Neue Berechnungen

Die Erde und die sterbende Sonne: Forscher berechnen das Ende neu

Neue Modelle deuten an, dass unser Planet das Sterben der Sonne übersteht. Bewohnbar wäre die Erde dann aber längst nicht mehr.

Author - Tobias Esters
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Eine glühende Sonne dicht hinter der Erde: In ferner Zukunft könnte unser Stern dem Planeten gefährlich nahe kommen. (Symbolbild)
Eine glühende Sonne dicht hinter der Erde: In ferner Zukunft könnte unser Stern dem Planeten gefährlich nahe kommen. (Symbolbild)Roman Ivashchenko/Zoonar.com/IMAGO

Es ist die wohl größte Frage über die Zukunft unseres Planeten: Wird die Erde am Ende von der sterbenden Sonne verschluckt? Lange galt das düstere Szenario als wahrscheinlich. Jetzt rechnet ein Forscherteam das Schicksal der Erde neu durch – und kommt zu einem überraschend versöhnlichen Ergebnis.

Neue Modelle berechnen das Ende der Erde

In etwa fünf Milliarden Jahren hat die Sonne ihren Wasserstoff im Kern verbraucht. Sie bläht sich auf, wird zum Roten Riesen und später zu einem noch größeren alternden Stern. Dabei dehnt sie sich weiter aus als die heutige Umlaufbahn der Erde. Ein Team der Universität Leuven und dem CEA Paris-Saclay hat dieses späte Schicksal mit neuen Modellen berechnet. Das Ergebnis veröffentlichten die Forscher im Fachblatt Astronomy & Astrophysics: Die Erde könnte der aufgeblähten Sonne knapp entkommen.

Über das Schicksal der Erde entscheidet ein Kräftemessen zweier Effekte. Verliert die alternde Sonne Masse über starke Sternwinde, lässt ihre Schwerkraft nach – und die Erde wandert auf eine weitere Bahn nach außen. Gleichzeitig zerren Gezeitenkräfte am Planeten, bremsen ihn und ziehen ihn nach innen. Welcher Effekt gewinnt, entscheidet über Leben und Tod der Erde.

Die Sonne und ihre Planeten: Wenn unser Stern altert, entscheidet sich das Schicksal jedes einzelnen Planeten.
Die Sonne und ihre Planeten: Wenn unser Stern altert, entscheidet sich das Schicksal jedes einzelnen Planeten.Design Pics/IMAGO

„Dieses empfindliche Gleichgewicht zwischen diesen Effekten ist entscheidend", sagt Mats Esseldeurs von der KU Leuven laut Brussels Times. „Wenn die Gezeitenkräfte überwiegen, wird die Erde von der sterbenden Sonne verschluckt. Wenn der Masseverlust überwiegt, kann der Planet auf eine weitere Umlaufbahn entkommen." Ältere Berechnungen gingen von stärkeren Gezeitenkräften aus und sagten den Untergang der Erde voraus. Die neuen Modelle bewerten diese Kräfte schwächer – und lassen die Erde weit genug nach außen wandern, um die Riesenphasen zu überstehen.

Merkur und Venus trifft es härter

Für die beiden innersten Planeten fällt das Urteil eindeutig aus: Merkur und Venus liegen zu nah an der Sonne. Sie können nicht schnell genug nach außen ausweichen und werden während der Riesenphase verschluckt. Mars dagegen bleibt weit genug entfernt und überlebt. Die Erde liegt genau dazwischen, in einer heiklen Übergangszone, in der schon kleine Änderungen im Modell über ihr Ende entscheiden.

Warum die Rettung keine Rettung ist

Doch das Wort „überleben" klingt tröstlicher, als es ist. Die Berechnungen handeln allein von der Bahn der Erde – nicht von Ozeanen, Atmosphäre oder Leben. „Das bedeutet nicht, dass die Erde bewohnbar bleibt", warnt Astronomin Leen Decin. „Lange bevor die Riesenphase der Sonne beginnt, werden die Temperaturen auf der Erde so drastisch steigen, dass Leben unmöglich wird." Die Erde würde also als verbrannte Felskugel weiter ihre Bahn ziehen – ein toter Planet ohne Leben.

Ganz sicher ist die Entwarnung ohnehin nicht. Besonders unklar bleibt, wie viel Masse die Sonne in ihrer Spätphase tatsächlich verliert. Als Blick in die mögliche Zukunft nutzten die Forscher den alternden Stern L2 Puppis, der fast dieselbe Anfangsmasse wie die Sonne besitzt. Mehr Klarheit soll die europäische Raumsonde PLATO bringen, die künftig Planeten um alternde Sterne aufspüren wird. Für die Erde bleibt vorerst ein schmales Fazit: Die Sonne verschluckt sie vielleicht nicht – für das Leben auf ihr käme diese Rettung trotzdem viel zu spät.