Die Zahl der arbeitenden Seniorinnen und Senioren schießt seit Jahren nach oben. Jetzt zeigen neue Daten, wie stark der Trend wirklich ist. Rund 1,9 Millionen Menschen über 65 waren 2025 erwerbstätig. Das sind rund 46 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren.
Sogar Rentner über 70 bleiben im Job
Die Zahlen stammen vom Statistischen Bundesamt und wurden vom Bündnis Sahra Wagenknecht abgefragt. Besonders auffällig: Auch jenseits der 70 und sogar 75 legen die Erwerbstätigenzahlen deutlich zu.
653.000 Menschen über 70 gingen 2025 einer Arbeit nach, im Jahr 2020 waren es noch 469.000. Und selbst in der Gruppe 75 plus stieg die Zahl von 175.000 auf 229.000.

Viele können sich Abschläge nicht leisten
Der Trend kommt nicht aus dem Nichts. Seit 2012 steigt das gesetzliche Rentenalter schrittweise von 65 auf 67 Jahre. 2025 lag es bereits bei 66 Jahren und zwei Monaten. Wer früher aufhören will, muss meist Abschläge hinnehmen und bezieht damit dauerhaft weniger Rente. Für viele ein Grund, weiterzuarbeiten.
Hinzu kommen Fachkräftemangel, persönliche Motivation und der Wunsch, aktiv zu bleiben. Doch ein Aspekt sorgt besonders für Diskussionen: die finanzielle Notwendigkeit. BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht sagt: „Der Job im Alter ist viel zu oft keine freie Entscheidung, sondern leider finanziell notwendig.“
Wagenknecht betont, es sei zwar positiv, dass Unternehmen auf die Erfahrung Älterer setzen. Gleichzeitig verweist sie auf die Schattenseite: „Der Anstieg der Zahlen zeigt aber, dass Hunderttausende Rentner schlicht gezwungen sind, ihre schmalen Bezüge aufzubessern.“ Als mögliches Vorbild nennt sie das österreichische Rentensystem, das höhere Auszahlungen bietet, allerdings bei höheren Beiträgen.
Die Entwicklung zeigt klar, dass der Ruhestand für viele längst kein klarer Schnitt mehr ist. Immer mehr Menschen arbeiten weiter, auch weil es anders finanziell kaum machbar wäre.


