Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko verteidigte die erzwungene Landung der Maschine in Minsk. AP/TUT.by

Der belarussische Diktator Alexander Lukaschenko kommt nach der erzwungenen Landung einer Ryanair-Maschine in Minsk immer stärker unter Druck. Denn an seiner Behauptung, das Flugzeug sei wegen einer Bombendrohung nach Belarus umgeleitet worden, mehren sich Zweifel.

So beweist eine E-Mail, dass die Anweisung an die Piloten bereits vor Eingang der angeblichen Bombendrohung erfolgt war.

Nach Angaben der belarussischen Regierung lag gegen das Ryanair-Flugzeug ein Drohschreiben der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas vor, wie die AFP berichtet. In der E-Mail habe es unter anderem geheißen, dass an Bord der Maschine „eine Bombe deponiert“ sei, sagte am Montag der Chef der Luftfahrt-Abteilung im belarussischen Transportministerium, Artem Sikorski. Zum Beleg las er nach eigenen Angaben eine russische Übersetzung der angeblich auf englisch abgefassten E-Mail vor.

In der E-Mail hieß es laut Sikorski: „Wir, Soldaten der Hamas, fordern, dass Israel die Angriffe auf den Gazastreifen einstellt. Wir verlangen, dass die Europäische Union ihre Unterstützung für Israel einstellt.“ Sollten diese Forderungen nicht erfüllt werden, „wird eine Bombe über Vilnius explodieren“.

Zu diesem Zeitpunkt war aber längst die Waffenruhe zwischen Israel und Hamas in Kraft, die Hamas streitet eine Verbindung zu der Mail strikt ab.

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Außerdem ging die E-Mail am Flughafen Minsk erst um 12.57 Uhr ein. Doch schon knapp eine halbe Stunde zuvor hatten die Fluglotsen die Piloten über die angebliche Bombe an Bord informiert. kurz nachdem die Ryanair-Maschine gegen 12.30 Uhr auf dem Weg von Athen nach Vilnius den belarussischen Luftraum erreicht hatte.

Um 12.47 Uhr änderte das Flugzeug dann den Kurs und steuerte zur Zwischenlandung Minsk an.

Ein Kampfjet eskortierte die Passagiermaschine.

Am Flughafen wurden dann der im Exil lebende Journalist und Aktivist Roman Protassewitsch und seine aus Russland stammende Freundin Sofia Sapega, die sich an Bord der Maschine befanden, festgenommen. Eine Bombe wurde nicht gefunden und die Ryanair-Maschine konnte nach gut viereinhalb Stunden weiter nach Vilnius fliegen.