Deutschland pausiert wegen möglicher Nebenwirkungen mit dem Impfstoff von Astrazeneca.  Foto: AP Photo/Alessandra Tarantino, File

Nun ist die Häufung doch auffällig. Wie das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) am Montag mitteilte, sind in Deutschland und anderen europäischen Ländern nach der Impfung mit dem Covid-19-Impfstoff von Astrazeneca weitere Fälle schwerwiegender thrombotischer Ereignisse aufgetreten. Nach intensiver Beratung empfiehlt das PEI nun das vorübergehende Aussetzen der Impfungen hierzulande.

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Bei der Analyse des neuen Datenstands sei in zeitlicher Nähe zu den Impfungen eine Häufung einer speziellen Form von sehr seltenen Hirnvenenthrombosen aufgetreten, Sinusvenenthrombosen genannt. Abgesehen von der Frage, ob es einen ursächlichen Zusammenhang zu dieser Art von Thrombosen gibt, stellen sich hierzulande nun viele praktische Fragen zur Astrazeneca-Impfung und deren Aussetzung. Ein Überblick:

Was sind Sinusvenenthrombosen?

Bei der Sinusvenenthrombose wird eine der großen Venen im Gehirn durch ein Blutgerinnsel verstopft. Dadurch können schwere Komplikationen entstehen. Denn wenn das Blut aus der Vene nicht abfließen kann, baut sich ein erhöhter Druck im Schädelinneren auf. Etwa ein Prozent der Schlaganfälle sind auf Sinusvenenthrombosen zurückzuführen. Diese Art von Thrombosen kann infolge von Infektionen auftreten – etwa bei Masern, bakterieller Blutvergiftung und durch parasitäre Krankheiten wie Malaria. Häufiges Symptom ist Kopfschmerz. Behandelt wird in der Regel mit Wirkstoffen wie Heparin, die Blutgerinnsel auflösen.

Auf welche Symptome ist zu achten?

Personen, die den Covid-19-Impfstoff von Astrazeneca erhalten haben und sich mehr als vier Tage nach der Impfung zunehmend unwohl fühlen – zum Beispiel mit starken Kopfschmerzen oder punktförmigen Hautblutungen –, sollten sich laut PEI unverzüglich in ärztliche Behandlung begeben.

Welche Nebenwirkungen können nach der Covid-19-Impfung auftreten?

Schmerzen an der Einstichstelle, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gelenkschmerzen, auch kurzzeitiges Fieber – diese Nebenwirkungen gelten nach einer Impfung in der Regel als normal. Sie werden als Zeichen gewertet, dass der Körper die nötigen Abwehrstoffe gegen das Virus bildet. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) treten diese Impfreaktionen meist schwach bis mäßig auf und klingen nach kurzer Zeit wieder ab.

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Was soll ich tun, wenn ich Nebenwirkungen merke?

Generell sollten länger anhaltende Nebenwirkungen der eigenen Hausärztin, dem Hausarzt oder in der Apotheke gemeldet werden. Auch wenn der Hausarzt nicht geimpft hat, sollte er immer der erste Ansprechpartner für die Bewertung der Impfreaktionen sein. Zusätzlich können Nebenwirkungen auch direkt ans Paul-Ehrlich-Institut oder über die SafeVac-2.0-App (Download über Google Play Store oder App Store) des PEI gemeldet werden.

Wie lang kann die zweite Impfung hinausgezögert werden?

Für einen vollständigen Impfschutz durch das Vakzin von Astrazeneca sind zwei Spritzen erforderlich. Die zweite Impfung soll hierzulande vier bis zwölf Wochen nach der ersten erfolgen. Personen, die erst kürzlich geimpft wurden, können also in Ruhe abwarten, bis der aktuelle Verdacht geklärt ist.

Wie lange ist der Impfstoff lagerbar?

Das Corona-Mittel AZD1222 von Astrazeneca gehört zu den eher unempfindlichen Impfstoffen: Es kann bei Kühlschranktemperaturen von zwei bis acht Grad Celsius bis zu sechs Monate gelagert und transportiert werden.

Kann man die Impfstoffe miteinander mixen?

Eine gültige Aussage gibt es dazu noch nicht, es fehlt noch an Daten. Generell empfiehlt das Robert-Koch-Institut, bei beiden Impfungen dasselbe Präparat zu benutzen. Es sei nicht sicher, welche Auswirkung ein Mix der Vakzine auf die Wirksamkeit habe. Allerdings haben bereits Studien begonnen, in denen ein Mix des russischen Impfstoffs Sputnik V mit dem von Astrazeneca erprobt wird.

Wie geht es nun weiter?

Das bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA zuständige Gremium PRAC will an diesem Dienstag über weitere Schritte entscheiden, so die EMA.