Fünf Jahre lang lebten zwei kleine Brüder in der kanadischen Provinz Ontario bei einem Paar in Betreuung. Am Ende war einer der Jungen tot, der andere schwer traumatisiert. Nun wurden die Pflegemütter Becky Hamber und Brandy Cooney wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.
Der Fall erschüttert die Menschen in Kanada – nicht nur wegen der Grausamkeit der Taten, sondern auch wegen der Frage, wie die beiden Jungen so lange ungeschützt bleiben konnten.
Der tote 12-Jährige war bis auf die Knochen abgemagert
Die Brüder aus einer kanadischen Ureinwohnerfamilie waren 2017 als kleine Kinder in die Obhut von Hamber und Cooney gekommen. Das Paar wollte sie adoptieren. Fünf Jahre später fanden Rettungskräfte den älteren Jungen tot im Keller des Hauses in Burlington westlich von Toronto. Nach Gerichtsangaben war der 12-Jährige so stark abgemagert, dass Ersthelfer zunächst kaum glauben konnten, dass es sich tatsächlich um ein Kind dieses Alters handelte.
Die Jungen waren eingeschlossen und mussten hungern
Der jüngere Bruder wurde vom Jugendamt in Sicherheit gebracht. Später sagte er vor Gericht aus und schilderte Jahre voller Misshandlungen. Die Brüder seien immer wieder in ihren Zimmern eingeschlossen worden und hätten teilweise tagelang nichts zu essen bekommen.
Der überlebende Junge berichtete außerdem, dass er sein Zimmer nicht einmal zum Gang auf die Toilette verlassen konnte, ohne dass jemand die Tür von außen öffnete.
Zeitweise musste er einen Neoprenanzug tragen, der mit Kabelbindern an seinen Füßen befestigt gewesen sein soll. Die Kabelbinder schnitten tief in die Haut.
Vor Gericht wurde zudem bekannt, dass die beiden Frauen die Jungen wiederholt mit beleidigenden Namen wie „Versager“ oder „Idiot“ beschimpft haben sollen.

Selbst nach dem Urteil sehen sie sich als gute Pflegemütter
Richter Clayton Conlan fand ungewöhnlich deutliche Worte. In seiner schriftlichen Urteilsbegründung erklärte er, die beiden Frauen hätten die Kinder „gehasst“ und ihnen übelgenommen, „nicht das geworden zu sein, was erwartet wurde“. Der Richter kam zu dem Schluss, dass die beiden Frauen den Tod des Jungen bewusst herbeiführten. Deshalb wurden sie wegen Mordes ersten Grades schuldig gesprochen.
Bis zuletzt bestritten Hamber und Cooney ihre Schuld. Sie bezeichneten sich bei der Urteilsverkündung als gute Pflegemütter und erklärten, zu Unrecht verurteilt worden zu sein. Der Richter ließ daran keinen Zweifel: Ihre moralische Schuld sei „so hoch, wie man sie sich nur vorstellen kann“.
Familie trauert und erhebt schwere Vorwürfe
Besonders bewegend waren die Aussagen der Familie bei der Strafmaßverkündung. Die leibliche Mutter der Brüder sprach vom „dunkelsten Tag“ ihres Lebens. Ihr Sohn sei klug, widerstandsfähig und lebensfroh gewesen. Und sie bat darum, dass das Andenken an ihren Sohn nicht auf sein schreckliches Ende reduziert wird. „Er war ein Kämpfer“, sagte sie. Und genau so soll man sich an ihn erinnern.
Der jüngere Bruder schilderte seine Trauer mit einfachen Worten, die im Gerichtssaal für bedrückende Stille sorgten. Nie wieder werde er mit seinem Bruder Baseball spielen können. „Ich werde ihn nicht mehr sehen und nicht mehr mit ihm sprechen können“, sagte er. Über die Jahre bei den beiden Frauen sagte er: „Es hätte niemals passieren dürfen.“
Auch die Großmutter erhob schwere Vorwürfe. Sie erklärte, sie und eine frühere Pflegemutter hätten wiederholt gewarnt, dass die Jungen in Gefahr seien. Sie habe sogar befürchtet, die Jungen könnten getötet werden. Mehrfach habe sie Mitarbeiter der Kinderschutzbehörde gewarnt. Geändert habe sich dennoch nichts.


