Wann wird der russische Impfstoff Sputnik V in der EU zugelassen? Foto: AP Photo/Hassene Dridi

Wie geht es weiter nach dem Debakel um den Astrazeneca-Impfstoff? Nachdem nun auch Deutschland das Vakzin nicht mehr verimpft und auf die Bremse tritt, blicken viele in ein schwarzes Loch. Doch laut Spekulationen steht ein Ersatzprodukt schon in den Startlöchern: Berichten zufolge soll der russische Impfstoff Sputnik V nun auch in Deutschland hergestellt werden. Es gebe bereits Abkommen mit mehreren EU-Staaten – nur die Zulassung fehlt. Rettet uns der Russen-Impfstoff aus der Astra-Krise?

Laut einem Bericht der ARD sagte Kirill Dmitrijew, der Chef des staatlichen Investmentfonds RDIF, Russland habe bereits mit deutschen Unternehmen eine Vereinbarung über die Herstellung des Impfstoffes getroffen. Zudem gebe es Abkommen mit Firmen in Spanien, Frankreich und Italien. Sichergestellt werden soll so, dass genug Impfstoff an europäische Länder ausgeliefert werden kann, sobald die EU-Zulassung für das Medikament vorliegt.

Die Bestätigung über die Produktion von Sputnik V steht noch aus

Eine offizielle Bestätigung aus den europäischen Ländern über Verträge zur Produktion von Sputnik V gab es zunächst nicht. Das Wirtschaftsministerium in Paris erklärte, es wisse nichts über Vereinbarungen mit französischen Firmen. Ähnlich äußerte sich das spanische Gesundheitsministerium. Gerüchten zufolge könnte das Dessauer Unternehmen IDT Biologika die Produktion übernehmen, denn es steht seit einigen Wochen mit dem russischen Hersteller des Impfstoffs in Kontakt. Doch die Firma dementierte. Ein Vertrag sei noch nicht geschlossen worden, sagte ein Unternehmenssprecher.

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Die Prüfung bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA läuft derzeit noch. Doch das kann Wochen oder sogar Monate dauern, heißt es. Denn: Erst wertet die Agentur wissenschaftliche und klinische Tests aus, bevor die Zulassung beginnt. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen machte außerdem die Inspektion der Produktionsstätten zur Bedingung. Es brauche einen stabilen und qualitativ hochwertigen Produktionsprozess, sagte sie. Jeder EU-Staat hat aber die Möglichkeit, den Impfstoff schon vor der offiziellen Zulassung einzusetzen.

Mehrere europäische Länder haben den Russen-Impfstoff schon bestellt

Ungarn etwa hat sich bereits dafür entschieden, zahlreiche Impfdosen bestellt. Auch Zypern hat das bereits getan: Der EU-Inselstaat setzt ebenfalls vorübergehend die Corona-Impfungen mit Mitteln des Herstellers Astrazeneca aus und will 50 000 Dosen Sputnik V kaufen. Sie sollen aber erst eingesetzt werden, wenn die Zulassung steht.

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Zunächst hatte es am Impfstoff Sputnik V Kritik gegeben, denn Russland selbst ließ das Vakzin schon vor dem Abschluss aller wissenschaftlichen Studien zu. Inzwischen hieß es in einer Studie aber, der Impfstoff schütze zu mehr als 90 Prozent, ähnlich wie die Produkte von Biontech/Pfizer und Moderna. Auch deshalb wird bereits für den Einsatz des Impfstoffes geworben. „Ich würde mich jederzeit mit Sputnik V impfen lassen“, sagte etwa Reiner Haseloff (CDU), Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt.