’ enge Freundin, die ihr zum heutigen Erfolg verholfen hat, Lilo Wanders (70) spielt im Film eine Rolle. Jones lacht und scherzt: „Hape Kerkeling und Bastian Pastewka waren (für die Rolle, Anm. d. Red.) angefragt, die beide abgesagt haben. Obwohl ich zu ihnen persönlich auch schon gesagt habe, das hätte ihr großer Durchbruch sein können.“

Olivia Jones fand auf der Reeperbahn ihre Familie: Marius Körbel (gespielt von Daniel Zillmann, v.l.), Lilo Wanders (gespielt von Stephan Kampwirth) und Lulu Duvall (gespielt von Victor Schefé).
Olivia Jones fand auf der Reeperbahn ihre Familie: Marius Körbel (gespielt von Daniel Zillmann, v.l.), Lilo Wanders (gespielt von Stephan Kampwirth) und Lulu Duvall (gespielt von Victor Schefé).Thomas Leidig/ Florida Film

Mit knapp 19 Jahren zog es Olivia Jones 1989 nach Hamburg auf die Reeperbahn, auf der sie bis heute zu Hause ist. Doch auch da waren die Zeiten nicht immer leicht. Warum entschied sie sich gerade für die Hamburger Ecke? „St. Pauli war schon immer ein Stadtteil, wo man sich entfalten konnte und der einfach offener und toleranter war. So einen Stadtteil gibt es in Deutschland nirgends. Man sucht ja weltweit seinesgleichen. Für mich war es genau der richtige Ort.“

Oliver Knöbel liebt Olivia Jones, hält sich privat aber gerne bedeckt. „Ich hab wirklich, auch wenn es immer so abgedroschen klingt, meine Berufung zum Beruf gemacht – und dadurch macht mir das natürlich immer noch großen Spaß. Als Olivia habe ich ein bisschen Narrenfreiheit, aber als Oliver erkennt mich einfach immer noch keiner. Vielleicht nur an der Stimme.“ Der Film „Olivia“ ist am 13. Mai um 20.15 Uhr im ZDF und schon jetzt in der Mediathek zu sehen.

Kannten Sie Olivia Jones Lebensgeschichte bereits? Bitte schreiben Sie uns unter: leser-bk@berlinerverlag.com