Jobs in Gefahr

Ost‑Bäckerei Lampe in Not: Was jetzt mit den 44 Filialen passiert

Ein ostdeutsches Traditionsunternehmen kämpft ums Überleben und 280 Mitarbeiter zittern mit.

Author - Stefan Doerr
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Brötchen liegen in einer Bäckerei in einem Korb, die Bäcker-Branche schrumpft weiter.
Brötchen liegen in einer Bäckerei in einem Korb, die Bäcker-Branche schrumpft weiter.Robert Michael/dpa

In Roßleben‑Wiehe, mitten im Herzen Thüringens, riecht es seit 1879 morgens nach frischen Brötchen. Kaiserreich, Weltkriege, DDR und Wiedervereinigung, das hat die Bäckerei Lampe alles überstanden. Doch jetzt steht der Traditionsbetrieb aus dem Osten vor dem Aus. Und das trifft nicht nur die Region, sondern auch die ostdeutsche Seele.

Löhne der Mitarbeiter bis Ende Juli gesichert

Die Bäckerei Lampe, mit 44 Filialen in Thüringen, Sachsen und Sachsen‑Anhalt, hat ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet. Rund 280 Beschäftigte sind betroffen, dazu zählen Verkäuferinnen, Bäcker, Fahrer. Viele von ihnen sind seit Jahrzehnten im Betrieb verwurzelt. Trotzdem betont Geschäftsführer André Lampe: „Das Verfahren hat keine Auswirkungen auf unser Tagesgeschäft.“ Die Filialen bleiben geöffnet, die Kunden sollen nichts merken.

Doch hinter den Kulissen drücken die Sorgen. Hohe Energiepreise, steigende Personalkosten, Inflation und eine spürbare Kaufzurückhaltung haben das Unternehmen in die Knie gezwungen. Das bestätigt auch der vorläufige Insolvenzverwalter Frank Kreuznacht, der vom Amtsgericht Mühlhausen eingesetzt wurde. Die Löhne der Beschäftigten sind immerhin bis Ende Juli über Insolvenzgeld gesichert.

Wieder droht einer Bäckerei-Kette das Aus.
Wieder droht einer Bäckerei-Kette das Aus.Wirestock/Imago

Rettungsversuch für das Filialnetz von Lampe

Lampe ist kein kleiner Dorfbäcker. Die Kette betreibt Filialen in Rewe‑ und Netto‑Märkten, Cafés in Innenstädten und Standorte in Halle, wo allein zwölf Filialen stehen. Viele davon stammen aus der Übernahme des insolventen Stadtbäckers im Jahr 2016.

Die Geschäftsführung will die Krise nutzen, um den Betrieb neu aufzustellen. „Damit wir langfristig wieder wirtschaftlich stabil dastehen, richten wir uns jetzt operativ und finanziell grundlegend neu aus“, sagt André Lampe.

Für die ostdeutsche Bäckerlandschaft ist die Insolvenz ein weiterer Schlag. Schon seit Jahren verschwinden Traditionsbetriebe – zu teuer, zu viel Konkurrenz durch Discounter, zu wenig Personal. Lampe war einer der Großen, einer der Letzten, die noch echte Handwerksbäckerei mit regionaler Identität verbanden.

Ob alle Filialen überleben, ist offen. Der Insolvenzverwalter prüft Sanierungsoptionen und mögliche Investoren. Klar ist, dass die kommenden Wochen über die Zukunft eines Stücks ostdeutscher Backkultur entscheiden werden und über die Arbeitsplätze hunderter Menschen.

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