Ost-West-Lücke

Renten-Plus 2026: Warum der Osten trotzdem weiter zurückfällt

Millionen Rentner freuen sich auf eine satte Rentenerhöhung. Doch mit dem Plus wächst auch die Lücke zwischen Ost und West.

Author - Stefan Doerr
Teilen
 Ein sattes Plus für Rentner steht in diesem Jahr an.
Ein sattes Plus für Rentner steht in diesem Jahr an.wolterfoto/Imago

Am 1. Juli können sich Deutschlands Rentnerinnen und Rentner freuen, denn es gibt wieder mehr Geld! Ein sattes Plus von 4,24 Prozent für ihre Bezüge ist angekündigt. Doch während alle denselben Prozentsatz bekommen, passiert im Hintergrund etwas, das viele längst frustriert. Die alte Kluft zwischen Ost und West wächst weiter.

Die Lücke zwischen Ost und West wächst automatisch

Und diese Schere öffnet sich weiter, obwohl die Rentenwerte seit 2024 offiziell vollständig angeglichen sind. Ein Blick auf konkrete Zahlen zeigt, wie Ost und West auseinander driften. Spitzenreiter beim Rentenniveau ist das West-Bundesland Saarland. Dort bekommt der durchschnittliche Rentner rund 1805 Euro im Monat.

Schlusslicht dagegen ist das Ost-Bundesland Thüringen. Hier liegt die Durchschnittsrente bei etwa 1572 Euro und damit am niedrigsten in ganz Deutschland. Ein Unterschied in beiden Ländern von 233 Euro jeden Monat.

Rentenerhöhungen um 4,24 Prozent haben im Lauf der Jahre in Ost und West unterschiedliche Effekte.
Rentenerhöhungen um 4,24 Prozent haben im Lauf der Jahre in Ost und West unterschiedliche Effekte.Wolfilser/Imago

Und dieser Abstand wächst automatisch mit jeder Rentenerhöhung. Denn wer mehr hat, bekommt auch mehr drauf. Ein einfaches Rechenbeispiel: Steigen die Renten zehn Jahre lang jährlich um 4,24 Prozent, ergibt sich ein Zinseszinseffekt von rund 51,5 Prozent. Im Saarland wären das dann 2735 Euro. In Thüringen 2383 Euro. Die Differenz: 353 Euro. Heute sind es 233. Die Schere öffnet sich also um weitere 120 Euro im Monat. Das sind 1440 Euro im Jahr.

Ähnlich sieht es in anderen Ländern aus. In Baden-Württemberg bekommt ein Rentner derzeit im Schnitt etwa 1760 Euro. In Brandenburg sind es nur rund 1590 Euro. Heute beträgt der Unterschied 170 Euro. In zehn Jahren könnte daraus bereits ein Abstand von 258 Euro werden. Die Lücke wächst also allein durch den höheren Ausgangswert um weitere 88 Euro jeden Monat.

Senioren in Erfurt: Thüringen hat die niedrigsten Renten in Deutschland.
Senioren in Erfurt: Thüringen hat die niedrigsten Renten in Deutschland.Dreamstime/Imago

Renten-Lücke trotz gleicher Prozentsätze

Auch beim Vergleich von Nordrhein-Westfalen mit Mecklenburg-Vorpommern zeigt sich derselbe Effekt. Während Rentner in NRW im Schnitt etwa 1690 Euro erhalten, sind es in Mecklenburg-Vorpommern rund 1580 Euro. Heute trennt beide Seiten eine Kluft von 110 Euro. In zehn Jahren wären es bereits etwa 165 Euro.

Die Rentenerhöhung selbst ist politisch gewollt und orientiert sich an der Lohnentwicklung. „Die gute Lohnentwicklung führt erneut zu einer spürbaren Rentenanpassung“, erklärte Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD).

Doch genau darin liegt das Dilemma. Denn gleiche Prozentsätze bedeuten am Ende eben nicht gleiche Ergebnisse. Wer schon heute mehr bekommt, profitiert von jeder Erhöhung stärker. Wer mit weniger startet, bleibt weiter zurück.

So bleibt die historische Ost-West-Lücke bei den Renten bestehen. Und mit jeder Erhöhung wächst sie ein Stück weiter, ganz automatisch.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com