Ehepaare aufgepasst

Rentenreform: Pflicht-Splitting rückt in den Fokus – Witwenrente vor dem Aus?

Neue Rentenpläne in Deutschland: Pflicht-Splitting für Ehepaare könnte die Witwenrenten ersetzen. Was Experten jetzt fordern.

Author - Sharone Treskow
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Rentenexperten empfehlen, das Ehegatten-Splitting zur Pflicht zu machen. (Symbolbild)
Rentenexperten empfehlen, das Ehegatten-Splitting zur Pflicht zu machen. (Symbolbild)Freepik / Magnific

In Berlin bahnt sich eine tiefgreifende Reform der gesetzlichen Rente an: Die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission prüft nach Informationen des Handelsblatts ein verpflichtendes Rentensplitting für Ehepaare. Damit könnten die bisherigen Regeln für Witwen- und Witwerrenten grundlegend auf den Kopf gestellt werden.

Rentenmodell im Umbruch: Ökonomen drängen auf Abschied von Witwenrente

Konkret würde ein obligatorisches Splitting bedeuten, dass alle während der Ehe erworbenen Rentenpunkte automatisch hälftig zwischen den Partnern aufgeteilt werden. Ziel ist es vor allem, die eigenständige Altersabsicherung zu stärken – insbesondere bei Frauen, die bisher oft geringere Rentenansprüche haben. Eine endgültige Entscheidung steht jedoch noch aus: Die Kommission will ihre Empfehlungen am 29. Juni Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) vorlegen.

Bärbel Bas erhält Ende Juni die Vorschläge der Rentenkommission bezüglich der Rentenreform.
Bärbel Bas erhält Ende Juni die Vorschläge der Rentenkommission bezüglich der Rentenreform.Dts Nachrichtenagentur/Imago

Übrigens: Schon heute gibt es die Möglichkeit, Rentenansprüche freiwillig zu teilen – doch sie wird kaum genutzt. Weniger als 1000 Paare im Jahr entscheiden sich dafür, da strenge Bedingungen gelten und oft Nachteile drohen. Wer splittet, verzichtet später etwa komplett auf eine Witwen- oder Witwerrente.

Diese Idee könnte das Rentensystem entlasten

Genau hier setzen viele Wirtschaftsexperten an: Der Sachverständigenrat der Bundesregierung hatte bereits 2023/24 ein verpflichtendes Splitting als Ersatz für die Hinterbliebenenrente vorgeschlagen. Denn die bisherige Regelung schwäche insbesondere bei Frauen den Anreiz, eigene Rentenansprüche aufzubauen, weil Einkommen auf die Witwenrente angerechnet wird.

Das traditionelle Rentenmodell verliert für moderne Beziehungen immer mehr an Bedeutung (Symbolbild).
Das traditionelle Rentenmodell verliert für moderne Beziehungen immer mehr an Bedeutung (Symbolbild).pvproductions/Magnific

Zudem passe das Splitting besser zu modernen Lebensrealitäten, argumentieren Ökonomen. Das traditionelle Alleinverdiener-Modell verliere an Bedeutung, während Doppelverdienerhaushalte zunehmen. Langfristig könnte die Reform laut Experten auch die Rentenkasse entlasten, da Ansprüche nicht mehr automatisch an Hinterbliebene weitergegeben werden.

Kritik und Zweifel: Spart das Rentensplitting überhaupt Geld?

Trotz der Zustimmung vieler Experten gibt es auch Kritik. Einige Fachleute halten die finanziellen Effekte für begrenzt. Das Splitting verteile die Ansprüche letztlich nur anders, ohne die Gesamtsumme zu verändern. Kurzfristig gebe es daher kaum Einsparungen.

In Einzelfällen könnte die Reform sogar teurer werden – etwa dann, wenn aktuell nur eine „kleine Witwenrente“ gezahlt wird, künftig aber ein Splitting greift. Diese Fälle dürften jedoch selten bleiben.

Aktuell können Paare noch selbst entscheiden, wie sie ihre Rentenpunkte verteilen. (Symbolbild)
Aktuell können Paare noch selbst entscheiden, wie sie ihre Rentenpunkte verteilen. (Symbolbild)Freepik / Magnific

Derzeit unterscheidet das System zwischen zwei Arten von Hinterbliebenenrenten: Die „kleine Witwenrente“ beträgt 25 Prozent der Ansprüche und wird meist zeitlich befristet gezahlt. Die „große Witwenrente“ sichert Hinterbliebene dauerhaft ab und beträgt 55 Prozent der Rente des Verstorbenen – etwa bei höherem Alter oder wenn Kinder betreut werden.

Rente im Wandel: Splitting könnte Alltag für Ehepaare werden

Dass das freiwillige Splitting bislang so selten genutzt wird, liegt auch an den Voraussetzungen: Es ist nur für Ehen ab 2002 möglich und erfordert mindestens 25 Jahre Beitragszahlung. Vor allem gut verdienende Paare ohne Anspruch auf Hinterbliebenenrente greifen darauf zurück.

Mit einer verpflichtenden Regelung könnte sich das grundlegend ändern. Dann würden Rentenansprüche automatisch geteilt – unabhängig von Einkommen oder späterem Familienstand.

Das Splitting lohnt sich derzeit eher für Gutverdiener. (Symbolbild)
Das Splitting lohnt sich derzeit eher für Gutverdiener. (Symbolbild)Freepik / Magnific

Fest steht: Sollte die Rentenkommission diesen Weg empfehlen, steht Deutschland vor einem der größten Umbauten im Rentensystem seit Jahren. Für viele Paare würde das bedeuten: mehr Eigenverantwortung und weniger klassische Absicherung im Todesfall.

Wie ist Ihre Meinung zu dem Vorschlag? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.