In Roßleben‑Wiehe, mitten im Herzen Thüringens, riecht es seit 1879 morgens nach frischen Brötchen. Kaiserreich, Weltkriege, DDR und Wiedervereinigung, das hat die Bäckerei Lampe alles überstanden. Doch jetzt steht der Traditionsbetrieb aus dem Osten vor dem Aus. Und das trifft nicht nur die Region, sondern auch die ostdeutsche Seele.
Löhne der Mitarbeiter bis Ende Juli gesichert
Die Bäckerei Lampe, mit 44 Filialen in Thüringen, Sachsen und Sachsen‑Anhalt, hat ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet. Rund 280 Beschäftigte sind betroffen, dazu zählen Verkäuferinnen, Bäcker, Fahrer. Viele von ihnen sind seit Jahrzehnten im Betrieb verwurzelt. Trotzdem betont Geschäftsführer André Lampe: „Das Verfahren hat keine Auswirkungen auf unser Tagesgeschäft.“ Die Filialen bleiben geöffnet, die Kunden sollen nichts merken.
Doch hinter den Kulissen drücken die Sorgen. Hohe Energiepreise, steigende Personalkosten, Inflation und eine spürbare Kaufzurückhaltung haben das Unternehmen in die Knie gezwungen. Das bestätigt auch der vorläufige Insolvenzverwalter Frank Kreuznacht, der vom Amtsgericht Mühlhausen eingesetzt wurde. Die Löhne der Beschäftigten sind immerhin bis Ende Juli über Insolvenzgeld gesichert.

Rettungsversuch für das Filialnetz von Lampe
Lampe ist kein kleiner Dorfbäcker. Die Kette betreibt Filialen in Rewe‑ und Netto‑Märkten, Cafés in Innenstädten und Standorte in Halle, wo allein zwölf Filialen stehen. Viele davon stammen aus der Übernahme des insolventen Stadtbäckers im Jahr 2016.
Die Geschäftsführung will die Krise nutzen, um den Betrieb neu aufzustellen. „Damit wir langfristig wieder wirtschaftlich stabil dastehen, richten wir uns jetzt operativ und finanziell grundlegend neu aus“, sagt André Lampe.


