Technik-Desaster

US-Regierung schaltet KI ab: Warum deutsche Nutzer jetzt blockiert sind

Erst gestartet, dann schon wieder gestoppt! Die US-Regierung zwingt einen KI-Konzern zu einem drastischen Schritt mit Folgen bis nach Deutschland.

Author - Stefan Doerr
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Das Logo der US-Firma Anthropic
Das Logo der US-Firma AnthropicNICOLAS TUCAT/AFP

Für Millionen Internet‑Nutzer weltweit und ganz besonders in Deutschland kommt diese Nachricht wie ein Schlag! Der US‑Konzern Anthropic muss seine neuen KI‑Modelle Fable 5 und Mythos 5 sofort abschalten. Und das weltweit für alle, gerade mal drei Tage nach dem Start. Eine Exportkontroll‑Anordnung der US‑Regierung von Präsident Donald Trump verbietet ausländischen Staatsangehörigen den Zugriff.

Weltweiter Stopp der KI-Systeme

Auslöser ist nach Angaben des Unternehmens, das für seinen KI-Chatbot Claude bekannt ist, eine Anordnung der US-Regierung. Demnach dürfen ausländische Staatsangehörige nicht mehr auf die beiden KI-Modelle zugreifen. Das Verbot gilt sogar für Mitarbeiter von Anthropic, die keine US-Bürger sind und in den Vereinigten Staaten arbeiten.

Weil der Konzern seine Nutzer technisch nicht nach ihrer Staatsangehörigkeit unterscheiden könne, zog er die Notbremse. Die Folge sei, „dass wir Fable 5 und Mythos 5 für alle unsere Kunden unverzüglich deaktivieren müssen, um die Einhaltung der Vorschriften zu gewährleisten“.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump schneidet die ganze Welt von KI-Modellen ab.
Die Regierung von US-Präsident Donald Trump schneidet die ganze Welt von KI-Modellen ab.Mark Schiefelbein/AP/dpa

Nutzer in Deutschland gucken in die Röhre

Für Nutzer in Deutschland bedeutet das: Wer die neuen Modelle ausprobieren oder in Unternehmen einsetzen wollte, geht leer aus. Bereits bestehende Zugänge wurden abgeschaltet. Andere KI-Systeme des Unternehmens, darunter die Claude-Modelle, sind von der Maßnahme allerdings nicht betroffen.

Besonders brisant: Fable 5 war erst drei Tage zuvor öffentlich gestartet. Das Modell galt bereits als abgespeckte Version des deutlich leistungsfähigeren Mythos 5. Dessen Nutzung war bislang auf rund 200 Unternehmen sowie die US-Regierung beschränkt.

Anthropic  ist für den Chatbot Claude bekannt.
Anthropic ist für den Chatbot Claude bekannt.Zuma Press/Imago

US-Regierung lieferte keine Begründung für Anordnung

Warum Washington zu diesem drastischen Schritt griff, blieb zunächst offen. Nach Angaben von Anthropic habe die Regierung in ihrem Schreiben keine konkrete Begründung geliefert. Das Unternehmen vermutet jedoch, dass Behörden Hinweise auf eine mögliche Sicherheitslücke erhalten haben. Demnach könnten Schutzmechanismen von Fable 5 umgangen und die KI für Hackerangriffe missbraucht werden.

Anthropic weist die Einschätzung zurück. „Wir bestreiten, dass die Entdeckung einer potenziellen Umgehung der Sicherheitsmaßnahmen rund um Fable 5 den Rückruf eines Geschäftsmodells rechtfertigt, das bei Hunderten von Millionen Menschen im Einsatz ist“, erklärte das Unternehmen.

Der Fall zeigt erneut, wie stark politische Entscheidungen aus den USA inzwischen auch den deutschen Digitalalltag beeinflussen. Eine Verfügung aus Washington genügt, um weltweit eingesetzte KI-Technologie binnen Stunden vom Netz zu nehmen. Es geht dabei auch um die Frage, wer in Zukunft überhaupt noch Zugang zu den mächtigsten KI-Systemen der Welt erhält.

Im Hintergrund schwelt zudem ein größerer Konflikt. Anthropic streitet sich seit Monaten mit dem US-Verteidigungsministerium über die militärische Nutzung von Künstlicher Intelligenz. Der Konzern lehnt einen Einsatz seiner Technik für „Massenüberwachung im Inland“ und vollautonome Waffensysteme ab. Das Pentagon stufte Anthropic daraufhin als „Sicherheitsrisiko in der Lieferkette“ ein. Dagegen geht das Unternehmen juristisch vor.

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