Volltanken? Für viele Deutsche inzwischen Luxus. Vor allem Studenten und Pendler spüren die gestiegenen Kraftstoffpreise an der Zapfsäule deutlich. Für viele führt der Weg dann ins Ausland – meist nach Polen –, um den Geldbeutel zu schonen. Andere fahren aber auch nach Tschechien.
In Deutschland schnellt der Benzinpreis nach oben
Dort sind die Preise zuletzt zwar auch hochgegangen, aber längst nicht so brutal wie in Deutschland. Vor dem Iran-Konflikt lag der Liter Diesel in Prag im Schnitt bei 1,38 Euro, inzwischen bei 1,66 Euro. In Deutschland schnellte der Preis dagegen zeitweise um bis zu 47 Cent nach oben – ein Sprung, der Autofahrer schockt.
In Tschechien erhöhen sich die Preise nicht so schnell
„Nach Beginn des Krieges sind die Treibstoffpreise sprunghaft gestiegen“, sagt der tschechische Wirtschaftswissenschaftler Lukáš Kovanda, Chefökonom der Trinity Bank, dem MDR. Die Angst vor Lieferausfällen treibt die Märkte – und am Ende die Preise an Europas Zapfsäulen.
Entscheidend ist, wie rasch die Verteuerung ankommt. Nach Einschätzung von Kovanda reagieren Ölkonzerne und Tankstellen in Deutschland deutlich schneller auf steigende Großhandelspreise als in Tschechien – teilweise mit mehreren Anpassungen pro Tag.

In Deutschland gibt es zu viele Abgaben
Der Ökonom spricht von einer „präventiven Verteuerung“: „Sie verkaufen noch Produkte aus günstig eingekauftem Öl – aber bereits zu höheren Preisen“, sagt Kovanda. Wer sich eng an aktuellen Großhandelspreisen – etwa an der Börse in Rotterdam – orientiert, kann in Phasen der Unsicherheit kurzfristig höhere Margen realisieren. Leidtragende: die Verbraucher.
Ein weiterer Preistreiber in Deutschland: Abgaben. Bei Benzin machen Mineralölsteuer, CO2-Zuschlag und Mehrwertsteuer derzeit rund 58 Prozent des Endpreises aus. In Tschechien liegt die Quote unter 50 Prozent – jeder zusätzliche Cent beim Rohstoff verteuert den Liter in Deutschland also stärker.
Sie verkaufen noch Produkte aus günstig eingekauftem Öl – aber bereits zu höheren Preisen.


